EM-AnalysePhilipp Semlic über Nordmazedonien und das gefährliche Reduzieren auf eine reine Defensivmannschaft

Das Spiel des ersten ÖFB-Gegners hängt zwar stark an einem Trio, aber unterschätzen darf man das Team um Altstar Goran Pandev nicht.

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Philipp Semlic
Philipp Semlic © Juergen Fuchs
 

Erster Gegner ist Nordmazedonien – und das ist ein sehr gefährlicher erster Gegner. Von Österreich erwarten alle einen Sieg, aber bis der eingefahren ist, braucht es ein hartes Stück Arbeit. Und es ist eines dieser Spiele, in dem so viel vom ersten Tor abhängen wird. Gelingt das den Österreichern, ist viel gewonnen. Gelingt den Nordmazedoniern das erste Tor, spielt das ihrer Taktik und Spielanlage noch mehr in die Karten. Denn: Nordmazedonien agiert mit acht Spielern im Abwehrdrittel und diesen Riegel muss man erst einmal knacken. Sie versuchen, nach Ballgewinnen auf ihre Unterschiedsspieler Goran Pandev und Eljif Elmaz umzuschalten.

Grundordnung. Sowohl gegen den Ball als auch in Ballbesitz vertraut Trainer Igor Angelovski auf ein 3-5-2. Es ist grundsätzlich eher ungewöhnlich, in beiden Phasen dasselbe System zu spielen. Wer aber glaubt, dass sich Nordmazedonien nur über die Defensive definiert, ist falsch gewickelt. Sie verfügen auch in Ballbesitz über gute individuelle Qualität und haben mit dem Sieg in Deutschland und der guten Vorbereitung samt einem 4:0-Erfolg gegen Kasachstan große Euphorie in der Heimat erzeugt, starten mit viel Selbstvertrauen in die Euro.

Spiel gegen den Ball. Die Nordmazedonier spielen ein sogenanntes „Abwehrdrittel-Pressing.“ Die Mannschaft verteidigt im tiefen Block und attackiert den ballführenden Spieler erst in der eigenen Hälfte. So versucht man, die letzte Linie des Gegners herauszulocken. Dadurch wiederum entstehen hinter der letzten Linie des Gegners mehr Räume, die man besser bespielen kann. Oft reicht so nur ein guter, langer Ball in die Tiefe, um einen Spieler Richtung Tor zu bekommen. Vor allem, wenn der Gegner schlecht bzw. unaufmerksam verteidigt. Vereinzelt haben jedoch auch die Nordmazedonier Phasen, wo vorne angepresst wird. Oft aber fällt man in das erste Muster zurück.

Spiel mit dem Ball. Die Nordmazedonier haben durchaus Ideen und Muster im Positionsspiel, viel hängt vom Trio Pandev, Alioski, Elmaz und damit dem Spiel über ihre linke Seite ab. Mit der Euphorie im Land ist die Zielsetzung allerdings gestiegen: Auch für Nordmazedonien geht es um den Aufstieg ins Achtelfinale.

Schlüsselspieler. Wie erwähnt hängt vor allem offensiv viel an einem Trio. Goran Pandev, in Italiens Serie A bei Genua engagiert, ist trotz seines fortgeschrittenen Alters (37) immer noch in der Lage, entscheidende Dinge am Platz zu machen. Sein kongenialer Partner ist Eljif Elmaz. Der 21-Jährige besticht durch gute Technik und Kreativität und spielt ebenfalls in Italien, beim SSC Napoli. Ezgjan Alioski auf der linken Außenbahn von Leeds United in der Premier League ist ein Spieler mit „Pferdelunge“ und beackert die linke Seite.

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