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Sturm & GAK

Wie der Fußball begann, Geschichte zu schreiben

Erstmals werden die Anfänge des steirischen Fußballs auch historisch beleuchtet. Von ersten Gehversuchen im Grazer Augarten bis hin zum Profisport. Vor allem ein Blick auf den Fußball der Zwischenkriegszeit bietet ein spannendes Stück Sozial- und Zeitgeschichte.

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Akademische Standesdünkel, (Deutsch-)Nationalismus, Antisemitismus, parteipolitisch orientierter Arbeitersport, Werks- und Firmenklubs, die Streitfrage Profi- oder Amateurfußball - all das findet man in der politisch aufgeheizten Zeit zwischen den beiden Kriegen. Den Anfang der beiden steirischen Traditionsklubs Sturm und GAK im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts setzten aber Schüler und Studenten, die im modernen britischen Fußballsport ein Ventil ihres Freigeistes in einer Zeit voller Konventionen fanden.

"Arbeiter" hatten vor 1918, als 60-Stunden-Woche und Sonntagsarbeit gang und gäbe waren, keine Zeit für Sport: Ihnen öffnete sich das Mysterium Fußball erst nach dem Ersten Weltkrieg, als die junge Demokratie die 48-Stunden-Woche mit dem freien Sonntag durchsetzte.

Den GAK - anfänglich GAC genannt nach dem noblen Vorbild des Wiener AC (WAC) im Prater - gründeten 1902 Mittelschüler um Carl Markel. Als Gründungsdatum wählte man den 18. August, den Geburtstag des Kaisers. Mit einem zugezogenen Augarten-Schülerteam rund um den späteren Chefredakteur des Styria-Volksblattes Franz Ircher waren die Athletiker bis 1914 unbezwingbar.

Sturm war ebenfalls das Produkt einer Augarten-Schüler- und Studentenmannschaft: Burschen im Alter zwischen 15 und 19, die sich im Mai 1909 nach Vorbild des Prager Ballclubs Sturm den Namen gaben und am 31. März 1912 im Hotel Goldene Birn - heute Parkhotel - dem jungen Fußballverband beitraten.

Auch das Fußball-Verbandswesen hat eine spannende Geschichte: Am 18. März 1904 gründeten die Vienna und die Cricketer in Wien den Österreichischen Fußball-Verband. Zwei liberale, assimilierte Wiener Juden böhmischer Herkunft spielten bis in die 1930er-Jahre eine wesentliche Rolle: der Arzt Ignaz Abeles und der spätere Wunderteam-Coach Hugo Meisl.

Am 3. Juli 1911 kam es in der damaligen österreichischen Reichshälfte der K. u. k.-Monarchie zur Gründung von Unterverbänden: Für die Steiermark zuständig waren der Deutsch-Alpenländische Fußballverband mit dem Gau 1 (Steiermark, Kärnten) und dem Gau 2 (Tirol, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg). Erster Obmann war GAK-Chef Eduard Krodemansch. Berichtet wird vom vergeblichen Kampf des Wieners Abeles in Graz, jede in der Monarchie vertretene Sprache im Verkehr zwischen Verband und Vereinen zuzulassen. Die deutsch-alpenländischen Klubs - GAK, Marburg, der deutsche Athletiksportklub Eiche Cilli, Judenburg, Lustenau - bestanden ausschließlich auf der deutschen Sprache. Die Konflikte in der Untersteiermark mit slowenischsprachigen Klubs und vor allem in Böhmen mit Slavia und Sparta Prag waren bis zum Zerfall der Habsburger-Monarchie 1918 nicht in den Griff zu bekommen.

Graz nahm vor 1914 auch im Sport mit dem deutschnationalen Bürgermeister Robert von Fleischhacker so manche Entwicklung vorweg: Kaum ein Klub, der den Arierparagrafen nicht in seinen Statuten hatte. Auch GAK und Sturm forderten um 1910 von ihren Mitgliedern deutsch-arische Abstammung.

