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VdF-Vorsitzender Gernot Zirngast"Es gibt fast doppelt so viele arbeitslose Kicker"

Gernot Zirngast, der Vorsitzender der Vereinigung der Fußballer (VdF), spricht über die positiven Auswirkungen von Corona, die Problemfelder in den beiden höchsten Spielklassen und warum es so wichtig ist, sich frühzeitig einem zweiten Standbein zu widmen.

Gernot Zirngast und Christian Ebenbauer
Gernot Zirngast und Christian Ebenbauer © GEPA
 

In der Pandemie ist es in der Öffentlichkeit um die Vereinigung der Fußballer eher ruhig geworden. Gibt es dafür gute Gründe oder täuscht die Wahrnehmung?
Gernot Zirngast: Es stimmt von beidem ein wenig – einerseits war es gerade zu Beginn der Pandemie eher laut rund um die VdF, da es darum gegangen ist, den Bundesligafußball auch im Interesse der Berufsspieler so schnell wie möglich wieder ins Rollen zu bringen. Andererseits hat es intern mit der Bundesliga einen sofortigen Schulterschluss zu einem gemeinsamen Vorgehen und sogar mit dem ÖFB einen schnellen Konsens gegeben, um Konflikte gemeinsam zu bereinigen.

Was konkret hat man weitergebracht?
Im Profifußball war es vor allem die schnelle Umsetzung der Kurzarbeit, die Vereinen und Spielern eine gewisse finanzielle Sicherheit in der Krise gegeben hat, weil alle verantwortungsbewusst gehandelt und sich zur Kurzarbeit bekannt haben. Zudem haben wir im Doppelpass mit dem ÖFB nach Lösungen im Amateurbereich gesucht, um zwischen Vereinen und Spielern einvernehmliche Lösungen rund um aufrechte Vertragsverhältnisse zu finden. Vor allem war es aber zuletzt auch unserer Hartnäckigkeit zu verdanken, dass die 2. Liga im Vorjahr ihre Meisterschaft zu Ende spielen konnte, da viele Vereine das eigentlich nicht mehr wollten.

Viele Vereine bzw. deren Funktionäre sind mit der 2. Liga unglücklich. Es gibt kein TV-Geld und Sponsoren bleiben aus. Nicht nur wegen der Coronakrise, sondern auch wegen der fehlenden Attraktivität.
Natürlich ist die 2. Liga aus finanzieller Sicht kein Honiglecken, aber ich sehe trotzdem Gründe für eine weitere Bestandsberechtigung. Neben der Möglichkeit, die Meisterschaft auch mit Halbprofis spielen zu können, der Unterstützung der Bundesliga und des ÖFB kann man sich regional vermarkten und hat da durchaus Gestaltungspotenzial. Vor allem, weil in dieser Liga sehr viele Traditionsklubs vertreten sind, sehe ich darin durchaus mehr Potenzial, in einer bundesweiten Liga als etwa in drei Regionalligen als direktem Unterbau.

Hat sich die Zahl der arbeitslosen Fußballer während Corona erhöht?
Wir hatten im Dezember 2019 dank der Ligareform und unserer Zusammenarbeit mit dem AMS im Rahmen unseres VdF-Camps für arbeitslose Spieler nur noch 57 Profis ohne Verein. Im Dezember 2020 waren es im Vergleich dazu fast doppelt so viele – nämlich 112. Natürlich hat da die Pandemie ihren Anteil daran.

Wie viele Vereine wird es nach Ende der Pandemie nicht mehr geben?
Gute Frage – schwierige Antwort! Ich denke aber, dass sich in der Bundesliga fast alle Vereine halten werden. Abhängig natürlich von den gesamten wirtschaftlichen Folgen der Krise. Wenn diese so verheerend ausfallen wie von manchen erwartet, dann wird auch der Berufsfußball nicht davon verschont bleiben.

Die Ligareform in der 2. Liga ist bald drei Jahre her. Wie sind die Erkenntnisse aus Sicht der VdF? Es wurde ja bewusst eine Halbprofi-Liga geschaffen. Wie hat sich das finanziell ausgewirkt?
Fakt ist natürlich, dass es in dieser Liga – abgesehen von einzelnen Ausnahmen – nicht mehr so viel zu verdienen gibt. Fakt ist aber auch, dass die gesamte Arbeitslosigkeit im Fußball um fast zwei Drittel verringert werden konnte, weil vielen Spielern ein Zweitjob oder ein Studium neben dem Fußball ermöglicht wird.

Gibt es viele Fälle von Lohndumping, weil die Klubs ihre Spieler nun günstiger anmelden können?
Nein – einfach deshalb, weil der Kollektivvertrag vorsieht, auch die Halbtagsprofis zu einem Mindestgehalt anmelden zu müssen. Der Durchschnittsverdienst in der 2. Liga war aufgrund der vielen Akademiespieler schon vorher sehr niedrig. Das hat sich jetzt nicht geändert. Dafür sind viele Spieler jetzt aber nicht mehr als Profi tätig und können nebenbei eine andere Tätigkeit ausüben.

Welche Folgen hat es für Spieler, wenn sie nach der Saison ohne Verein dastehen, das Jahr davor rechtlich aber quasi zwischen Profi- und Amateurstatus hin- und hergependelt sind?
Die 2. Liga ist gerade für junge Spieler ein Sprungbrett. Die haben das schon im Bewusstsein, dass es nach ein, zwei Profijahren wieder vorbei sein kann. Auch, weil wir es ihnen seit vielen Jahren predigen, dass es nicht alle ins Profitum schaffen können und sie sich rechtzeitig einem zweiten Standbein widmen sollen.

Wie wirkt sich der aktuelle Stillstand im Unterhaus, vor allem in der Regionalliga, auf die Entwicklung der Gehälter aus? Theoretisch müssten jetzt im Sommer viele Spieler auf den Markt kommen und probieren, den Sprung in die 2. Liga zu schaffen, um da zumindest einen gesicherten Spielbetrieb zu haben ...
Es kann natürlich sein, dass Spieler mit Potenzial für höhere Aufgaben nun versuchen, in der 2. Liga unterzukommen. Und weil da natürlich die Anzahl der Spieler auch beschränkt ist, wird man insgesamt einen gewissen Lohndruck verspüren. Vor allem dann, wenn der Verein wirtschaftlich leisertreten muss.

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