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Hilferuf an die RegierungBSO-Präsident: "Wir brauchen Soforthilfe für den Sport"

Es reicht! Die Spitzen des organisierten Sports in Österreich steigen auf die Barrikaden: Sie fordern Soforthilfe für den Sport - und zwar sofort. Denn sonst gehe das Vereinssterben so richtig los, mit dramatischen Folgen für den Sport, die Gesundheit und die Bevölkerung.

PG SPORT AUSTRIA'OeSTERREICHS SPORT IN DER CORONA-KRISE: ZWISCHENBILANZ UND AUSBLICK': NIESSL
Sport-Austria-Präsident Hans Niessl richtete mit seinen Kollegen einen dramatischen Appell an die Regierung © APA/ROBERT JAEGER
 

Es gibt Bereiche, an denen nagt die Coronakrise und ihre Folgen besonders. Aber kaum ein Bereich ist so getroffen wie der Sport. Keine Veranstaltungen - vom Profi- bis in den Amateurbereich -, nach wie vor für viele Sportarten kein Training, dazu in der neuen Schulordnung gemeinsam mit der Musik gleich im Vorhinein einfach gestrichen. Rund 15.000 Vereine in ganz Österreich kämpfen. Und brauchen Hilfe. Dringend, wie die Spitzen des organisierten Sports in einem dringenden Appell an Regierung mitteilten.

"Wir haben alle Unterlagen bereitgestellt  - die besten, die es gibt. Wir haben alles getan, um zu unterstützen. Aber nichts ist passiert. Von den versprochenen 100 Millionen Soforthilfe für den Sport ist noch kein Cent da", meinte Hans Niessl, Präsident von Sport Austria. Seit Wochen sei man als Bittsteller unterwegs, aber bekomme nicht einmal eine Antwort, wie und was nun geschehe. Dabei sei es höchst an der Zeit.

Michael Eschlböck, sein Vizepräsident und als Präsident des American-Football-Verbandes gut im Bilde, drückte es drastisch aus: "Bei vielen Vereinen kann man nicht mehr von einem 'Two-Minute-Warning', wie es im Football heißt, sprechen. Da geht es schon eher um 15 Sekunden. Wenn nicht schnell, also sofort, etwas geschieht, wird es viele Vereine nicht mehr geben - dann heißt es: 'End of Game - Spielende'. Und ich weiß nicht, ob wir das wirklich wollen!"

Das Problem: Weil Vereine gemeinnützig sind, gibt es statutengemäß wenig bis keine Rücklagen. Trainer und Angestellte müssen trotzdem bezahlt werden, auch wenn es gelungen sei, wie Niessl meint, "den Breitensport, der an sich nicht vorgesehen war, in das Kurzarbeitskonzept zu integrieren". Aber nun sei die finanzielle Decke dünn, die Vereinsvorstände sind haftbar. "Und da werden sich Vereine wohl eher auflösen, bevor sie insolvent werden."

Problem Mannschaftssport

Eschlböck, der mit den Footballern die Liga schon auf Herbst verschoben hat, bringt das Problem seines Verbands auf den Punkt: "Die Testungen kosten ein Vermögen - bis es eine Impfung gibt, kann es auch zwei Jahre dauern. Wir können nur auf zuverlässige, leistbare Methoden hoffen. Und dann ist es auch so, dass man Profis zwar zwingen kann, Risiken einzugehen, Amateure aber nicht. Und wir haben viele Amateurspitzensportler. Da wird alles immer freiwillig sein." Was aber alle unbedingt wollen: "Trainieren. So nah wie möglich am Sport dran sein. Wir haben auch dazu Konzepte abgeliefert, vom Sportminister Verständnis bekommen. Ich weiß auch nicht, wo es hakt beim Mannschaftssport. Was ich sagen kann: In einem Team muss jeder Spieler seinen Job machen. Und das kann ich nur den zuständigen Ministerien mitgeben: Do your job! Und zwar jetzt!"

Problem Schulsport

Besonders betroffen zeigte man sich darüber, dass nach der Wiederöffnung der Schulen Sport und Musik ersatzlos gestrichen wurden. "Im Hygienehandbuch sind auch explizit Angebote von außen verboten", schimpfte ASKÖ-Präsident Hermann Krist, "das heißt, wir können auch mit all unseren Initiativen nicht zu den Kindern. Das ist inakzeptabel." Auch Sportunion-Präsident Peter McDonald stieß da ins selbe Horn: "Wir haben viel geschafft, etwa eine digitale Plattform mit über 200 Kursen. Wir würden gerne den Lehrern zu Seite stehen. Wir brauchen die tägliche Bewegungsstunde, wir können Eltern und Lehrer unterstützen. Als fünffacher Vater weiß ich: Einem Kind ohne Sport fehlt etwas!"

Man vergesse, meinte ASV-Präsident Paul Haber, den Nutzen des Sports, der - selbst wenn man alle Unfälle und Verletzungen in Abzug bringe - rund eine dreiviertel Milliarde Euro in die Volkswirtschaft einzahle. Durch Spitzensport, aber auch und vor allem durch den Breitensport, die Gesundheitsvorsorge. "Man muss schnell schauen, dass das System aufs alte Niveau hochgefahren wird, eventuell sogar verbessert wird."

Bitte nicht in einen Topf mit NGOs

Und auf noch eine Besonderheit wies man hin: "Wir sind nicht zu behandeln wie Wirtschaftsunternehmen. Wir sind auch keine NGOs. Wir brauchen einen sportspezifischen Topf, aus dem wir schnell helfen können", meinte Krist. Für die Abwicklung aller Förderungen stünde die Bundes Sport GmbH parat, Unterstützung, "von Wirtschaftstreuhändern über Juristen und Pragmatiker", würde der Sport liefern, betonte Niessl.

 

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