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Prügel für Körper und Seele

Gewalt macht sich im Klassenzimmer breit. 80 Prozent der steirischen Schüler und Lehrer sind betroffen. Deshalb steht das heurige Schuljahr ganz im Zeichen der Gewaltprävention.

© APA
 
Ein 19-jähriger Schüler kommt am Dienstag bewaffnet mit Messer und Baseballschläger in eine Kremser Hotelfachschule zur Nachprüfung. Statt zur Prüfung anzutreten, schlägt er zu. Sein Direktor wird mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Woche vor diesem Vorfall werden in der HTL Eisenstadt 13 Burschen während eines Aufnahmerituals namens "Baucherln" verletzt. Die Täter: 16 ältere Mitschüler (wir berichteten).

Aufschreie. "Schläge sind oft ein Aufschrei der Kinder und Jugendlichen", weiß Schulpsychologe Josef Zollneritsch. Auch in den steirischen Klassenzimmern steht Gewalt an der Tagesordnung. Laut dem Landesschulrat sind rund 80 Prozent Schüler und Lehrer betroffen. Es sind aber nicht immer Baseballschläger und Fäuste, mit denen Gewalt ausgeübt wird. Wie etwa im Fall jenes Lehrers der HLW Fohnsdorf, der im Juni von Schülerinnen der ersten Klasse solange schikaniert wurde (er wurde von den Mädchen mit ihren Handys gefilmt und angemalt), bis die Situation eskalierte.

Aggressionen. "Die Schule kommt zum Handkuss. Die Schüler lassen ihre ganze Aggression dort aus, wo sie die meiste Zeit verbringen", erklärt der Psychologe. Es seien vor allem gewaltverherrlichende Computerspiele und Filme, die die Gewaltbereitschaft der Jugend steigern. Auch mache sich eine gewisse "Erziehungsmüdigkeit" der Eltern zunehmend bemerkbar. Viele würde sich laut Zollneritsch darauf verlassen, dass ihre Kinder Werte und Moral im Klassenzimmer vermittelt bekommen.

Anlaufstellen an Schulen. Neben dem zuständigen Schulpsychologen sollte es an jeder Schule einen Pädagogen geben, der Schülern, Lehrern und Eltern als Anlaufstelle dient. Um der aktuellen Tendenz entgegen zu wirken, setzt der steirische Landesschulratspräsident Wolfgang Erlitz in diesem Jahr auf psychosoziale Gesundheit und Gewaltprävention. Erlitz warnt aber: "Das Thema ist sehr komplex. Schnelle Erfolge von Maßnahmen können daher nicht erwartet werden. Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde."
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