Nach EM-AusJetzt will Franco Foda auch zur WM nach Katar

Für Franco Foda überwog nach dem Aus im Achtelfinale gegen Italien der Stolz - und der Teamchef hat noch lange nicht genug.

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Franco Foda
Franco Foda umringt von ÖFB-Spielern und -Betreuern © APA/AFP/POOL/LAURENCE GRIFFITHS
 

Es war eine außergewöhnliche Leistung, mit der sich das österreichische Fußball-Nationalteam von der EM verabschiedet hat. Bei Teamchef Franco Foda überwog nach dem Achtelfinal-Aus am Samstag gegen den hohen Favoriten Italien (1:2 n.V.) der Stolz. "Wir haben eine ausgezeichnete EM gespielt", meinte der Deutsche. Daraus will Foda neues Vertrauen ziehen. Als nächstes Ziel gab er bereits die WM-Teilnahme 2022 in Katar aus. Die Qualifikation wird im September fortgesetzt.

"Die Nation Österreich kann stolz sein, die Mannschaft hat das Land toll präsentiert", meinte Foda, nachdem sein Team den Turnier-Mitfavoriten an den Rand einer Niederlage gebracht hatte - seiner ersten seit 2018. 31 Partien sind die Italiener seither unbesiegt. Seine Mannschaft sei "gierig" gewesen, dazu hätte der Teamgeist beim gesamten Turnier gestimmt, betonte Foda. "Wir hatten eine gute Stimmung innerhalb der Mannschaft, einen guten Plan, eine gute Strategie."

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Italien - Österreich 2:1: Die Leistung der ÖFB-Spieler in der Einzelkritik

Daniel Bachmann: 5

Parierte in der ersten Hälfte einen gefährlichen Schuss von
Nicolo Barella mit dem Fuß stark, auch sonst war der England-Legionär vor den Augen seiner Frau und Watford-Klubkollegen immer zur Stelle. Bei beiden Gegentreffern ohne Abwehrchance.

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Stefan Lainer: 4

Der Außenverteidiger wirkte müde und nicht so agil wie sonst. Vor allem nach vorne ging diesmal beim Mönchengladbach-Außenverteidiger im ersten Durchgang kaum etwas. In der zweiten Hälfte wesentlich stärker im Spiel.

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Aleksandar Dragovic: 5

Wieder einmal eine einwandfreie Leistung des Innenverteidigers. Die zuletzt so furios spielenden Italiener waren zwar oft in Österreichs Spielhälfte, hatten allerdings nicht viele hochkarätige Chancen. Auch, weil in der Mitte alles dicht war.

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Martin Hinteregger: 5

In der Spieleröffnung nur selten mit dem weiten Ball nach
vorne. Der Frankfurter wollte stets den spielerischen Weg gehen. Bei eigenen Standardsituationen machte der Innenverteidiger ordentlich Betrieb und sorgte für Gefahr in Italiens Strafraum.

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David Alaba: 5

Der künftige Real-Madrid-Star konnte sich in der Offensive nicht so einschalten wie zuletzt, zu sehr war er anfangs mit Defensivaufgaben beschäftigt. Setzte einen Freistoß aus aussichtsreicher Position über das Tor und zeigte dann eine starke Leistung.

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Xaver Schlager: 5

Gemeinsam mit seinem ehemaligen Salzburger Teamkollegen Konrad Laimer machte der Wolfsburg-Legionär seine Sache im defensiven Mittelfeld mehr als ordentlich und zog den Italienern um PSG-Star Marco Verratti den Nerv.

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Florian Grillitsch: 4

Nach seinem Auftritt gegen die Ukraine hochgelobt, war die Partie des Hoffenheim-Legionärs gegen Italien nicht ganz so gut. Dass er vor dem Spiel kaum mit der Mannschaft trainieren konnte, war klar ersichtlich. Der Einsatz stimmte aber.

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Konrad Laimer: 5

Unfassbare Laufleistung des Leipzig-Profis. Der 24-Jährige war überall auf dem Feld zu finden, egal ob beim Pressing tief in der italienischen Spielhälfte oder hinten im Defensivverhalten. Auch mit dem Ball am Fuß ein guter Auftritt.

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Marcel Sabitzer: 4

Unauffälliger Auftritt des Offensivspielers. Erstmals trat der
Steirer in Erscheinung, als er nach knapp einer Stunde aus rund 20 Metern abzog. Danach offensiv besser im Spiel, auch defensiv fleißig. Nicht seine beste, aber doch eine sehr gute Partie.

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Christoph Baumgartner: 4

Wieder eine Schrecksekunde beim 21-Jährige, als er von Gianluigi Donnarumma am Kopf getroffen wurde. Diesmal konnte er aber weiterspielen. Strahlte weniger Torgefahr als zuletzt aus, das Team-Küken machte dennoch eine solide Partie.

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Marko Arnautovic: 5

Hatte den ersten und einzigen Abschluss der Österreich in Hälfte eins, der allerdings klar über das Tor ging. Bei einer Kontersituation nach Seitenwechsel erst stark, dann ohne Übersicht. Schoss das vermeintliche 1:0, das nach ein Eingriff des Video Assistant Referees wegen Abseits aberkannt wurde.

