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Ex-SkistarKristian Ghedina: „Der Sport braucht mehr Verrückte!“

Schon als Aktiver war Kristian Ghedina immer ein wenig verrückt. Was der Cortinese von der WM in der eigenen Stadt hält, warum er keine Zeit hat – und was er im Sport am meisten vermisst.

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Kristian Ghedina
Kristian Ghedina, berühmt durch seine wilden Aktionen wie einer Grätsche beim Zielsprung in Kitzbühel © AP
 

Kristian Ghedina (52) kommt im Laufschritt und dauertelefonierend eine halbe Stunde zu spät zum Termin, hat aber eine gute Ausrede parat: Er musste ich um seinen fünf Monate alten Sohn Nathan kümmern. Als Abfahrer wurde der Italiener berühmt durch seine wilden Aktionen wie einer Grätsche beim Zielsprung in Kitzbühel, oder, als er in Gröden ein Reh auf der Abfahrt überholte.

Die Frage, ob Sie die WM genießen können, brauche ich Ihnen angesichts der Eile und Geschäftigkeit wohl nicht zu stellen…
Kristian Ghedina: Nein, die WM ist ein einziger Stress. Ich habe noch nie in meinem Leben ein Großereignis genießen können, weder WM noch Olympia. Als Sportler bist du so fokussiert auf die Sache, dass du das nichts mitbekommst. Jetzt hätte ich mich auf Cortina gefreut, aber ich habe so viele Termine, dass sich alles nicht ausgeht. Zudem habe ich einen fünf Monate alten Sohn und für meine Freundin, die in Brixen lebt, ist der Mutterschutz zu Ende, der ist in Italien nur fünf Monate. Jetzt pendeln wir zwischen Cortina und Brixen hin und her.

Kristian Ghedina

  • Geboren: am 20. November 1969 in Pieve di Cadore, Italien
  • Wohnort: Cortina, Brixen.
  • Familienstand: Ledig, Freundin Patrizia, 1 Sohnn(Nathan, 5 Monate)
  • Erfolge: 13 Siege im Weltcup (12 Abfahrten, 1 Super G), WM Silber Kombination Saalbach 1991, WM-Silber Abfahrt Sierra Nevada 1996, WM-Silber Abfahrt Sestriere 1997.

Welchen Beruf könnte man bei Ihnen angeben? Kristian Ghedina?
Ja, das kommt irgendwie hin. Ich habe seit fünf Jahren eine Skischule, um die ich mich aktuell sehr kümmere, dann ich habe eine Pizzeria in Cortina und ich bin Testimonial von einigen Firmen wie Dainese, Audi oder Blizzard. Da kommt schon einiges zusammen.

Dem Skisport fehlen Typen wie Tomba, Maier oder auch Sie. Wie sehen Sie das?
Jeder Sport braucht ein paar Verrückte. Bei uns im Skisport waren das Tomba, Miller, Maier. In der Moto-GP ist das Valentino Rossi. Wegen solchen Typen schauen die Fans die Rennen. Es geht nicht nur um brave Arbeiter. Wer nicht ganz normal ist, der gefällt den Leuten.

Wie schafft man diese Typen?
Das hat mit deren Persönlichkeit zu tun. Tomba war so einzigartig, den kann man nicht kopieren. Du kannst nicht gezwungen anders sein, das muss aus dir kommen. Ich war immer lustig, ich habe Freude gehabt, und mir war es egal, was die Leute gesagt haben. Vielleicht bin ich auch nicht ganz normal, denn ich bin seit März des Vorjahres nicht mehr auf Ski gestanden und habe jetzt den Vorläufer bei den Abfahrten gemacht, mit Grätsche beim Zielsprung. Alle haben gesagt: Das geht nicht. Aber es geht. Mir tun jetzt nur die Beine weh.

Haben Sie noch Kontakt mit Tomba?
Lange Zeit nicht, aber in der Vorwoche hat er mich angerufen. Ich habe ein Interview gegeben, in dem ich gesagt habe, dass Tomba in der Jugend nicht immer der Schnellste war. Da hat er mich sofort angerufen und gesagt: ‘Kristian, wie kannst du das sagen, mich hat niemand geschlagen’. Aber man muss sagen: Alberto Tomba war das Beste, was dem Skisport passieren konnte, er hat so viel für den Sport getan. Der Einzige, bei dem ich kein gutes Gefühl gehabt hatte, war Patrick Ortlieb. Er war immer ein bisschen anders und hat alles besser gewusst. Aber das war mir egal.

Wie gefällt Ihnen die WM?
Ich habe schon vor Beginn gesagt, dass der Super G der beste WM-Bewerb sein wird, das war auch so. Und Cortina ist einfach einer der schönsten Plätze der Welt. Ich selbst bin aber lieber am Berg bei den Bauern als unter den Nerzmantelträgern im Ort.

Welcher Skirennläufer gefällt Ihnen im Moment?
Dominik Paris wäre schon einer, der das Potenzial zu einem Star hätte. Er ist charismatisch, aber er muss mehr von sich hergeben. Er ist immer freundlich, aber er geht dann oft schnell seiner eignen Wege.

Stehen Sie als Pizzeria-Besitzer hin und wieder in Küche?
Nein. Aktuell habe ich die Pizzeria an meinen Onkel verpachtet, weil ich zu wenig Zeit habe. Aber irgendwann werde ich in mein Lokal zurückkehren, dann werde ich Wirt.

Cortina wird mit Mailand auch Olympia 2026 ausrichten – eine gute Idee?
Eine schwierige Sache. Ich glaube, dass es gut ist, dass man an bestehenden Orten Olympia organisiert, also in Antholz Biathlon, in Val di Fiemme die Nordischen oder in Cortina Alpin-Bewerbe. Aber das Konzept 2026 ist trotzdem kompliziert. Die Herren-Rennen sind in Bormio geplant, die Damen-Bewerbe in Cortina (rund sechs Stunden Fahrzeit liegen zwischen beiden Orten, Anm.). Wie soll das gehen?

Kommentare (2)
Kommentieren
Ragnar Lodbrok
18
3
Lesenswert?

Wenn man sich die Anzahl der Verletzten jedes Jahr anschaut -

lieber Hr Ghedina - es gibt leider viel zu viele "Verrückte". Nicht nur in der Profi Klasse - hier ist es halt offensichtlich.
Alleine in Österreich gibt es Jahr für Jahr fast 40.000 Verletzungen durch Schifahren und nahezu 800 Mio an Folgekosten.
Eigentlich verrückt...

SANDOKAN13
0
13
Lesenswert?

Sie haben nicht

verstanden, was er meint. So Typen wie Mario Cipollini, Todd Elik und Peter Sagan z.B.