NFLWeek 1: Overreactions

Die Woche 1 der 2021-NFL-Sasion ist in trockenen Tüchern. Damit gibt es keinen besseren Zeitpunkt als voreilige Prognosen und Reaktionen für die ganze Saison abzugeben.

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© Marco Tilli
 

Frühzeitiger Super Bowl Favorit Arizona?

Wem sagt die folgende Zahlenreihe etwas? 0, -15, -6, 5.
Das waren die Gesamt-Yards in den ersten vier Drives der Tennessee Titans gegen die Arizona Cardinals. Diese lagen wenig überraschend am Ende des ersten Quarters bereits 17:0 voran. Am Ende lautete das Resultat 38:13 für die Spieler aus Arizona – und das klingt schon knapper als es war. Offensive und Defensive spielten eine gnadenlose Partie. Wer es noch nicht gehört hat:
DE Chandler Jones brachte Titans QB Ryan Tannehill FÜNF Mal zu Fall (der Rekord für ein Spiel ist übrigens sieben; aufgestellt von Chiefs Derrick Thomas im Jahre 1990 gegen Seattle) – drei davon bereits im ersten Quarter. Sein direkter Gegenspieler OT Taylor Lewan bedankte sich per Twitter nach dem Spiel beim ihm:


Titans RB Derrick Henry hatte Mitte des zweiten Quarters 8 Rushing Yards. Falls im Hinterkopf von jemandem der Name Henry eine Glocke läuten lässt: Ja genau, das ist der Mann, der letztes Jahr über 2000 Rushing Yards erzielte.
Und in der Offensive? Kyler Murray war von den Titans kaum in die Finger zu kriegen. Googelt einfach mal „Murray Highlights Week 1“ und ihr seht wie der Quarterback die gesamte Defensive, die Jagd auf ihn machte, austanzte und dann einen Pass nach dem anderen an seine Receiver brachte.
DeAndre Hopkins und Christian Kirk konnten beiden zwei Touchdowns erzielen, am Boden hat Murray selbst den Ball noch einmal in die Endzone getragen.

Defensive Backs are back

Die geringe Vorbereitungszeit auf die Saison im vergangenen Jahr (kein Trainings-Camp, keine Preseason etc.) haben vor allen die Cornerbacks und die Safeties schmerzlich gespürt: Gerade im hinteren Teil einer Defensive braucht man eine teaminterne Chemie und das gegenseitige Vertrauen, was die anderen machen, um seine beste Leistung zu bringen. Vor allem Rookie-Cornerbacks sind von ihren Gegenübern oft böse geschlagen worden. Heuer wirken die DBs (im Allgemeinen, nicht nur Rookies) schon um einiges sicherer. Das schlägt sich auch im Vertrauen in sich selbst nieder: Die Passverteidiger können sich mehr auf sich konzentrieren als darauf, weil sie wissen, wo ihre Teamkollegen stehen. Allen voran (und besonders leicht als Video zu finden) war der Pass Break-Up von New England CB Jalen Mills gegen Miami WR Albert Wilson, aber auch unter anderem Byron Murphy (Ari), Marco Wilson (Ari), Denzel Ward (Cle) und Donte Jackson (Car) hatten ihre Finger bei eigentlich perfekt platziertem Pass im Spiel und verhinderten so einen Catch. Diese sieht man leider in den Highlights nicht.

Fumbles entscheiden Spiele

Keine andere Statistik hängt mehr mit dem Resultat zusammen als Turnovers. Wenn uns Woche 1 etwas gezeigt hat, dann wohl wie wichtig diese sind und dass sie Spiele entscheiden können. Insgesamt vier der 16 Spiele wurden mehr oder weniger von einem Fumble entschieden und zwei weitere hätten entschieden werden können.