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Diese wäre auch gegen die Italiener beinahe aufgegangen. Mehrmals fehlten im Wembley-Stadion nur Zentimeter - etwa, als die Schuhspitze von Marko Arnautovic vor seinem Tor in der 65. Minute im Abseits war. "Über 120 Minuten war es eine sehr reife Leistung, die gilt es dann im September wieder zu bestätigen. Denn wir wollen auch zur WM nach Katar", erklärte Foda.

Der Start in die WM-Qualifikation war im März missglückt. Mit vier Punkten aus drei Spielen und einer 0:4-Heimpleite gegen Dänemark ist das ÖFB-Team bereits im Hintertreffen. Die nächsten Partien folgen in der Republik Moldau (1. September), in Israel (4.) und gegen Schottland (7.). Allerdings haben die Österreicher unabhängig von ihrem Abschneiden wegen ihres Nations-League-Gruppensieges gute Chancen, im März 2022 im WM-Play-off um drei Restplätze zu spielen.

Die EM hat in jedem Fall Hoffnung gegeben. "Jetzt haben die Kritiker einmal zwei, drei Woche Pause, und danach dürfen sie uns wieder kritisieren", meinte Foda, dem nach dem März-Debakel bereits rauer Wind entgegengeweht war. Die Mannschaft sei in den vergangenen viereinhalb Wochen "extrem eng zusammengerückt", sagte der 55-Jährige. "Man hat gesehen, wenn du guten Teamspirit hast, dann kannst du auch solche Leistungen abrufen."

Jene gegen Italien sei laut Foda "außergewöhnlich" gewesen. Nach einer zweiten Hälfte, die ihresgleichen sucht, sei man der Überzeugung gewesen, die Italiener ernsthaft vor Probleme zu stellen. "Der Gegner hatte keinen Zugriff auf unser Spiel." Ein schlechtes Abwehrverhalten vor dem 0:1 durch Federico Chiesa reichte aber. "Mannschaften, die zu den Favoriten zählen, nutzen solche Situationen. Das hätten wir besser lösen müssen", gestand der ÖFB-Teamchef.

Besonders beeindruckt war er von der Moral seiner Mannschaft - auch beim Stand von 0:2 in der Verlängerung. "Der Glaube war riesig." Sasa Kalajdzic gelang sechs Minuten vor Ende der Verlängerung der Anschlusstreffer. Foda: "Es gab dann noch ein, zwei gute Situationen. Wir hatten gutes Positionsspiel, gutes Tempo. Schade, dass der Ausgleich nicht gelungen ist. Wir waren gegen einen klaren Favoriten knapp davor, das Viertelfinale zu erreichen."

Die Basis war die körperliche Verfassung der Österreicher. Auch in der Verlängerung lief die von den vielen Red-Bull-Spielern geprägte Pressing-Maschine noch. "Wir mussten leiden", sagte Italiens Teamchef Roberto Mancini. Dabei hatten die Italiener ihr letztes Gruppenspiel gegen Wales (1:0) nicht nur einen Tag früher bestritten als das ÖFB-Team, sondern dabei auch den Großteil ihrer Stammformation bereits geschont.

Foda betonte laut eigenen Angaben auch unmittelbar nach dem Spiel in der Kabine gegenüber seinen Akteuren, dass sie trotz des Ausscheidens auf das Geleistete stolz sein müssten. Nach einem "gemütlichen Beisammensein" (Foda) trat die Mannschaft am Sonntag gemeinsam die Rückreise aus London an. Im EM-Teamcamp in Seefeld trennen sich am Nachmittag nach genau einem Monat die Wege.

"Die vier Wochen gingen so schnell rum. Es gab keinen Lagerkoller, im Gegenteil: Es hat sich so angefühlt, als ob wir erst eine Woche zusammen wären", beteuerte Foda. Der lange Lehrgang sei extrem gut durchgeplant gewesen - auch Freizeit und Teambuilding-Maßnahmen. In der Corona-Blase hatte man dafür viel Zeit. Foda: "Wir haben gemeinsam Ziele definiert, die Mannschaft mit ins Boot genommen. Unser Motto war, Geschichte zu schreiben - das ist uns auch gelungen."

Dem ersten Sieg bei einer EM-Endrunde (3:1 gegen Nordmazedonien) folgte nach einem 0:2 gegen die Niederlande mit einem 1:0 gegen die Ukraine der erstmalige Einzug ins Achtelfinale. Das erste K.o.-Spiel des ÖFB-Teams bei einer großen Endrunde seit der WM 1954 ging zwar verloren. "Klar, wir wollten ins Viertelfinale, vielleicht noch so eine kleine neue Geschichte schreiben", sagte Foda. "Das ist uns nicht gelungen." Trotzdem verlässt man das Turnier erhobenen Hauptes.

Dass sich die vom Virus bedingte Abschottung der Teams positiv auf das Gefüge ausgewirkt hätte, stellte der Coach in Abrede. "Die Blase war kein Vorteil. Mir wäre es lieber gewesen ohne die ganze Covid-19-Geschichte." Vor allem hätten es sich die Fans aus Österreich, die wegen der britischen Corona-Bestimmungen nicht hatten einreisen dürfen, verdient gehabt, bei "so einem wunderbaren Spiel" dabei zu sein. "Bei so einem Achtelfinalspiel hätten uns hier sicher 20.000 begleitet", meinte Foda.

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