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INTERVIEW

Johann Straner: "Gehe ans Grab des Attentäters"

Drei Kugeln trafen am 6. November 2003 Fohnsdorfs Bürgermeister Johann Straner. Zum fünften Jahrestag des Attentats haben wir gefragt, wie sehr das Ereignis ihn noch belastet.

 
Herr Bürgermeister, wie gehen Sie mit dem 6. November um - jenem Datum, an dem ein Attentäter Sie in Ihrem Büro mit drei Kugeln lebensgefährlich verletzt hat. Verdrängen Sie es oder versuchen Sie es bewusst zu verarbeiten?
JOHANN STRANER: Ich habe jedes Jahr eine sehr persönliche Vorgehensweise. Ab Mittag nehme ich mir frei, gehe dann allein in die Kirche. Ich besuche auch das Grab vom Klement (Pernthaller, der Attentäter, Anmerkung). Für diesen Schritt habe ich drei Jahre gebraucht. Ich empfinde Mitleid mit ihm, denke mir, er könnte noch leben und warum er so etwas Unsinniges gemacht hat.

Leiden Sie noch an körperlichen Folgen?
STRANER: Die Schusswunde schmerzt öfters. Auch der Rücken, speziell, wenn ich auf unebenen Flächen gehe. Ich habe kein Gefühl in der linken Brust und in der linken Hand. Die zweite Seite ist freilich, was alles sein hätte können. Der Tod wäre die logische Folge gewesen, oder dass ich im Rollstuhl sitze - da ging es um Zehntelmillimeter.

< I>Und psychisch?
STRANER: Ich habe damals sehr schnell eine Therapie gemacht, das hat geholfen. Dass es in gewisser Weise nicht verarbeitet ist, merke ich, wenn ich bei jemandem Ähnlichkeiten mit dem damaligen Verhalten vom Klement feststelle. Da werden mir die Geschehnisse gegenwärtig, und ich werde vorsichtig.

Sie sagten nach dem Attentat, Sie seien gläubiger geworden und bedanken sich jeden Tag beim Herrgott. Vergisst man das, wenn es einem wieder besser geht?
STRANER: Das habe ich nicht vergessen, im Gegenteil, es ist stärker. Mein Glauben ist sehr tief geworden und dass ich gerettet wurde, ist für mich der Beweis, dass es jemanden - den Herrgott - gibt, der uns unser Leben lang begleitet. Ich bin auch ein gelassenerer Mensch geworden.

In Ihrem Büro stehen drei dicke Bücher mit rund 3000 Genesungswünschen. Werfen Sie dann und wann einen Blick hinein?
STRANER: Manchmal versuche ich es, höre aber nach ein, zwei Seiten auf. Das packe ich emotional nicht, wenn ich das lese, habe ich alles wieder vor mir.

Was bedeutet Ihnen mehr? Ihr fünfter Geburtstag am 6. oder ihr 50. Geburtstag am 17. November?
STRANER: Von den Feierlichkeiten her der 17., für mich persönlich der 6. November.

Für Sie gibt es bald auch einen erfreulichen Jahrestag zu feiern: Am 7. Dezember ist die Therme Fohnsdorf ein Jahr geöffnet, deren Umsetzung Sie nach Ihrer Genesung mit Leidenschaft betrieben haben. Ihre Bilanz?
STRANER: Wir sind sehr zufrieden und werden auf rund 150.000 zahlende Gäste kommen plus tausende Kinder, die bis zum sechsten Lebensjahr Gratiseintritt haben. Viele Gäste bestätigen, dass wir eine qualitativ hochwertige Therme haben, in der das Verhältnis von Preis und Leistung stimmt. Ich lade alle ein, sich davon zu überzeugen.

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