Starten wir gleich mit dem heißesten Thema, den Punkteabzug des LASK. Welche Reaktionen gibt es?

Christian Ebenbauer: Die unterschiedlichsten. Sie gehen in alle Richtungen. Man merkt hier: Der Fußball lebt von Emotionen. Das ist auch gut so. Aber am besten sind Emotionen auf dem Platz. Unsere Rolle als Bundesliga ist es, Ruhe zu bewahren und darauf hinzuweisen, dass ein respektvoller Umgang miteinander wichtig ist.

Der LASK hat Protest angekündigt. Wie lang kann dieser Prozess das offizielle Ende der Meisterschaft hinauszögern?

Werden sämtliche Instanzen und sämtliche Fristen ausgeschöpft, dann wird man mit Ende Juli rechnen müssen. Als ersten Schritt hat der LASK jetzt eine Frist von zwei Wochen, um einen Protest einzureichen.

Passiert dies früher, könnte man wertvolle Zeit gewinnen?

Richtig. Das Protestkomitee benötigt dann rund eine Woche, um Verhandlungen durchzuführen, Zeugen zu befragen und zu einer Entscheidung zu kommen. Nach Ausfertigung des Beschlusses hat der LASK wiederum vier Wochen Zeit, um Klage beim Schiedsgericht einzubringen.

Dann wären wir bei Mitte Juli?

Genau. Es folgt die Klagebeantwortung der Bundesliga beim Schiedsgericht. Da versuchen wir natürlich, das Ganze schnellstmöglich zu gestalten. Dies wird binnen ein paar Tagen erledigt sein. Für die Verhandlung und das abschließende Urteil rechne ich mit rund einer Woche bis zehn Tagen. Ich hoffe aber, dass es nicht zu diesem Szenario kommt und möglichst bald Klarheit herrscht. 

Der LASK ist nicht die einzige Baustelle. Am Dienstag legt die Bundesliga wieder los. Was wäre der Super-Gau?

Grundsätzlich sehe ich das Positive und hoffe, dass wir die Meisterschaft am 5. Juli beenden. Das größte Problem wären aber sicher mehrfache Infektionen während des Spielbetriebs.

Was durch das Präventionskonzept verhindert werden soll. Wer hat eigentlich daran mitgearbeitet?

Im ersten Schritt vor allem RB Salzburg und Mediziner aus Salzburg. In weiterer Folge haben wir sämtliche Klubs miteingebunden. In Arbeitsgruppen wurden der Grundentwurf verfeinert, alle Bedürfnisse berücksichtigt und das Konzept mit dem Gesundheitsministerium abgestimmt. Das dauerte drei, vier Wochen. Immer unter der Maßgabe, dass du ständig neue Voraussetzungen hattest.

Das Konzept sieht „Geisterspiele“ mit maximal 200 Personen vor. Wie kommt man auf solch eine Zahl?

Die Grundthematik ist es, die sozialen Kontakte soweit als möglich zu vermeiden. Es gilt, so wenig Leute wie möglich und so viele wie nötig ins Stadion zu lassen. Wir haben uns vergleichbare Spiele in der Vergangenheit angeschaut und die Personen zusammengeschrieben, die notwendig sind. Dabei sind wir auf die Zahl 161 gekommen. Diese haben wir an unser Konzept angepasst, sodass wir auf eine Maximalzahl von 200 gekommen sind. Man muss bedenken, dass z. B. der Personenaufwand in einem Bundesligaspiel größer ist als bei einem 2.-Liga-Spiel. 

Wie oft stand es auf der Kippe bzw. wie nahe war man am Abbruch?

In der Bundesliga bei Weitem nicht so knapp wie in der 2. Liga. In der Bundesliga ist es von Beginn an darum gegangen: Wenn es die Möglichkeit gibt, dann wollen wir spielen. Auch wenn es nicht alle waren, aber eine Mehrheit. In der 2. Liga sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen ganz andere. Da gibt es bspw. keine Einnahmen aus den TV-Geldern.

Was hat man den 2.-Liga-Vereinen versprochen, damit sie die Saison fertigspielen?

