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Karl im Interview"Meine Direktheit ist vermutlich meine Schwäche"

Snowboarder Benjamin Karl (33) spricht vor dem Weltcup in Bad Gastein über seine Passion, Motivation, Kritik und Typen.

Benjamin Karl © GEPA pictures
 

Es ist angerichtet! Herr Karl, Sie mussten 2018 verletzungsbedingt passen, was geht Ihnen vor dem Heimrennen in Salzburg durch den Kopf?
BENJAMIN KARL: Ich freu mich extrem darauf. Im Slalom habe ich ein Set-up gefunden, das mir taugt und mit dem ich konkurrenzfähig bin. Ich habe ein Brettl unter den Füßen, so gut hat es sich das letzte Mal 2011 angefühlt. Was nicht heißt, dass man die Leistung automatisch hinunterbringt, aber mit diesem Material kann ich selbstbewusst und locker ins Rennen gehen. Auch körperlich bin ich auf hohem Niveau. Der Winterliebhaber ist also absolut bereit.

Würden Sie sich als Flutlicht-Spezialist bezeichnen?
Ich fahre zwar gern unter Flutlicht, doch ich bin eher ein Morgenmensch. Aber so um 19 Uhr passt das schon noch ganz gut.

In Ihrer 13-jährigen Weltcup-Karriere haben Sie alle Höhen und Tiefen miterlebt. Von Erfolgen bis Verletzungen. Jetzt sind Sie 33. Was haben Sie noch auf Lager?
(lacht) Ich finde ständig heraus, dass ich Verbesserungspotenzial habe, egal ob es um meine körperliche Verfassung, um die Technik oder das Material geht. Das macht mir Spaß. Ich sehe, dass ich noch schneller werde, jederzeit vorne mitmischen kann, und das motiviert mich immer wieder aufs Neue.

Apropos Motivation: Das Einzige, was fehlt, ist Olympia-Gold.
Stimmt! Da muss ich nur wieder drei Jahre warten, bis ich eine Chance bekomme ...

Das heißt, man wird Benjamin Karl noch einige Jahre sehen?
Ja, das hab ich vor. Denn meine Frau steht voll hinter mir. Es gibt also nichts, was mich hindert, meine Passion auszuüben.

Snowboard in Bad Gastein

ÖSV-Aufgebot für den Weltcup-Parallelslalom:
Damen (4): Jemima Juritz (K), Claudia Riegler (S), Sabine Schöffmann (K), Daniela
Ulbing (K).
Herren (8): Arvid Auner (ST), Aron Juritz (K), Benjamin Karl (NÖ), Sebastian Kislinger (ST), Lukas Mathies (V), Fabian Obmann (K), Alexander Payer (K), Andreas Prommegger (S).
Programm: Heute 14.30 Uhr: Qualifikation Damen und Herren. Um 18.45 Uhr Finale der Top 16 Damen & Herren. Am Mittwoch findet um 13 Uhr der Mixed-Teambewerb statt.


Es gibt im Sport immer weniger Typen. Sie sind jemand, der polarisiert und sagt, was er denkt, was nicht immer allen passt. Waren Sie schon immer so?
Die Geschichte dauert etwas länger, aber fing so an, dass ich einst als Unbekannter viele Skirennen geschaut habe – ich bin ja auch skibegeistert. Nur haben mich Interviews genervt, wo nur gesagt wurde: „Wir werden schon sehen, schau ma mal.“ Ab diesem Zeitpunkt ist mir klar geworden, dass ich anders sein will. Ich wollte keine faden Interviews geben, sondern echt sagen, was ich mir denke. Die Leute sollen wissen, wer ich bin, was ich vorhabe, was meine Ziele sind. Dafür habe ich oft viel Kritik einstecken müssen.

Geht Ihnen Kritik nahe?
Wenn Sie von bestimmten Menschen kommt, teilweise schon. Ich habe da ein gutes Beispiel: Ich war im Winter 2008 verletzt, bin noch kein Weltcuprennen gefahren und habe kurz vor der WM betont, dass ich zweifacher Weltmeister werden will. Na ja, und danach redet im Team keiner mehr mit mir, außer die Trainer. Jeder sagt nur, wie abgehoben der Herr Karl ist. Du bist sechs Monate quasi allein auf dich gestellt, fährst ohne Freunde in der Weltgeschichte herum. Das war eine sehr schwere Zeit, die mich letztlich immens geprägt hat. Der einsame Wolf wird nur stärker, wenn er seinen Weg geht, und so geht es mir auch. Ich will mich nicht ändern. Ich will wissen, wer meine Freunde sind, wer ehrlich an mich glaubt. Ich brauche keine Schulterklopfer. Ich bin nicht Everybodys Darling, das will ich auch nicht sein. Ich bin ein herzlicher Mensch, dem Freundschaft über alles geht. Man muss sich auf mich einlassen, um zu merken, wie ich wirklich bin.

Ihr Selbstbewusstsein, das Vertrauen in sich selbst, ist eine Ihrer großen Stärken. Geben Sie uns Ihre größte Schwäche preis?
Man versucht ja immer, keine Schwächen zu haben. Aber meine Direktheit ist vermutlich eine Schwäche, da ich sehr akkurat bin. Die Leute verstehen mich oft falsch, obwohl ich es nicht böse meine. Ich bin trotzdem froh, dass ich so bin, wie ich bin. Und ich würde das immer wieder genauso machen.

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