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Interview

Djuricin: "Zwischendurch hatte ich keine Lust mehr"

Erstmals nach seinem Kreuzbandriss wird Marco Djuricin heute gegen den WAC wieder auf Bank des SK Sturm Platz nehmen. Der Stürmer über sein Verletzungspech, seine Erfahrungen in Deutschland und seine Ziele mit Sturm. Von Thomas Huber und Peter Klimkeit.

© GEPA
 

Nach viermonatiger Verletzungspause stehen Sie vor Ihrem Comeback. Wie groß ist die Vorfreude?
MARCO DJURICIN: Ich bin froh, zurück zu sein. Aber ich muss noch etwas aufpassen. Im Test gegen Hartberg bin ich wieder aufs Knie gefallen. Zum Glück ist nichts passiert. Nach den 45 Minuten war ich völlig kaputt. Von 100 Prozent bin ich noch weit weg, derzeit eher bei 70.

Sie sind zwar erst 20 Jahre alt, aber Ihre Verletzungsliste ist schon relativ lang.
DJURICIN: Ja, zwischen 17 und 18 Jahren hatte ich mehrere Muskelfaserrisse. Daran war aber meine Ernährung schuld. Als Teenager isst du eben einfach das, was du zu essen bekommst. Das habe ich dann umgestellt. Letztes Jahr habe ich mir am Zeh das Sesambein gebrochen. Das war wirklich Pech, denn das passiert eigentlich niemandem. Der Kreuzbandriss war jetzt meine erste gröbere Verletzung.

Rückschläge, die auch psychisch zu bewältigen sind.
DJURICIN: Nach meinen ersten Faserrissen habe ich mir schon gedacht: Was ist da los? Und nach dem Kreuzbandriss bin ich kurz unter Schock gestanden. Vier Stunden am Tag hartes Aufbautraining, das geht einem schon manchmal auf die Nerven. Zwischendurch hatte ich keine Lust mehr. Aber die gemeinsame Therapie mit Kaufmann, Todorovski und Ehrenreich hat mir geholfen. Und zum Glück haben wir einen Mentaltrainer.

Ein Mentaltrainer kann psychisch helfen, aber nicht körperlich. Dennoch hat sich Sturm nach dem Fehlstart erholt.
DJURICIN: Als ich im Sommer zu Sturm gekommen bin, habe ich mir gedacht: Eigenartig. Wieso schauen die mich so komisch an, wenn ich bei jeder Passübung 100 Prozent gebe? Für mich war das normal, für die anderen anscheinend nicht. Mittlerweile ist es für alle normal. Ich finde es super, dass das Niveau in der gesamten Mannschaft jetzt gestiegen ist. Das Tempo im Training ist jetzt viel höher, die Kombinationen sind viel schneller - ein Verdienst von Trainer Milanic.

Sie sind mit 15 Jahren zu Hertha BSC gegangen. Wie ist das Training in Deutschland?
DJURICIN: Leider muss ich sagen, dass es völlig anders ist. Als Junger konnte ich bei der Hertha überhaupt nicht mithalten. Das Tempo ist extrem, als Mittelfeldspieler hätte ich aufgeben müssen. In Deutschland zählt in jedem Training nur Vollgas.

Der Durchbruch ist Ihnen bisweilen nicht gelungen. Haben Sie es bereut, so früh ins Ausland gegangen zu sein?
DJURICIN: Ich würde es schon noch einmal machen. Aber es wäre eine Lüge zu sagen, dass es leicht war - ganz ohne Familie war wirklich hart. Als Teenager bin ich auch nicht unbedingt der Bravste gewesen. In Sachen Disziplin habe ich in Deutschland dazugelernt.

Würden Sie einem jungen Österreicher raten, im Ausland die Chance zu suchen?
DJURICIN: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Daniel Beichler ist ein gutes Beispiel: Seit seiner Zeit in Deutschland gibt er auch im Training 100 Prozent, was er vor vier Jahren vielleicht noch nicht gemacht hat. Und das zahlt sich aus, wenn man sich jetzt seine Leistungen anschaut. Aber auch Florian Kainz oder Christian Klem spielen super, obwohl sie bis jetzt nur in Graz gespielt haben.

Apropos Graz. Sie sind in Wien aufgewachsen, waren lange in Berlin. Wie lebt es sich in einer vergleichsweise kleinen Stadt wie Graz?
DJURICIN: Ich bin schon verwöhnt: In Wien kann man viel sehen und machen, in Berlin noch mehr. Ich war aber auch in Regensburg, eine schöne kleine Stadt. Allerdings gab's dort nichts zu sehen. Da waren wir nur zwei Mal im Jahr fort. Graz finde ich schon wieder viel besser - eine schöne Stadt.

Der Schritt nach Graz war also der richtige?
DJURICIN: Das ist nach der kurzen Zeit schwer zu beantworten. Sicher war es ein guter Schritt und ich fühle mich hier auch sehr wohl. Es haben mich alle gut aufgenommen. Jetzt will ich das in mich gesteckte Vertrauen Trainer Milanic und Generalmanager Goldbrich zurückgeben. In Form von Toren.

Welche Ziele haben Sie mit Sturm in dieser Saison noch?
DJURICIN: Unser Ziel bleibt ein Top-drei-Platz in der Meisterschaft. Und im Cup wollen wir ins Finale - und es gewinnen. Wir haben eine gute Mannschaft, die das schaffen kann.

Österreichs Nationalteam ist auch auf einem guten Weg - und sucht dringend Stürmer.
DJURICIN: Das A-Team ist natürlich ein Traum. Das Team hat eine gute Zukunft vor sich. Man sieht, was unter Marcel Koller weitergegangen ist. Und was David Alaba geschafft hat, ist Wahnsinn. Wir sind beide im 22. Bezirk in Wien aufgewachsen. Bis heute ist er so geblieben, wie er immer war: bodenständig und einfach ein lieber Kerl. Aber noch bin ich U21-Spieler, hoffentlich (lacht).

Es gibt im Fußball aber nicht nur liebe Kerle, Stichwort Wettskandal. Wie erschüttert sind Sie darüber?
DJURICIN: Ich kann dazu nicht viel sagen. Und ich muss zugeben, dass ich von diesem Taboga noch nie etwas in meinem Leben gehört habe. Wenn ein Fußballer seine Karriere deshalb aufs Spiel setzt, ist er selber schuld. Es verdient jeder genug. Deshalb habe ich auch kein Mitleid. Bei uns im Team interessiert das Thema keinen. Wir konzentrieren uns auf den WAC.

Glauben Sie an einen Einsatz gegen den WAC?
DJURICIN: Ich bin bereit. Aber der Trainer muss entscheiden, ob ich spiele. Ich fühle mich ganz gut. Ich hätte mir nicht gedacht, dass das nach meiner langen Verletzungspause so schnell geht.

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