Gar nichts. Der wichtigste Punkt war, dass die Vereine geschlossen dahinter gestanden sind. Sie wissen: Spiele ohne Zuseher sind keine überlebensfähige Variante. Aber damit wir schnellstmöglich zu Zusehern kommen, ist es auf jeden Fall wichtig zu spielen.


Wann haben Sie erstmals gedacht, dass es klappen könnte?

In der Bundesliga am 11. Mai vor der Pressekonferenz mit dem Vizekanzler und dem Gesundheitsministerium, nachdem wir am Abend davor die Info bekommen hatten, dass das Konzept gut aussieht. In der 2. Liga im Moment der Abstimmung, nachdem ich die ersten fünf "Ja"-Stimmen gesehen hatte.

Hat der Fußball Privilegien? Werden andere Tests verwendet?

Der Fußball ist kein Ausnahmebereich. Es sind die gleichen Tests. Wir werden nicht besser oder schlechter gestellt als andere Bereiche. Wir haben ein Präventionskonzept, das unter anderem laufende Testungen eine Ersttestung und laufende Hygienemaßnahmen vorsieht. Dadurch müssen im Falle eines positiven Tests zwar auch sämtliche Kontaktpersonen in Isolation, sie dürfen diese aber für den Trainings- und Spielbetrieb verlassen. Das war, neben den vielen anderen Problemen, definitiv der allergrößte Knackpunkt.

Sie haben das Schiff jetzt auf die Reise geschickt, wie geht es nun weiter?

Die Arbeit hört nicht auf. Die richtigen Schwierigkeiten beginnen erst. Die wirtschaftliche Situation der Klubs ist enorm schwierig, weil Vereine keine profitgetriebenen Gesellschaften sind. Das Geld, das im Fußball erwirtschaftet wird, bleibt im Fußball. Wenn es keine wesentlichen Spieltagseinnahmen gibt, werden die Klubs nicht lange durchhalten.

Gibt es seitens der Politik finanzielle Unterstützung?

Das ist für uns ein wesentlicher Punkt. Wir sind in Gesprächen und erwarten uns genauso Unterstützung wie sämtliche andere wirtschaftlichen Bereiche.

Welche finanziellen Einbußen hat die Bundesliga?

Die Geschäftsstelle steht auf gesunden Beinen. Allerdings wird sie durch die Vereine finanziert. Wir sind ja die Administration der Vereine. Gibt es keine Vereine, gibt es auch keine Bundesliga.

Wie wichtig ist es, dass der ORF Spiele überträgt?

Es ist vor allem wichtig für die Fans, damit sie leichter Fußball konsumieren können. Und für die Klubs, weil die Reichweite eine höhere ist.

Würden Sie sich eine intensivere Zusammenarbeit zwischen ORF und Sky wünschen. Generell, nicht nur in der Krise?

Die Partnerschaft besteht ja schon seit langer Zeit. Es geht immer nur um den Umfang. Da gibt es wirtschaftliche Interessen auf beiden Seiten. Dass SKY als Pay-TV-Anbieter in erster Linie Interesse an Exklusivität hat, ist glaub ich für jeden klar und verständlich.

Ein Blick nach vorne. Wie laufen die Planungen für die Saison 2020/21?

Wir hoffen, dass von der UEFA Entscheidungen getroffen werden, wie es weitergeht. Vor allem, was die europäischen Bewerbe betrifft. Das ist ein großer Wunsch von uns, weil wir den Terminplan ja auch gestalten müssen. Aber ich verstehe, dass die Situation bei der UEFA aufgrund der europäischen Reisebeschränkungen eine weitaus schwierigere ist.

Wann werden wir wieder Spiele mit Zuschauern erleben?

In der laufenden Meisterschaft rechnen wir noch mit Geisterspielen. Wir sind aber am Ausarbeiten eines Konzepts, wie man Zuschauer schnellstmöglich wieder in die Stadien bringen kann. Das Hauptaugenmerk liegt dabei nicht auf absolute Zahlen, also nicht 500 oder 1000 Fans pro Spiel, sondern die Stadionkapazität. Polen hat es vorgezeigt. Dort sind ab Ende Juni Spiele mit 25 Prozent Stadionauslastung zugelassen.