Kärntner des TagesEin heimisches Quartett in Südkorea

Vier Kärntner Athleten gehen bei den Paralympics in Südkorea auf Medaillenjagd. Markus Salcher (26) zählt zu den Top-Favoriten.

Die Kärntner Athleten, die von 9. bis 18. März an den Paralympics in Pyeongchang teilnehmen: Thomas Grochar, Markus Salcher, Nico Pajantschitsch und Gernot Morgenfurt (v.l.n.r.)
Die Kärntner Athleten, die von 9. bis 18. März an den Paralympics in Pyeongchang teilnehmen: Thomas Grochar, Markus Salcher, Nico Pajantschitsch und Gernot Morgenfurt (v.l.n.r.) © Gepa (5)
 

Als zweifacher Goldmedaillengewinner der Paralympics in Sotschi 2014 ist die Erwartungshaltung bei Markus Salcher keine geringe. Auch wenn der Klagenfurter, der seit Geburt an halbseitig gelähmt ist, das Wort Druck nur äußerst ungern in den Mund nimmt: „Ich bin bei Großevents bisher immer richtig gut dabei, aber wissen kann man trotzdem nie, wirklich nie. Ich bin in Form, das ist wichtig. Ich weiß, was ich drauf habe. Jetzt heißt es, wie immer Vollgas geben.“

Der Skisport wurde dem 26-Jährigen quasi in die Wiege gelegt. Seine Großeltern sowie auch Salchers Papa, der Trainer war, zeigten dem damals gerade mal Zweieinhalbjährigen die ersten Schwünge auf dem Nassfeld. „Mit zwölf Jahren entstand der Kontakt zum Behindertensport. Seit 2004 bin ich im Kader, seit 2010 im Nationalteam und seitdem geht es immer weiter aufwärts“, beschreibt sich der eingefleischte Fan von NHL-Profi Michael Grabner als akribischen Arbeiter, der seine Grenzen kennt und weiß, wann er aufs Ganze gehen kann. In Südkorea wird der Ausnahmekönner in Abfahrt, Super-G und RTL an den Start gehen.

Nur die Super-Kombination ist fraglich, „da ich ja bekanntlich kein Slalomspezialist bin, aber eines ist auch klar, ich will natürlich eine Medaille, in welcher Farbe auch immer.“

Markus Salcher

geboren am 1. Juni 1991
Wohnort: Klagenfurt
Verein: SV Tröpolach
3. Paralympics-Teilnahme
Beeinträchtigung: halbseitige Lähmung
Erfolge: 2 x Paralympics-Gold, 1x Bronze 2014, 2x-WM-Gold 2017, Gesamt--Weltcupsieger.

Im Sitzfußball sammelte ein anderer Paralympics-Teilnehmer seine allerersten Erfahrungen im Behindertensport: Slalom-Spezialist Thomas Grochar (ihm fehlt das linke Bein), der dieser Leidenschaft bis heute treu geblieben ist. „Dort waren einige begeisterte Hobby-Skifahrer dabei und ich hab’s mit elf Jahren ausprobiert und bin nicht mehr weggekommen.“ Schnell wurde ihm klar, dass er in erster Linie in den Technikdisziplinen daheim ist, „für Speed hatte ich entweder zu wenig Mut oder Talent“.

Der 24-jährige Slalom-Vizeweltmeister 2017, der in Südkorea nur das Downhillrennen sausen lässt, ist heilfroh, überhaupt die Qualifikation geschafft zu haben. Laut eigenen Aussagen ist er in der heurigen Saison „richtig schlecht Ski gefahren, so ehrlich muss ich sein. Es war der Hund drin, wahrscheinlich war ich einfach zu übermotiviert, aber, dass ich es kann, hab’ ich ja vergangene Saison gezeigt.“ Paralympics hätten eigene Gesetze und oft, wenn es vorher nicht so hinhaut, klappt es vielleicht gerade dann. Zeit zum Akklimatisieren blieb knapp eine Woche, seit 3. März weilen die Wintersportler nun bereits in Pyeongchang.

