AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Freispruch nach Angriff auf Lehrer

15-jährige Schülerin der HLW Fohnsdorf soll ihren Lehrer mit Haarspray besprüht und ihm gedroht haben, ihn anzuzünden. Das Straflandesgericht Leoben spricht sie frei.

 
Durch die Klasse fliegende Wurfgeschosse. Lehrer und Schüler, die sich gegenseitig mit Farbe beschmieren. Jugendliche, die von ihrem Lehrer "zum Spaß" ein Messer angesetzt bekommen. Und ein Umgangston, der besser in ein B-Movie über eine Klasse voller Underdogs in einem New Yorker Ghetto passen würde als in eine Unterrichtsstunde an der HLW Fohnsdorf: Kein heimeliges Bild, das die Schüler gestern am Straflandesgericht Leoben vor Richterin Sabine Anzenberger von den Stunden in bildnerischer Erziehung zeichneten.

"Jetzt zünd' man an". Im Juni dieses Jahres die Eskalation: Eine 15-jährige Schülerin aus Judenburg - derzeit auf der Suche nach einer Lehrstelle - soll den Lehrer mit Taft besprüht haben mit den Worten: "Jetzt zünd' man an." Dieser lief bei der Türe hinaus und sperrte sich in einen anderen Raum ein.

"Nicht schuldig". Bei der Verhandlung fühlt sich das Mädchen nicht schuldig: Staatsanwalt Gerhard Ressi wirft ihr gefährliche Drohung vor. Die Angaben des Lehrers würden nicht stimmen: "Zünd' ma das Gas an", habe sie gesagt. Der Fall sei "kurios" gelagert, meint der Verteidiger: Bei der Einvernahme durch die Polizei und in der Lehrerkonferenz habe der Lehrer den Vorfall unerwähnt gelassen und erst per Fax nachgereicht.

"Lockere" Beziehung. Seit nunmehr 21 Jahren unterrichte er bildnerische Erziehung und habe stets eine "lockere, offene Beziehung" zu den Schülern gepflegt, meint der Pädagoge. Seine Art bezeichnet er als "menschlich und humorvoll". So habe er Schülerinnen immer wieder als "schiache blade Kuh" oder "schiache Hex'" bezeichnet, sagen die Mädchen aus. Der Lehrer räumt ein, dass er diese Lockerheit zu weit habe gehen lassen: "Das tut mir leid. Ich werde mein Unterrichtssystem umstellen." "Für mich war ein Lehrer immer eine Respektsperson. Es ist erschütternd, dass dieser Respekt so den Bach hinunter geht", meint Richterin Anzenberger.

Raue Sitten. Die Attacke mit dem Haarspray und die Aussage "Zünd' man an" will von den Schülerinnen bis auf eine keine gesehen oder gehört haben: "Ich war gerade am Klo", "Ich habe mich geschminkt und außerdem die Kopfhörer von meinem Musikhandy in den Ohren gehabt." Ein kurzer Querschnitt. Warum der Lehrer aus der Klasse geflüchtet sei, daran wollen sich die Mädchen nicht mehr genau erinnern können. Jedenfalls dürfte es eine Rangelei um ein Handy gegeben haben: "Wir wollten den Lehrer filmen und das auf You Tube ins Internet stellen, damit alle sehen können, wie er mit uns umgeht", erklärt eine Schülerin.

Freispruch. Richterin Anzenberger spricht die Angeklagte frei: "Ich bin fest überzeugt, dass sie den Lehrer angesprüht und das gesagt haben. Aber ich bin auch sicher, dass eines das andere ergibt in dieser Umgebung, wo solche Sitten herrschen und Sie ihn nicht vorsätzlich bedrohen wollten." Der Freispruch ist nicht rechtskräftig.