Sie sind als Doppel-Olympiasieger, als "Held" eines märchenhaften Aufstiegs in diese Saison gestartet – und dann lief doch viel schief, oder?
Johannes Strolz: Absolut. Es war ein schwieriger Start mit vier Ausfällen in Serie, dabei war die Vorbereitung super. In Madonna habe ich auch gezeigt, dass ich sehr schnell sein kann. Aber eben, mit Ausnahme von Madonna, wo mir die gebrochene Stange unter den Ski kam, habe ich Fehler gemacht, die ich nicht machen sollte.

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Und dann haben Sie die Taktik geändert?
Wengen war mental eine große Herausforderung für mich – das ist der schwierigste Hang der Welt, schwierige Bedingungen, schwerer Lauf. Ich bin froh, dass ich zwei stabile Läufe im Ziel habe.

Wie schwer steckt man vier Ausfälle in Serie weg?
Es ist eine Herausforderung, da will ich gar nicht den lässigen Hund spielen, der sagt, dass das alles kein Problem ist. Man überlegt, denkt nach, weil im Training geht es ja, da ist man stabil. Die große Herausforderung ist, dass man das nur alleine hinkriegen kann.

Was war die Lösung?
Es war schwierig, aber ich musste einen Schritt zurücktun und in Wengen in Kauf nehmen, dass ich auch 25. werden kann. Das wäre auch unangenehm gewesen, weil dann hätte es geheißen: Der hat sich die Schneid abkaufen lassen und runtergebremst. Das Mittelmaß zu finden und sich zu trauen, nicht voll ans Limit zu gehen – das war gar nicht einfach. Man denkt ja nicht ergebnisorientiert. Aber im Vordergrund stand, stabil zu sein und nicht Bestzeit fahren zu müssen.

Stabilität – was meinen Sie damit?
Nicht jedes Tor auf der letzten Rille zu fahren. Das muss man sich auch trauen. Ich habe im Moment sicher nicht die Leichtigkeit wie im Vorjahr nach dem Sieg in Adelboden.

Und doch warten jetzt zwei Slalom-Feste ...
Und die Vorfreude ist riesig. Das ganze Jahr ist bei uns ja auf den Jänner ausgerichtet, speziell auf die Heimrennen. Und auch für Slalomfahrer ist Kitzbühel ist das Größte.

Haben Sie sich schon daran gewöhnt, selbst ein "Highlight" zu sein?
Da tu ich mir schwer, das zu beurteilen, ob ich das bin. Grundsätzlich gilt: Man trainiert jahrelang darauf hin, ein Leistungsträger für Österreich zu sein. Und wenn man das ist, kommt damit erhöhte Aufmerksamkeit. Es ist eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen und bei der Sache zu bleiben. Das kostet zwar Energie, aber man trainiert eben dafür, oben anzukommen.

Was muss in Kitzbühel und Schladming in der Ergebnisliste stehen?
Das sind unsere Lieblingsfragen – aber ich sage sicher nicht: Ich gebe mein Bestes und schau’ was rauskommt ... Ich will natürlich ganz vorne mitfahren. Vergangene Saison war, wenn ich durchgekommen bin, ein fünfter Platz meine schlechteste Platzierung. Das Ziel wäre, in dem Bereich zu landen. Aber nach dem Saisonstart muss ich zurückschalten, kleinere Brötchen backen. Das Ziel ist es, so weit vorne zu landen wie möglich. Ich bringe nicht den größten Rucksack an Leichtigkeit mit, aber ich bin Rennfahrer, will daheim gute Leistungen bringen. Ich werde alles reinhauen. Und wenn ich das richtige Maß finde, traue ich mir zu, dass ich vorne landen kann.