Red-Bull-MotorsportberaterHelmut Marko: "Wir werden erster Herausforderer von Mercedes"

2019 war für Red Bull Racing in der Formel 1 ein erfolgreiches Jahr. Auch wenn mehr möglich gewesen wäre. Helmut Marko, Motorsportberater des Hauses, über Rückblicke, Aussichten und über ein großes Ereignis im kommenden Jahr.

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Dreimal durfte Helmut Marko mit Max Verstappen jubeln © (c) AP (Nelson Antoine)
 

Im nächsten Jahr jährt sich der tödliche Unfall von Jochen Rindt und sein Weltmeistertitel zum 50. Mal. Heute vergleichen Kenner der Szene einen Max Verstappen mit dem ersten österreichischen Formel-1-Weltmeister. Ist da wirklich etwas dran?

HELMUT MARKO: Unbedingt. Die Aggressivität, der Fahrstil erinnert schon  sehr stark an Jochen, die Schlaksigkeit, mit der er sich bewegt, ist auch sehr ähnlich. Und vor allem, dass er voll Selbstbewusstsein auftritt und seine Meinung auch offen sagt. Also, da gibt es schon sehr viel Parallelen. Jetzt fehlt halt noch dem Max ein WM-Titel, am besten mit einem Red Bull.

War das Jahr 2019 schon eine Basis, auf der man aufbauen und hoffen darf, oder ist man immer noch zu weit entfernt. Ihr habt ja immerhin drei Mal gewonnen?

Wir hätten fünf Mal gewinnen können. Allein vom Speed her. Also es wäre schon heuer mehr möglich gewesen. Ganz positiv sehen wir, dass Honda wirklich alles abgeliefert hat, was sie auch versprochen haben. Die Steigerung im Laufe der Saison war offensichtlich. Deshalb haben wir auch hin und wieder die Motorenwechsel in Kauf genommen, sodass es gezielt immer weiter ging. Leider waren wir chassismäßig mit dem Frontflügel erst auf dem Red-Bull-Ring auf der Höhe der Konkurrenz. Von da an waren wir aber mit Mercedes immer siegfähig. Für 2020 wollen wir vom ersten Rennen an wettbewerbsfähig sein. Die Daten vom Chassis sind jetzt schon vielversprechend. Wir sind unsere Planung mit dem 2020er-Auto um 14 Tage im Plus. Auch Honda hat noch einiges im Köcher.

Das heißt, die Lücke wird bis zum ersten Rennen im März in Melbourne geschlossen sein?

Ja, wir sehen uns 2020 als ersten Herausforderer von Mercedes. Von Ferrari gehe ich aus, dass sie im nächsten Jahr im Rahmen des Reglements fahren werden. Und wenn nicht, dann werden wir das auch dann vehement einfordern.

Ein Seitenhieb auf den Benzintrick der Italiener von heuer, den ihr ja aufdecken konnten?

Das war schon unglaublich, wie da Ferrari mit der Durchflussmenge des Sprits getrickst hat.

Die Formel 1 steht ja ohnehin an einer Zeitenwende. 2021 kommt eine völlig neue Formel 1. Mit völlig neue technischen Voraussetzungen. Seid ihr bei Red Bull mit dieser Zukunft einverstanden, geht ihr konform mit der Entwicklung?

Also generell bin ich ein Anhänger davon, dass man nicht zehn Teams fragen muss, wie die Formel 1 auszusehen hat. Das muss vom Rechteinhaber vorgegeben werden. Schaut euch den Carmelo Ezpeleta (Anm.: Dorna-Chef) in der MotoGP an, wie gut das dort funktioniert. Ob die Regelungen ein spannenderes Racing ergeben, werden wir im Detail dann sehen. Heuer haben die Änderungen noch nicht so viele ergeben. Aber ich denke, wir können sagen: es geht in die richtige Richtung.

Aber es ist doch so, dass alle, Mercedes wie Honda, etwas zögerlich mit ihrem künftigen Engagement in der Formel 1 sind?

Die gesamte Automobil-Industrie ist ja in einem Umbruch. Mit immensen Kosten für die Elektromobilität, die bei Weitem nicht das Wahre ist. Aber da herrscht derzeit eine Hysterie, ausgelöst von VW. Jetzt stehen hohe Kosten auch einem gewissen Stellenabbau gegenüber. Und da wird natürlich alles, auch ein Formel-1-Engagement, hinterfragt. So ist es ganz klar, dass, wenn es keine Einsparungen gibt, der eine oder andere Hersteller wegfallen kann. Da braucht man die Homologierung, Einheitsteile, Testbeschränkung, etc. Das muss alles vorgezogen werden. Bis Ende 2021 haben wir jedenfalls einen Honda-Vertrag.

Die Formel-1-Autos der Zukunft schauen ja recht spektakulär aus.

Sie wird auch schwerer. Und langsamer. Aber das spielt keine Rolle. Spannend wird’s, wenn fünf, sechs Fahrer um den Sieg kämpfen. Wie in der MotoGP. Die Motorräder sind auf dem Red-Bull-Ring um 20 Sekunden pro Runde langsamer. Und keinem fällt’s auf, keiner hat es geglaubt. Die 20 Sekunden sind da eine optische Täuschung, weil die Rennen spannend sind.

Und die Formel E? VW hat sich gerade vom Motorsport mit Verbrennungsmotoren verabschiedet. Muss die Formel 1 nicht befürchten, da in Zukunft abgelöst zu werden?

Die Manipulationen von VW waren der Auslöser der elektrischen Bewegung. Die Formel E ist aber keine Konkurrenz. Da gibt es nichts zu befürchten. Solange da riesige Dieselaggregate benötigt werden, um den Strom für die Rennwagen zu erzeugen. Die Formel 1 als Show, als Sport, wird bestehen bleiben. Natürlich in einem Kostenrahmen, der vernünftig ist. Und es sollte die Formel 1 weiterhin die Vorreiterrolle für künftige Technologien übernehmen.

Man hört, das Max Verstappen jederzeit aus dem Red-Bull-Vertrag aussteigen kann, wenn gewisse Erfolge nicht eintreten, also ihr ihm nicht das entsprechende Auto zur Verfügung stellt?

Alles Blödsinn. Wir haben einen Vertrag bis Ende 2020. Und bis dahin fährt er auch für uns, ganz sicher.

Alexander Albon war eine, vielleicht sogar die Überraschung?

Er hat sich sehr gesteigert, seine Kurve zeigt nach oben. Auf die eine Runde ist er fast gleich schnell wie Verstappen. Auf die Renndistanz mit dem Reifenmanagement bringt er das noch nicht ganz zusammen.

Auch mit Toro Rosso geht es bergauf?

Ja, sechs Punkte hinter Renault, nicht schlecht. Die Synergien mit Red Bull Racing greifen. Wir sind sehr zufrieden.

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