Nur Spieler mit Matura erwünscht

Der GAK, der bis in die 1920er-Jahre nur Spieler mit Matura in seinen Reihen zuließ, war als Allroundklub von der Grazer deutschnationalen Studentenszene geprägt. Historiker Harald Knoll vom Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung: "Der bis zum Anschluss beibehaltene Arierparagraf war aber offensichtlich eine österreichische Lösung, da beim GAK der spätere Gönner Anton Herzl schon ab 1918 Mitglied war. Tormann Franz Nemschak, nach 1945 Marshall-Plan-Beauftragter, war Sozialdemokrat, Ircher gehörte zum schwarzen Heimatschutz." Die während des Zweiten Weltkrieges zur SS gehörige GAK-Handballsektion und der von Armin Arbeiter stramm geführte Gesamtklub belasteten den GAK nach Kriegsende. Doch war die Fußballsektion von Anfang an wieder mit dabei. Erst die Gönner Evaristo di Lenardo und Anton Herzl sowie Stefan Födinger und Karl Fiedler ermöglichten nach mageren Zeiten ab 1948 das glanzvolle Comeback der Athletiker in den 1950er-Jahren.

Anders Sturm: Die Schwarz-Weißen vom Augarten wurden nach 1918 am Jakominigürtel heimisch. Ursprünglich waren sie ein Klub von Schülern und Studenten gewesen, jetzt dominierten in der Klubführung Beamte und Gewerbetreibende der südlichen Stadthälfte. Voran Cafetier Anton Berghaus, dessen legendäres Sportcafé an der Radetzkybrücke über Jahrzehnte Sportgeschichte schrieb. Die jüdischen Geschäftsleute waren ihm die liebsten Kunden und so verschwand bei Sturm der Arierparagraf bereits 1919.

Sturm pflegte bis 1938 ein offenes, positives Verhältnis zur jüdischen Geschäftswelt und wurde von Franz Öhler im Rahmen einer "Interessengemeinschaft" in den 1930er-Jahren finanziell unterstützt. Öhler und die Brüder Reininghaus waren am Ausbau des Sturmplatzes 1934 beteiligt.

Sturm versuchte übrigens 1921, dem GAK als Allroundklub nachzueifern, gründete eine Handball-, eine Damenhandball-, eine Box-, eine Leichtathletik- und eine Tennissektion und benannte den "Grazer Fußballclub Sturm" in "Grazer Sportklub Sturm" um. Die Popularität Sturms als Klub der breiten Masse und einfachen Leute wuchs in den 1920er-Jahren enorm. Im Süden der Stadt - Jakomini, Schönau (Liebenau war bis 1938 noch außerhalb der Stadtgrenze) - lagen die Industriebetriebe und auch die Arbeitersiedlungen. Sturm wurde im Spieler- und Fanbereich mehr und mehr zum Klub der kleinen Leute, zur "steirischen Rapid".

Ab 1920 förderten die Sozialdemokraten die Bedeutung des VAFÖ, des Verbandes der Arbeiterfußballvereine Österreichs. Der VAFÖ kämpfte gegen den Professionalismus, den Hugo Meisl 1924 in der Wiener Liga eingeführt hatte. Dieser halte die Arbeiter nur vom großen Ziel, der Revolution, ab.

1926 hatte der VAFÖ den ÖFB von innen her so weit ausgehöhlt, dass Hugo Meisl und Co. den bürgerlichen und "unpolitischen" Allgemeinen Österreichischen Fußballbund neu gründeten, um den Fußballsport aus der aufkeimenden Bürgerkriegsatmosphäre herauszuhalten. Der VAFÖ blieb isoliert, zog aber bis 1932 viele Vereine ab. Obmann des neuen ÖFB an der Seite von Meisl und Abeles war Richter Richard Eberstaller, der in der NS-Zeit politische Prozesse führte und 1945 Selbstmord beging.

Im Jänner 1927 musste Sturm in der Generalversammlung eine Zerreißprobe überstehen: Eine Funktionärsgruppe drängte zum Arbeiterverband. In einer Kampfabstimmung im Märchensaal des "Wilden Mannes" erreichte Karl Assmann den Verbleib beim "unpolitischen Verband". Seit damals betonen die Sturm-Statuten das völlig Unpolitische im Klub.

