Kommentare„Die Krise könnte die Attraktivität erhöhen“

Die Liga steht von Start weg vor großen Herausforderungen. Die Kommentare der Redaktion zu aktuellen Themen.

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© (c) Rene Krammer
 

Der Ligastart bringt viele Fragen mit sich: Kann bis April durchgespielt werden? Wie viele Fans werden wirklich dauerhaft in den Hallen sein? Können aus Topligen geliehene Talente für mehr Aufsehen in der heimischen Meisterschaft sorgen? Und wie viele Österreicher werden dieses Jahr wirklich ins Auge stechen können? Unsere Einschätzungen:

"Frisches Blut für die Liga"

Von Matthias Trattnig: Für den Eishockey-Fan bringt die Krise auch etwas Positives. Aufgrund des verspäteten Starts der NHL-Saison versuchen viele Spieler, in europäischen Mannschaften unterzukommen, um sich adäquat vorzubereiten. Red Bull Salzburg hat sich bereits potenzielle NHL-Profis geschnappt (John Peterka und Justin Schütz sowie Flip Varejcka). In Wien wurde es Graham McPhee. Die Edmonton Oilers verordneten Devin Brooseau, Yanni Kalis und Cooper Marode in Dornbirn Spielpraxis. Und der KAC gibt Rückkehrer David Maier sowie Daylon Groulx eine Chance sich zu beweisen. Der NHL-Start dürfte sich verzögern, vielleicht folgen noch weitere. Das hätte den Vorteil, dass diese Talente von Scouts gesichtet werden – ein paar junge Österreicher könnten so ins Auge stechen. Sofern sie Eiszeit erhalten. Am wahrscheinlichsten ist das in Klagenfurt, Wien und Salzburg, die ihre Anzahl an Imports stark reduziert haben.  Und vielleicht läuft ja auch noch Michael Raffl in der Liga ein. Immer mehr Galionsfiguren kommen abhanden, so könnte (kurzfristig) die Attraktivität erhöht werden.

"Bloß keine Spielverderber"

Von Martin Quendler: Niemand hätte vor einem Jahr erträumt, was passiert: Dass etwa die Meistertipps unseres Eishockey-Specials gar nicht benötigt wurden. Heuer verzichten wir vorsichtshalber darauf. Unsicherheit herrscht, die kein Vor-Geplänkel aufkommen lassen will. „Corona“ prägt nun auch die ICE Hockey League. Zuvor wäre zu erwähnen: neuer Name, neues Erscheinungsbild, neuer Hauptsponsor, neuer TV-Partner plus ein neuer Klub. Und, um auf den Virus zurückzukommen, ein Sicherheitskonzept, ohne das ein Start gar nicht möglich wäre. Das Rundherum ist intakt.
Sportlich gesehen stellt sich aber die Frage: Wie lässt sich Eishockey verkaufen?

  1.  Mit Top-Imports (was
    teuer ist).
  2. Mit Härte (was nicht mehr zeitgemäß ist).
  3. Mit Österreichern und das bedingungslos.

Letzteres entspräche der Eishockey-Logik. Es scheitert, mit Ausnahme von KAC, Wien, Salzburg an der Umsetzung. Die anderen, weniger betuchten stehen unter Zugzwang. Bozen fuchtelt wieder einmal mit den Euros, will einen Meisterkader erkaufen. Soll sein. Aber wer dauerhaft unfair spielt, muss damit rechnen, dass die Liga-Ampel irgendwann auf Rot schaltet. Das Gute an einer Krise: Sie gibt eben wahre Charakterzüge preis. Nichtsdestotrotz: Die Eiszeit steht bevor. Sie wird wie keine andere. Bleibt gesund!

"Wirtschaftlicher Drahtseilakt im Sinne des Sports"

Von Mario Kleinberger: Noch bevor das erste Bully in der Liga durchgeführt wird, gab es durch die Regierung schon die erste Einschränkung. Aufgrund der steigenden Covid-Zahlen in Österreich sind jetzt maximal 1500 Fans in der Halle erlaubt. Ein Schlag ins Gesicht für die Klubs, die mit bis zu 3000 Zuschauern, je nach Hallenkapazität, kalkulierten und bei dieser Zahl ein dickes Minus in der Bilanz einberechnet haben. Daher stellt sich die leise Frage, ob es sinnvoll ist, überhaupt mit der Saison zu starten. Wirtschaftlich ist es für einige Klubs ein riskantes Unterfangen, sollten am Ende die erhofften Hilfeleistungen des Staates ausbleiben Da könnten Vereine auf der Strecke bleiben.  Sportlich hingegen ist es extrem wichtig, dass gespielt wird. Es wäre speziell für die junge Generation eine Katastrophe, über viele Monate keine Meisterschaft bestreiten zu dürfen. Die Entwicklung würde stoppen. Talente hätten erhebliche Probleme dieses Manko jemals wettzumachen. Das Eishockey benötigt umfangreiche Unterstützung von allen Seiten für diese, hoffentlich einzigartige Saison. Im Sinne des gesamten Sports.

"Statt der Ampel das eigene Bewusstsein einschalten"

Von Philip Edlinger: Eines sei eingangs lobend erwähnt: In puncto Maskenpflicht wurde aus den Testläufen gelernt, hat der Hausverstand über starre, parallel laufende Verordnungen gesiegt! War es bei den ersten Tests nur im dicht gedrängten Gastrobereich erlaubt, die Maske fallen zu lassen, darf man zum Ligastart dank Covid-Lockerungsverordnung doch und ausschließlich am Sitzplatz mit Abstand ohne Maske sitzen und konsumieren. So weit, so klar. Ein bürokratisches Wirrwar ist entflochten, ein anderes bleibt: Die (Un-)Vereinbarkeit von Corona-Ampelfarben und Zuschauerzahlen. Steht sie auf grün, dürfen nur 1500 Fans in die Halle – das politische Maßnahmenpaket schränkt Vereine ungeachtet der Ampel ein. Leuchtet sie orange, sollen auch 1500 statt der in den Ampelregeln manifestierten 250 Fans kommen. Darauf einigten sich Land Wien und Bund bei deren Orangeschaltung. Darauf beharren auch die Klubs. So weit, so unklar...
Zusammengefasst: Ob grün, gelb oder orange – nur mit eingeschaltetem Hirn kommen wir durch diese Saison – egal was die Ampel sagt!

"Eine vertane Chance für die Liga"

Von Herwig Gressel: Die Art und Weise wie die ICE Hockey League, aber auch ihre Vereine, mit den Covid-19-Beschränkungen umgehen, ist vorbildlich. Eines muss man, mit Ausnahme von KAC, Wien und Salzburg allerdings festhalten: Gerade in Zeiten wie diesen wäre ein Umdenken in Sachen Kaderplanung mehr als angebracht gewesen. Klar drängen heuer viele Übersee-Imports für billiges Geld nach Europa. Dennoch hätten die Klubs gerade jetzt die große Möglichkeit gehabt, den, zugegebenermaßen wenigen, jungen Österreichern eine Chance zu geben. Und nicht nur das. Dass heimische Führungsspieler wie Patrick Harand, Markus Schlacher oder Michael Schiechl keine Verträge mehr erhielten, sagt viel über das jahrelange (falsche) Personalmanagement vieler Vereine aus. Nicht ganz unschuldig daran ist die Liga. Wurde im letzten Jahr das Punktekontingent für Imports erfreulicherweise auf 40 beschränkt, ruderte man in diesem Jahr auf Drängen etlicher Vereinsverantwortlicher zurück - zum Nachteil für das heimische Eishockey.

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