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England im HalbfinaleSouthgate will sich mit der Vergangenheit versöhnen

Erstmals seit 55 Jahren wollen die Engländer wieder ein großes Finale erreichen. Am Mittwoch gegen Dänemark soll es klappen.

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Gareth Southgate © AFP
 

Englands Fußball-Nationaltrainer Gareth Southgate sieht die "Three Lions" nach 55 Jahren ohne großen Titel bereit für den nächsten Schritt. Das Halbfinale der EM am Mittwoch (21.00 Uhr/live ORF 1) gegen Dänemark soll für sein Team nur ein weiterer Zwischenschritt auf dem Weg zum Titel sein. "Wir hatten in der Vergangenheit bereits so viel Pech und haben viele Hürden übersprungen, und ich habe das Gefühl, dass das nur die nächste Herausforderung ist", sagte der 50-Jährige.

"Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass wir im Halbfinale sind", fügte der ehemalige Abwehrspieler hinzu. Vor drei Jahren bei der WM in Russland, als die Engländer im Halbfinale gegen Kroatien ausgeschieden waren, war das laut Southgate noch ein wenig anders: "Obwohl wir nach dem Halbfinale natürlich extrem enttäuscht waren, hatten wir auch das Gefühl, dass wir es weit geschafft haben."

"Wir haben uns mit jedem Spiel verbessert"

Diesmal wollen die Engländer erstmals seit 1966 wieder das Endspiel eines großen Turniers erreichen. "Wir haben das Gefühl, dass wir uns mit jedem Spiel bei dieser EM verbessert haben. Und ich glaube, dass wir noch besser werden können. Und das werden wir auch", sagte Englands Abwehrchef Harry Maguire. Die Mannschaft sei besser als noch bei der WM vor drei Jahren. "Wir sind erfahrener. Auch die Niederlage gegen Kroatien hat uns geholfen, wir haben daraus gelernt", meinte der Manchester-United-Akteur. Unterschätzen dürfe man die Dänen aber nicht: "Ihre bisherige EM-Reise ist inspirierend. Sie haben eine starke Mannschaft."

Großes Plus der Engländer ist auch der Heimvorteil. Schon im Halbfinale können die "Three Lions" vor bis zu 67.500 hauptsächlich englischen Fans im Wembley-Stadion spielen, ehe auch das Finale in London stattfindet. "Es ist großartig, wieder zurückzukommen", sagte Southgate, nachdem die Engländer beim 4:0-Sieg im Viertelfinale gegen die Ukraine in Rom gespielt hatten.

Kritik blieb nicht aus

Fast vier Jahre hat Southgate benötigt, um das oft komplizierte Verhältnis zwischen Fans und Nationalmannschaft komplett zu drehen. "Unsere Nation der Helden", titelte die "Daily Mail" am Montag zu Fotos von den Nationalspielern Raheem Sterling und Harry Kane sowie Helfern der Gesundheitsbehörde NHS, die von der Queen für ihren Einsatz während der Coronakrise geehrt wurden. Dabei wurde Southgate selbst zu EM-Beginn noch kritisch beäugt, weil sein Team trotz zahlreicher Offensivstars nicht durch die Vorrunde wirbelte, sondern trockenen Ergebnisfußball ablieferte.

"Den Menschen so viel Freude zu geben, ihnen Hoffnung zu geben, das gehört zu den Privilegien unseres Jobs", sagte Southgate. Es ist ein typischer Satz von ihm. Dem ehemaligen Verteidiger ist es gelungen, eine gespaltene Nation hinter ihrer wichtigsten Mannschaft zu vereinen. "Dank Southgate ist England wieder in Mode", schrieb die Tageszeitung "The Times" am Montag. Während noch zu Beginn des Turniers manche Medien spotteten, dass Southgate aufgrund seiner Eloquenz vielleicht eher für den diplomatischen Dienst als für den Job als Nationalcoach geeignet wäre, geht sein Plan nun auf.

Versöhnung mit der Vergangenheit

Die Titel-Krönung am 11. Juli in Wembley wäre für ihn auch eine Versöhnung mit der eigenen Vergangenheit. Vor 25 Jahren erlebte der damals 25-Jährige seinen bittersten Moment als Spieler. Im Halbfinale der EM im eigenen Land versagten ihm ebenfalls in Wembley vor 75.862 Zuschauern in einem Fußball-Krimi die Nerven. Im Elfmeterschießen gegen Deutschland verschoss Southgate als einziger Spieler, Andreas Möller beförderte die DFB-Auswahl schließlich ins Finale und beendete damit den Traum einer ganzen Nation.

"Das wird mir immer wehtun", sagte Southgate erst vor einer Woche. "Gareth, du musst dich bei uns nicht für die EM 1996 entschuldigen. Lass los. Wir sind so stolz auf dich", schrieb Englands Stürmer-Legende Alan Shearer in einer Kolumne für das Sportportal "The Athletic". Southgate freute sich über die emotionalen Worte seines ehemaligen Teamkollegen. Doch es reicht ihm nicht. Er will jetzt mehr.

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