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Para-Athlet Erich Artner

Ein Eisenmann mit Beinen aus Carbon

Erich Artner versucht beim Ironman die Zwölf-Stunde-Marke zu knacken. Auf zwei Prothesen. Als Jugendlicher wurden ihm beide Unterschenkel amputiert.

Vor zwei Jahren wagte sich Erich Artner beim Ironman in Klagenfurt an den Start. Das Ziel erreichte er damals nach 12:12 Stunden © Manfred Binder
 

Erich Artner läuft den Marathon in 3:16 Stunden, den Halbmarathon in 1:26 Stunden, schafft Triathlons in 2:27 Stunden (Kurzdistanz) beziehungsweise 12:12 Stunden (Iroman-Distanz) und ist für eine Charity-Aktion schon von Wien bis Rom geradelt. Beachtlich für einen Hobbysportler. Außerordentlich für einen Mann, der seit seinem 15. Lebensjahr ohne Unterschenkel lebt. Sie wurden ihm amputiert. Nachdem sein Blut plötzlich begonnen hatte, im Körper zu gerinnen, er zehn Tage im künstlichen Tiefschlaf gelegen hatte, die Überlebenschance auf zwei Prozent abgesunken war, wird der dramatische Eingriff notwendig.

Der Sport hilft dem seit Kindheitstagen begeisterten Handballer, zurück in den Alltag zu finden, stärkt Artners Kämpferherz. „Die Krankheit hat nur meine zwei Unterschenkel bekommen, mehr war ich nicht bereit zu geben“, sagt er heute. Artners wichtigster Sieg.

14 Stunden

Über den Umweg Skifahren und Rollstuhl-Basketball findet Artner zum Triathlon, bestreitet 2006 seinen ersten Kurzdistanz-Bewerb, vier Jahre später die erste Halbdistanz (1,9km Schwimmen, 90km Radfahren, 21,1km Laufen). Alles mit Prothesen an beiden Beinen. Beim Schwimmen und Radfahren sind es eher globig wirkende Kunststoff-Modelle, beim Laufen High-tech-Geräte aus Karbonfedern. „Hürden gibt es nur im Kopf“, hat er sich als Lebensmotto zurechtgelegt.

Vor zwei Jahren wagt Artner sich dann erstmals an das Abenteuer „Ironman“. 14 Stunden peilt er an, schon nach 12:12 ist er im Ziel. Artners schönster Sieg. „Weil man auf der Zielgeraden für all die Anstrengung belohnt wird, das sind ganz intensive Momente“, sagt der Niederösterreicher. Heuer will er sie wieder genießen. Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen für den 26. Juni. Auch wenn das primäre Ziel das Durchkommen und Genießen bleibt, will Artner - „wenn Wetter und Tagesverfassung passen“ - dieses Mal unter zwölf Stunden bleiben und am Ende wieder seine ebenfalls startende Frau Alexandra in die Arme schließen.

Und dann? Für 2017 hat Artner schon die nächsten großen Ziele im Visier: eine Charity-Fahrt von Wien über ein, zwei Tour de France-Pässe bis Barcelona – am Rad. Derart „aufgewärmt“ soll dann noch der Ötztal-Radmarathon folgen. Er wolle anderen Mut machen, sagt Artner, der auch Motivationsvorträge hält: „Je mehr Menschen staunen, desto besser.“

KLAUS HÖFLER

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