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BragantinoErstklassig: Red Bull verleiht brasilianischem Löwen Flügel

Erst im März taten sich das österreichische Unternehmen Red Bull und der brasilianische Zweitliga-Aufsteiger CA Bragantino zusammen. Der Erfolg kam schneller als erwartet.

Die Fußballer von CA Bragantino jubelten über den Aufstieg
Die Fußballer von CA Bragantino jubelten über den Aufstieg © Clube Atletico Bragantino/Facebook
 

Eine Firma mit einem weltweit konsumierten Energydrink und ein Fußballklub aus einem biederen Luftkurort mit Etikett "Wurst-Hauptstadt": Das passt besser zusammen, als selbst die Beteiligten gedacht haben. Statt Abstiegskampf gelang CA Bragantino dank Geld und Know-how von Red Bull der Durchmarsch in Brasiliens Serie A. Im Gegenzug zieren die roten Bullen endlich ein Erstliga-Trikot.

Der in wenigen Wochen ausgehandelte und im vergangenen März vollzogene Einkauf Red Bulls bei Bragantino, die Liaison zwischen Wunsch und Weg, gelang auf Anhieb. Kritik, Skepsis, Spott und Ironie, die bis heute in Deutschland RB Leipzigs Erfolgskurs begleiten, sind bei der neuen Allianz nur Nebengeräusche.

"Verkauft" skandierten die Anhänger des Guarani FC, als Bragantino mit einem 3:1 gegen Brasiliens Meister von 1978 Anfang November den Aufstieg perfekt machte. "Pleiteklub" erwiderten die wieder stolzen CAB-Fans, die mit jedem Spieltag mehr das altehrwürdige Estadio Nabi Abi Chedad, eröffnet 1965, füllen. Beim vorzeitigen Titelgewinn am vergangenen Freitag gegen Criciuma (1:1) waren es 9410 zahlende Zuschauer. Erfolg macht sexy.

Zuseherschnitt stark gestiegen

Schließlich bestritt Red Bull Brasil Anfang des Jahres sechs seiner neun Heimspiele im Campeonato Paulista noch vor weniger als 500 Zuschauern, obwohl sich der Klub zur Nummer eins hinter den vier mitmachenden Erstligsten (Palmeiras, Corinthians, Sao Paulo, Santos) krönte. Bragantino brachte es gleichzeitig im Schnitt auf 2200 Fans. Seit der Partnerschaft sind es knapp 6000 pro Zweitligaspiel.

"Ich habe schon viel erlebt im Fußball, aber dass so etwas funktioniert, ist unglaublich. Da wurde richtig gut gearbeitet", lobte Ralf Rangnick im kicker. Der 61-Jährige kümmert sich nach seinem Abschied aus Leipzig in der Red Bull GmbH vornehmlich um die Außenstellen in New York und Brasilien. Die erste Dienstreise führte weltmännisch in den Big Apple, die zweite ins provinzielle Braganca Paulista, mit seinen knapp 170.000 Einwohnern gut eine Autostunde nördlich von Sao Paulo gelegen.

Dort spielt seit 91 Jahren der Clube Atlético, erfüllte die Stadt vor ewigen Zeiten mit Stolz: 1989 als Zweitliga-Champion, ein Jahr später mit dem Gewinn der Bundesland-Meisterschaft von Sao Paulo, und im Jahr darauf gar als Vizemeister Brasiliens, damals vom Erfolgscoach Carlos Alberto Parreira trainiert. Alles mit Krediten gekauft, deren Abzahlung zwei Jahrzehnte dauerte, was ins fußballerische Niemandsland führte.

Ich habe schon viel erlebt im Fußball, aber dass so etwas funktioniert, ist unglaublich. Da wurde richtig gut gearbeitet.

Ralf Rangnick

"Zu unserer Überraschung trafen wir einen schlanken Klub an, mit kleinem Management, ohne Schulden", berichtete nach ersten Kontakten kurz vor Jahreswechsel fast ungläubig Thiago Scuro, der 2017 als Geschäftsführer von Red Bull Brasil einstieg. Damals hatte sich der zehn Jahre zuvor im unweit von Braganca Paulista gelegenen Jarinu gegründete Klub zum zweiten Mal für die nationale Serie D qualifizierte. Und scheiterte erneut beim Aufstieg aus der Viertklassigkeit.

Ab 2020 kommt Red Bull in den Klubnamen

Nun geht es also gemeinsam in eine vielversprechende Zukunft. Ab 2020 mit Red Bull offiziell im Klubnamen, mit einem fünfköpfigen Aufsichtsrat, in dem nur noch Präsident Marquinhos Chadid aus dem alten Bragantino sitzt, mit Rot als drittem Trikotsatz neben Weiß und Schwarz, den CAB-Klubfarben.

Rund zehn Millionen Euro soll das österreichische Fußball-Imperium dieses Jahr beigesteuert haben. Für die kommende Saison ist das Vierfache geplant. Zunächst für den Klassenerhalt, ehe dann schon das internationale Geschäfte folgen soll.

Ein Teil wird in das derzeit 17.000 Zuschauer fassende Stadion investiert, um es auf das vom südamerikanischen Verband Conmebol vorgeschriebene Fassungsvermögen von 20.000 auszubauen und die nostalgisch anmutende Kampfbahn zu modernisieren.

Bleibt noch die bislang nicht geklärte Frage nach dem Maskottchen. Bragantino hat seit jeher einen Löwen, bei Red Bull sind es Stiere. Flügel haben nun beide bekommen.

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