Günter Bresnik„Dominic ist für mich wie mein fünftes Kind“

Der Startrainer über seine Kooperation mit dem Steirischen Tennisverband, die Zukunft seines Schützlings Dominic Thiem und dessen Beziehung zu Kristina Mladenovic.

TENNIS - STTV, press conference
Trainer Günter Bresnik © GEPA pictures
 

Sie sind Schirmherr der Kaderschmiede „Next Generation Dominic“, die sich zum Ziel gesetzt hat, steirische Talente zu finden, die in Dominic Thiems Fußstapfen treten können. Warum engagieren Sie sich in der Steiermark?

Günter Bresnik: Weil sich der Steirische Tennisverband jetzt schon perfekt um die Acht- bis Zehnjährigen kümmert. Wenn in diesem Alter Fehler gemacht werden, wird es bereits schwierig. Ich kann vor allem von Wien und Niederösterreich sprechen, da werden Eltern von talentierten Kindern oft im Stich gelassen, das ist in der Steiermark anders.

Sie sind auch in die Auswahl der Talente eingebunden, auf welche Eigenschaften achten Sie, damit das Projekt gelingt?

Ob jemand später Erfolg haben wird oder nicht, ist immer schwer abzuschätzen, das konnte ich auch bei Dominic nicht sofort. Klar ist aber, dass bereits technische Fähigkeiten und gewisse körperliche Grundvoraussetzungen vorhanden sein müssen, damit es mit einer Profikarriere klappen kann. Besonders wichtig ist aber, dass die Leidenschaft besonders ausgeprägt ist.

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Landesrat Anton Lang, Verbandschefin Barbara Muhr, Startrainer und Schirmherr Günter Bresnik, Andreas Leber (Leiter Leistungssport) mit steirischen Top-Talenten Foto © GEPA pictures

Dieses Attribut haben Sie bei Dominic Thiem immer besonders hervorgehoben. Wie zufrieden sind Sie mit seiner bisherigen Saison?

Zwei Monate sind kurz, um das beurteilen zu können. Die Vorbereitung war perfekt, allerdings hatte er einen herben Einbruch mit der Krankheit in Doha, wo er vor dem Semifinale w. o. geben musste. Ich behaupte – und es kann mir ja niemand das Gegenteil beweisen – dass er ohne diese Krankheit einen nahezu makellosen Saisonstart hingelegt hätte.

Nun geht es in den USA bei den ersten ATP-1000er-Events in Indian Wells und Miami weiter. Was erwarten Sie sich dort?

Er trainiert super, aber bei solchen Turnieren hängt auch viel von der Auslosung ab. Sportwissenschafter Michael Reinprecht, ein Grazer, ist bereits vergangene Woche rübergeflogen, damit sie in den nächsten zwei Wochen noch einen Konditionsblog einlegen, der sich spätestens in der Sandplatzsaison bezahlt machen müsste.

Jugendprojekt "Nexgendomi"

  • Unter dem Motto „Wir suchen den nächsten Dominic Thiem“ („Nexgendomi“) installiert der Steirische Tennisverband ein neues, nachhaltiges und steiermarkweites Jugendprogramm.
  • Das Gemeinschaftsprojekt des STTV, des Landes Steiermark und der Tennisakademie Bresnik betreut in den nächsten Jahren acht Top-Talente in den Altersklassen U12 bis U16 der Mädchen und Burschen.

Wie müsste die heurige Saison verlaufen, damit Sie von einer gelungenen sprechen würden?

Ich mache so etwas nicht von Ranglistenpositionen abhängig. Wenn Dominic verletzungsfrei und größtenteils krankheitsfrei bleiben würde und das Niveau, das er im ersten Halbjahr 2017 gespielt hat, über das ganze Jahr ausdehnen kann – dann wäre ich sehr zufrieden.

Sie beide arbeiten schon so lange zusammen. Welches Szenario müsste passieren, damit sich ihre Wege trennen: Wenn er etwa über einen langen Zeitraum Nummer eins wäre, Sie das Gefühl hätten, ihm bereits alles beigebracht zu haben, oder Sie ein neues Talent entdecken würden?

Wenn ich jetzt ganz pathetisch wäre, würde ich sagen, der Dominic ist wie mein fünftes Kind – und das Einzige, was mich von meinen Kindern trennen könnte, wäre der Tod. In welcher Form unsere Kooperation in Zukunft abläuft, ist nicht vorhersehbar. Aber ich habe seine Karriere schon über den Tennisbereich hinaus geplant, auch unser Vertrag ist karriereübergreifend.

Dominic ist seit ein paar Monaten mit Kristina Mladenovic liiert. Hat man da als Trainer Angst, er könnte den Fokus verlieren?

Es wäre absurd, wenn man da etwas dagegen hätte – so etwas ist in diesem Alter ganz normal. Und da Kristina selber professionell Tennis spielt, hat sie ein ganz anderes Verständnis dafür, was es bedeutet, das Leben eines Tennisprofis zu führen.

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