  • Washington vs. L.A. Chargers: Washington RB Antonio Gibsion fumbelt den Ball an der 4-Yard-Linie von Washington. Im direktem Gegenzug gehen die Chargers mit 20:16 in Führung und gewinnen das Spiel.
  • Cleveland gegen Kansas City: Browns Punter Jamie Gillan lässt bei einem Punt an der eigenen 14-Yard-Linie den Ball aus, kann ihn noch rechtzeitig aufklauben und beginnt loszulaufen. Allerdings tacklen ihn die Chiefs sofort und ziehen in den nächsten Plays mit 33:29 an Cleveland vorbei.
  • Minnesota gegen Cinncinati: Das Spiel war das erste dieser Saison, welches in die Overtime ging. Nachdem die Bengals nicht scorten, brauchten die Vikings lediglich ein Field Goal, um das Spiel zu gewinnen. Schon mehr als in Field Goal Range wollen die Vikings noch ein paar Yards erlaufen, als RB Dalvin Cook den Ball fumbelt. Die Bengals lassen sich die Chance nicht zwei Mal entgehen und kicken im folgenden Drive das Game-Winning-Field-Goal.
  • New England gegen Miami: Im Duell der Alabama-Quarterback-Alumni Tagovailoa und Jones konnte sich erstige durchsetzen. Mit einem Punkt Rückstand führt Jones seine Patriots bis an die Miami-9-Yard-Linie, als RB Damien Harris den Ball fumbelt. Anstatt kurz vor Ende in Führung zu gehen, musste New England dann zusehen, wie Miami die Uhr herunterlaufen lässt und das Spiel gewinnt.

Die zwei Spiele, in denen das „fumbelnde“ Team nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen ist, waren San Francisco gegen Detroit und Tampa Bay gegen Dallas. Im ersten Spiel dachte man, die furiose Aufholjagd der Lions war zu Ende als Deebo Samuel in der Lions-Hälfte einen Ball fing und zu einem First-Down trug. Doch die Defense schaffte es den Ball herauszuschlagen. Die Offensive konnte jedoch nichts Zählbares aus der Situation machen. In Florida fumbelte Bucs WR Chris Godwin mit zwei Punkten Vorsprung den Ball und die Cowboys konnten mit knapp über einer Minute Restspielzeit einen Punkt in Führung gehen. Zu Godwins Glück lautet der Name seines Quarterbacks Tom Brady: Dieser führte sein Team schnell übers Feld und Kicker Ryan Succop schoss die Bucs zum Sieg.

Surprise oft the Week

Als „Klatsche der Woche“ wurde das Spiel von Patrick Esume und Björn Werner in ihrem Podcast genannt. Die New Orleans Saints demütigten (fast) die Green Bay Packers in einem „Auswärtsspiel“ in Jacksonville. Die Packers waren auf allen Ebenen schlecht: QB Aaron Rodgers schlecht, Rushing schlecht, Offensive Line schlecht, Defensive schlecht und Körpersprache schlecht. Man kann nur hoffen, dass das – wie Rodgers in der Pressekonferenz nach dem Spiel gesagt hat – nur ein extremer Ausnahmefall war. Ein paar Zahlen zu den Packers:
Rodgers: 133 Passing Yds, 2 INT, 53.5%, Passer Rating 32.8  (Anmerkung: man hat ein Passer Rating von 39,6 wenn man jeden Ball auf den Boden wirft).
QB Jordan Love (der Mitte des vierten Quarters reinkam): 5/7, 68 yds, 1 INT
GB Rushing: 15 Carries, 43 Yards
GB bei 3rd Down-Versuchen: 1/10 erfolgreich (0 mit Rodgers)
 
Dagegen nutzt die Saints-Offensive jede Chance, die ihnen die eigene Defensive ga. Aufbauend auf einem starken Laufspiel (39 Rushes, 171 Yards), schaffte New Orleans es viele 1-vs-1 zu kreieren. Saints QB Jameis Winston musste „nur“ noch den richtigen Receiver finden - und schaffte dies auch meistens: 14/20, 148 Yards, 5 TD; zudem 37 Rushing Yards.
 

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