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Euro 2020Gruppengegner Ukraine: Der Kampf um den Ball im Krieg

Der Konflikt in der Ukraine hat nicht nur die politische Landschaft verändert. Der blutige Kampf hat auch Auswirkungen auf die Fußballlandkarte.

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Ukrainische Fußballfans
Ukrainische Fußballfans © APA/EPA/OLGA IVASHCHENKO (OLGA IVASHCHENKO)
 

Vor neun Jahren war die Welt noch halbwegs in Ordnung. Die Euro 2012 in Polen und der Ukraine mit dem Finale in Kiew war ein Fußballfest. Polen präsentierte sich als weltoffenes Land und zog die unruhige Ukraine im Windsog mit, wenn auch die Zusammenarbeit zwischen beiden Ausrichtern kaum funktionierte und eine Reihe von Skandalen im Zusammenhang mit der Vorbereitung aufgedeckt wurden. Tatsächlich mieden viele Fans die Spiele in der Ukraine, weil Berichte über Korruption, Rassismus und Xenophobie, überhöhte Hotelpreise sowie ein politischer Boykott nach dem Fall Timoschenko viele Europäer abschreckten. Die Ukraine wurde damals als zweites großes Enfant Terrible Europas neben Weißrussland wahrgenommen. Die Orangene Revolution 2004 hat den Prozess der Demokratisierung zwar beschleunigt, war aber zur EM ins Stocken geraten. Der Massenprotest des Euromaidan gegen den prorussischen Präsidenten, sowie die Konflikte mit dem Nachbarland folgten und wirbelten auch die Fußballwelt völlig durcheinander. Viele Fußballanhänger hatten sich am Euromaidan beteiligt. Die Probleme spalten seither das Nationalteam und die Fans.

Der blutige Konflikt 2014 hatte Auswirkungen auf die Meisterschaft, ein Teil der Ligamannschaften stammte aus der Ostukraine. Meister Schachtjor Donezk und drei weitere Klubs mussten wegen des Bürgerkrieges umziehen. Auch Sorja Luhansk floh vor den prorussischen Separatisten aus der „Volksrepublik“ und trug seine Spiele fernab der Heimat in Lemberg und Saporischschja aus. Dnipro Dnjepropetrowsk zog in die Hauptstadt um, bevor 2019 das Geld ausging, weil der Oligarch Ihor Kolomojskyj sein Interesse verlor – nur vier Jahre nach dem Europa-League-Finale. Der Erfolgsklub Metalist Charkiw verschwand noch früher gänzlich vom Spielplan, löste sich 2016 nach 90 Jahren Geschichte auf, nachdem sich sein Besitzer, der Oligarch Serhij Kurtschenko, nach Russland abgesetzt hatte. Charkiw wurde stattdessen zum Exil für Schachtar Donezk, dem erfolgreichsten Verein der Ostukraine, der ebenfalls erst in Lemberg spielte. Insgesamt haben sich rund 20 Teams wegen akuter Geldnöte aus dem Profisport verabschiedet, nicht nur aus dem Osten der Ukraine. Der Krieg hat dem ganzen Land wirtschaftlich zugesetzt, auch den Oligarchen und damit den Klubs.

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