Thomas Grochar

geb. am 23. November 1993
Wohnort: Klagenfurt
Verein: BSG Klagenfurt
2. Paralympics-Teilnahme
Beeinträchtigung: Oberschenkelknochen, Wadenbein links fehlen seit Geburt
Erfolge: WM-Silber 2017 (Slalom), Slalom-Weltcup 2016/17.

Gleich in allen fünf Disziplinen (Abfahrt, Super-G, Slalom, Riesentorlauf und Kombi) startet Nico Pajantschitsch. „Bei den Spielen sind immer ein bis zwei Tage Pause zwischen den Disziplinen, wo man sich gut erholen kann“, sieht sich der 21-Jährige für seine erste Teilnahme gerüstet. Pajantschitsch, dem seit seiner Geburt der rechte Unterarm fehlt, ist in Südkorea der jüngste Starter im rot-weiß-roten Ski-Team. Schon während seiner Kindergartenzeit absolvierte der Globasnitzer seine ersten Skikurse. Den richtigen Anstoß gab dann letztendlich der Kärntner Paralympics-Goldmedaillengewinner Walter Lackner. „Mein Vater und er sind alte Freunde. Nach einem Schulskirennen hat er mich angesprochen. Eine Woche darauf bin ich schon mein erstes Austria Cup-Rennen gefahren und habe mich beim SC Petzen angemeldet.“

Der große Eishockey-Fan möchte bei den Paralympics „einfach meine beste Leistung abrufen. Die Ergebnisse kommen von selbst. Vielleicht gelingt mir eine Überraschung.“ Seine größten Chancen rechnet sich Pajantschitsch im Super-G aus. „Ich glaube, die Strecke liegt mir.“

Nico Pajantschitsch

geboren am 2. März 1997
Wohnort: Globasnitz
Verein: SC Petzen
1. Paralympics-Teilnahme
Beeinträchtigung: ohne rechten Unterarm geboren
größte Erfolge: WM 2015 2x 6. Platz (RTL, Slalom), 3. Platz WC-Rennen 2015 in St. Moritz (RTL).

Ebenso wie Pajantschitsch nimmt auch Gernot Morgenfurt zum ersten Mal an den Paralympics teil. Und das mit 53 Jahren. „Ich mach’ mir keinen Druck, bin froh, dass ich dabei bin.“ Der Techendorfer erkrankte vor über 30 Jahren an Multipler Sklerose, leidet dadurch seit 2005 an Sehbehinderungen. „Für mich kein Grund zum Jammern. Wichtig ist die Eigenverantwortung. Ich hatte einige MS-Schübe, bin bereits im Rollstuhl gesessen und habe mich beinhart zurück gearbeitet. Mit meiner Teilnahme möchte ich für anderen Menschen ein Zeichen setzen, den Kopf nie hängen zu lassen und positiv nach vorne zu blicken.“

Seine Rennen bestreitet Morgenfurt mit einem so genannten Guide. Christoph Gmeiner fährt im Rennen vor ihm, gibt ihm entsprechende Kommandos. „Ich habe über Facebook einen Aufruf gestartet. Es haben sich einige gemeldet. Christoph hat am besten gepasst.“ Auch abseits der Pisten ist Morgenfurt aktiv, betreibt eine eigene Website, hält Workshops und hat bereits zwei Bücher verfasst: „Wie ich mein Handicap verbessere“ und – aktuell – „Mit Plan B zum Erfolg – ondare redn. i tuas.“

Gernot Morgenfurt

geboren am 19. Jänner 1965
Wohnort: Techendorf
Verein: WSV Weißensee
1. Paralympics-Teilnahme
Beeinträchtigung: Erblindung (durch Multiple Sklerose)
größte Erfolge: 3. Platz im Weltcup-Rennen 2018 in Zagreb (Slalom).

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