Durch den Austritt der VAFÖ-Klubs spielten in der steirischen Liga 1926 bis 1929 maximal sechs Klubs: Sturm, GAK, Sportklub Straßenbahn, Kapfenberg und Hakoah. Die "Bürgerlichkeit" unterstrich der "Arbeiterklub" Sturm mit dem Präsidenten Karl Lustig-Prean von Preansfeld, Sohn eines k. u. k. Generals, Theaterdirektor bis 1928 in Graz, später an der Wiener Volksoper engagiert und im Krieg in Mexiko in der Bewegung für ein freies Deutschland tätig. Ihm folgte Rudolf Resner von der Finanzlandesdirektion.

Der Antisemitismus war schon in den 1920er Jahren verbal hemmungslos und traf vor allem die Spieler der Hakoah. Dort spielten auf dem Sportplatz Engelgasse (St. Leonhard) überwiegend zionistische Juden, die nach der Vision Theodor Herzls für ein selbstbewusstes Judentum und einen Staat in Palästina eintraten und stolz den Davidstern trugen.

Leoben nahm Sperre in Kauf

Heimo Halbrainer berichtet im Buch "kicken", dass sich der GAK und der Deutsche SC Leoben Anfang der 1920er-Jahre weigerten, gegen Hakoah anzutreten, während Sturm um faire Behandlung bemüht war. Der GAK spielte schließlich nach einer Sperr-Androhung des Verbandes doch, Leoben nahm eine Sperre in Kauf.

In den 1930er-Jahren nahm durch die Weltwirtschaftskrise die Bedeutung der Werks- und Firmenklubs in der steirischen Liga zu. Nur sie konnten den Spielern einen gesicherten Arbeitsplatz bieten. Profifußball gab es nur in Wien - bis 1938, als ihn die Nazis beendeten.

Sturm und GAK hatten es wirtschaftlich in den 1930er-Jahren nicht leicht, trotzdem holten sie immer wieder Titel. 1929, 1932 und 1933 gewann der GAK den Österreichischen Amateurstaatsmeistertitel, 1934 Sturm - und beide drängten auf die Einführung einer gesamtösterreichischen Staatsliga. 1937 war es fast so weit, aber Sturm scheiterte in der Qualifikation an Simmering und Helfort. Und 1938, nach dem "Anschluss", gab es die Gauliga mit den Wiener Klubs. Der Grazer Sportklub zog nach einem 1:0 gegen Sturm in die neue Liga ein.

Als ab 1933 Kanzler Engelbert Dollfuß Österreich zum faschistischen Ständestaat nach Mussolini-Vorbild wandelte, hatten Sturm und GAK die passenden Leute an der Spitze. Chefredakteur Franz Ircher (GAK) wurde Landessportkommissär der Vaterländischen Front und somit steirischer Verbandschef. Bei Sturm war der ehemalige Marine-Offiziersschüler Franz Reistenhofer aus Pula und nunmehrige Weinhändler in Graz neuer starker Mann. Er öffnete Sturm vom Platz- und Tribünenbau bis zu den Kontakten nach Wien zum ÖFB viele Tore.

Zur Stunde null, 1945, hatte "das Neue eine Geschichte" (Zitat Kleine Zeitung-Chefredakteur Kurt Wimmer): Franz Reistenhofer wurde Verbandspräsident und ab 1949 Sturm-Präsident und Franz Ircher folgte Reistenhofer im Verband nach - bis zu seinem frühen Tod 1951.

Man griff nach den Terrorjahren des NS-Regimes wieder auf die Macher der "Systemzeit" zurück. "Bei Sturm und GAK wurden sofort nach dem Anschluss im März 1938 die Präsidenten der Systemzeit durch linientreue Nazis ersetzt" (Zitat Walter Iber und Harald Knoll vom Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung). Iber: "Bei Sturm waren das mit dem jungen Arzt Josef Türk und dann mit dem norddeutschen SA-Mann Karl Geisler aufgesetzte Klubchefs." Beim GAK dominierte Armin Arbeiter mit strammer Führung. In der zweiten Ebene arbeiteten die Funktionäre wie eh und je. Musterbeispiele: Josef Plendner und Franz Krisper bei Sturm, Karl Fiedler beim GAK. "Sie waren Zeichen der Kontinuität und wesentliche Arbeitsbienen, vor 1938, während des Krieges und nach 1945" (Knoll).

Sie blieben auch von den Besatzungsmächten und Entnazifizierungskommissionen unbehelligt und legten die Basis für die Erfolgsgeschichte des steirischen Fußballs für die Zeit nach 1945.

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