Reaktionen zum EM-FinaleEnglands Teamchef Gareth Southgate: "Es lag an mir"

Englands Coach Gareth Southgate nahm die Pleite bei den Elfern auf seine Kappe. Roberto Mancini weinte vor Glück – und Wembley leerte sich schnell.

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Im Wembley-Stadion war es still geworden, schon bald nach dem Elferdrama, das die Azzurri in den siebenten Euro-Himmel befördert, den Engländern aber die nächste bittere Erfahrung beschert hatte. Die Fans hatten die Londoner Arena, gerne auch als Kathedrale bezeichnet, fast fluchtartig hinter sich gelassen, als könnten sie damit das Geschehene verwischen. Auf dem Feld aber ließ sich Italien feiern, bei den Tifosi auf den Rängen brandete Jubel auf, als Kapitän Giorgio Chiellini den Siegespokal in die Höhe stemmte.

Ihr erfolgreicher Teamchef Roberto Mancini war offenbar auch darauf vorbereitet, nach so vielen Siegen im Finale auch eine Niederlage zu erleiden, doch das Glück und die um eine Nuance besseren Nerven hatten sich auf die Seite seiner Burschen geschlagen. Er gab zu, dass seine Mannschaft nach dem schnellen Gegentor „große Schwierigkeiten“ hatte, Zugriff auf das Spiel zu bekommen. „Aber dann waren die Jungs wunderbar. Der Titel ist für alle Fans wichtig. Ich hoffe, alle feiern in Italien. Wir sind jetzt gerade einfach nur glücklich“, meinte Mancini unter Freudentränen in einer ersten Reaktion nach dem Drama.

Auch Gianluigi Donnarumma konnte sein Glück kaum fassen. Der 22-jährige italienische Torhüter, der zwei Elfer der Engländer abwehrte, wurde durch seine Großtaten nicht nur zum Mann des Spiels, sondern auch zum Spieler des gesamten Turniers gekürt. „Wir sind eine unglaublich spektakuläre Truppe, ich muss mich bei allen bedanken. Nach dem Elfer von Jorginho war ich kurz nachdenklich, aber ich habe sofort versucht, den Kopf wieder freizubekommen“, meinte der Schlussmann. „Das volle Wembley-Stadion hat uns besonders motiviert.“

Sieg gegen England: Una notte magica: So feiert Italien den EM-Titel

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Bei den Engländern wird sich Teamchef Gareth Southgate durch die Zurückhaltung der Mannschaft in der zweiten Hälfte, noch stärker aber durch seine etwas eigentümlichen Elfer-Personalentscheidungen einiges an Kritik gefallen lassen müssen. Jadon Sancho und Marcus Rashford waren erst in der 120. Minute ins Spiel gekommen und hatten praktisch bis zum Elferschießen keine Ballkontakte. Rashford schoss nach einem seltsamen Anlauf an die Stange, Sancho fand in Donnarumma seinen Meister. Und als letzten, ebenfalls gescheiterten, Schützen, hatte Southgate den 19-jährigen Bukayo Saka nominiert, das stieß im Stadion und natürlich im gesamten Land auf einiges an Unverständnis.

Innerhalb der Mannschaft machte sich gewaltige Enttäuschung breit. „Ich hätte nicht mehr geben können, die Jungs hätten nicht mehr geben können“, meinte Harry Kane. „Elfer sind offensichtlich das Schlimmste auf der Welt, wenn du verlierst. Es war nicht unsere Nacht, aber wir spielten ein fantastisches Turnier und sollten stolz sein. Es tut im Moment sehr weh, aber wir sind auf dem richtigen Weg“, ergänzte der Kapitän der Engländer.

Southgate nahm die verschossenen Elfer auf seine Kappe. „Wir sind maßlos enttäuscht. Es lag an mir. Ich habe die Elferschützen auf Basis der Trainings nominiert“, erklärte der englische Nationalcoach. Es sei eine Freude gewesen, wie sein Team bei dieser Europameisterschaft aufgetreten sei, „aber momentan ist es unglaublich schmerzlich“, meinte Southgate weiter. „Wir haben das Spiel nicht gewonnen, aber bei den Elfern liegt die Schuld bei mir.“

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Danke für Ihr Verständnis.

migelum
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Hat mit dem Spiel selbst und

mit dem Ergebnis nichts zu tun - allerdings: angesichts fast durchwegs Heimspielen mit angesichts der Pandemie heillos viel zu vielen Zusehern und angesichts stereotypen Pfeifkonzerts bei der Hymne des Gegners fällt es schwer, eine gewisse Schadenfreude - mitnichten gegenüber der Mannschaft - zu unterdrücken ...

