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Buhrufe und PfiffeWelle der Antipathie bei der Tour de France

Der Tour de France schlägt eine Welle der Antipathie entgegen. Die bedeutendste Radrundfahrt der Welt hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Der "Gelbe" Geraint Thomas ist genervt © APA/AFP/JEFF PACHOUD
 

Die Daumen nach unten, laute Buhs für das britische Sky-Team und sogar kleine Schubser gegen Chris Froome: Das Verhältnis zwischen Publikum und einem Teil der Tour-de-France-Elite bleibt äußerst angespannt. Vor dem Start der Pyrenäen-Etappen schlägt dem Spitzenduo der Rundfahrt, Froome und dem derzeit führenden Geraint Thomas, eine in dieser Form ungekannte Welle der Antipathie entgegen.

Thomas reagiert sichtlich genervt auf die Pfiffe bei den
täglichen Siegerehrungen und auf die wiederkehrenden Fragen nach der
Hierarchie im Team der Überflieger. "Das ist keine schöne Situation. Wir möchten, dass uns die ganze Welt mag, aber es stellt sich heraus, dass das nicht der Fall ist. Dennoch gibt es nichts, wofür wir uns schämen müssten", sagte Thomas.

"Buhs sind okay, aber berühren oder gar stoßen und damit das Rennen beeinflussen - das geht gar nicht", sagte der Waliser. "Das ist eine Art Ventil. Die Leute wollen ihre Unzufriedenheit ausdrücken. Dafür habe ich in gewisser Weise Verständnis",  so der deutsche Anti-Doping-Spezialist Fritz Sörgel.

Marc Madiot, Profi in den ganz finsteren (Doping-)Zeiten und aktuell Teamchef von Groupama-FDJ, versucht eine Erklärung. "Da muss man nur die Zuschauer an der Strecke fragen. Der Radsport und die Tour de France haben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wir spüren, dass die Begeisterung zurückgegangen ist. Es ist für Fans völlig unzulässig, die Fahrer zu attackieren, aber die Leute haben ein Recht, verbal zu demonstrieren", erklärte Madiot im französischen Fernsehen.

Nicht gelöste Affäre

Froomes nicht sehr befriedigend gelöste Affäre um das
Asthmamittel Salbutamol hat das seit langem schwelende Misstrauen
gegen scheinbar unerklärliche Topleistungen der britischen
Super-Equipe weiter beflügelt. Wenn Thomas behauptet, dass "99
Prozent des Pelotons" clean seien, mag das eine steile These sein.
Aber handfeste Gegenbeweise fehlen bisher - auch bei dieser Tour.

"Naja, man steht immer wieder staunend vor diesen Leistungen, wie
zum Beispiel auf der L'Alpe-d'Huez-Etappe. Auch ich. Aber es wurden
noch keine Nachweise für Doping erbracht. Deshalb kann der
Thomas-Aussage noch nichts entgegengesetzt werden", erklärte Sörgel,
der vor der Frankreich-Rundfahrt darauf hingewiesen hatte, das eine
hohe Dosis Salbutamol anabole Wirkungen haben kann.

Froome, der nach seinen Siegen bei Tour und Vuelta 2017 und dem
Giro-Triumph im Mai seinen vierten Grand-Tour-Erfolg in Serie
anstrebt und damit zu einem einzigartigen Rekordhalter würde, lag
bei seiner Kontrolle im vergangenen September weit über dem
erlaubten Limit. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und der
Weltverband UCI halfen ihm aber trotzdem in den Sattel, nachdem der
Tour-Veranstalter die Rote Karte gezeigt hatte. "Die erzählen uns
monatelang, dass es ein Problem mit Froome gibt, aber dann wird wie
von Zauberhand einige Tage vor dem Tour-Start alles Agentur Archive - document view geklärt, alles ist geregelt", kritisierte Madiot.

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