Politisch_Unkorrekter
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Im Nachhinein ist immer jeder klüger.

Auch Routiniers wie Franco Baresi oder Starstürmer Roberto Baggio (WM Finale 1994 gg Brasilien) haben entscheidende 11er - um nicht zu sagen: DEN entscheidenden 11er ihres Lebens - verhaut. Southgate setzte gestern halt auf jugendliche Unbefangenheit, das kann man ihm nicht vorwerfen. Zudem waren diese Spieler im Training die sichersten Schützen. Beim 11erschießen brauchst Glück - und einen Tormannlackl wie Donnarumma.

hfg
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118 Minuten

Praktisch nicht angreifen lassen und das mit den vielen hervorragenden Spielern in der Mannschaft war ein gravierender Fehler.
Elferschützen nach Trainingsleistungen, wo überhaupt kein Druck vorhanden ist, das darf einem Teamchef der selbst mit dennNerven versagt hat, schon gar nicht machen. Beim Elfmeterschießen entscheiden nur die Nerven und nicht das Können - ist aber nichts Neues.
An diesem Tag wären die Italiener zu besiegen gewesen,, wenn England einen anderen Teamchef gehabt hätte. Aber ich bin ohnehin ein Fan der Italiener und freue mich das sie trotz der relativ schlechten Leistung gewonnen haben. Schade für England.

DergeerderteSteirer
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Southgate braucht die Schuld nicht bei sich suchen bzw. sie sich zuschreiben, ........


schießen und verwandeln muss sie immer der Spieler, mancher ist dem psychischen Druck nicht so gut gewachsen, der war für jeden gleich!!

zweigerl
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Ein ganz Großer

Stimme ich zu. Ein durch 120 Minuten ausgepowerter Spieler hat vermutlich nicht mehr die gleiche Energie und Konzentration wie ein frischer, der jetzt alles in diesen Schuss hineinlegen kann, der alle in den Himmel oder in die Hölle stürzt. Der streng und fast ausdruckslos blickende Trainer der Engländer, die wieder einmal nicht das Glück der Engel hatten, agierte wie von einem anderen Stern. Ich hätte gerne sein zurückgehaltenes Lächeln im Falle eines Sieges gesehen. Aber welche Größe, nicht nur die Elfer-Versager zu trösten, dem generischen Trainer fast als Erster zu gratulieren, sondern auch noch "die alleinige Schuld" auf sich zu nehmen.

MuskeTiere4
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Eine junge Mannschaft mit viel Potential

und noch nicht so erfahren wie Teile der italienischen Mannschaft. Jedes Team mit seinem eigenen Stil, vielfältiger mit der Möglichkeit ohne Qualitätsverlust während der Partie umzustellen, sich auf die gegnerische Taktik einzustellen.
Da gibt es beinahe nichts zu kritisieren. Vielleicht aus englischer Sicht nicht den Sack, vor allem in der ersten Hälfte mit einem zweiten Treffer zugemacht zu haben. Die Italiener konnten vor allem in der zweiten Halbzeit ihre Antwort geben. Alles sehr ebenbürtig. Ein Elferschiessen braucht neben Glück auch die bewährten Haudegen, da hatte Italien den kleinen, aber entscheidenden Vorteil. Der Junge Torwart mit seiner Körpergröße war ein weiterer Faktor. Die Erfahrung und die Nerven haben die Italiener besser in diese letzte Spielentscheidung eingebracht. Alles ganz knapp, so wie auch im Spiel gegen das österreichische Team. Trainer Southgate zeigt wie ernst er seine Verantwortung für sein junges Team nimmt, stellt sich schützend vor sie. Bravo dafür!

Politisch_Unkorrekter
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11erschießen ist ein Lotteriespiel

Southgate in der Enttäuschung zu verdammen ist natürlich ungerecht.

hfg
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Kein Lotteriespiel

Es ist eine reine Nervenangelegenheit. Können und Trainingsleistungen sind nicht ausschlaggebend. Ein sehr gut geschossener Elfmeter ist nicht zu halten. Die Nervenstärke eines Spielers sollte dem Teamchef bekannt sein. Diesen enormen Druck zu widerstehen ist eine große Herausforderung für jeden Spieler und das kann man nicht trainieren.

Politisch_Unkorrekter
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Ist nicht eine Nervenangelegenheit eben ein Lotteriespiel?

Du kannst googeln: In entscheidenden 11meterschießen scheiterten die schillerndsten Namen vom Punkt, wie zB. Zico, Baresi, Frank de Boer, Conti, Baggio, Trezeguet, Beckham, Schweinsteiger, Ronaldo... da ist alles dabei, was Rang und Namen hat.