Interview mit dem Bullen-KapitänMatthias Trattnig: "Warum soll ich Märchen erzählen?"

Matthias Trattnig (38) beendet 2019 seine Karriere. Er spricht über die Veränderungen, die es heuer in Salzburg geben musste, und wen er sich als Halbfinal-Gegner wünscht.

Bullen-Kapitän Matthias Trattnig hat mit Salzburg seinen siebenten Meistertitel im Visier © (c) GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber
 

In Salzburg findet mit den Eishockey-Profis regelmäßig die Poker-Nacht im Casino statt. War auch der Saisonverlauf der Roten Bullen ein Bluff?

Matthias Trattnig: Nein. Der Start war schlecht. Wir waren ja sogar Letzter. Dann sind zwei Stürmer und ein Verteidiger geholt worden. Wir haben das System geändert. Körperlich haben wir uns immer gut gefühlt. Seit ein paar Monaten läuft es jetzt auch bei uns. Jetzt sind wir da, wo wir sein sollten und wollen.

Was bedeutet ihre Andeutung „das System geändert“?

Matthias Trattnig: Es ging um fundamentale Dinge. Der Puck wird nicht mehr ziellos rausgeschossen, sondern gehalten. Bei uns ist ja immer alles über viel Scheibenbesitz gelaufen. Damit waren wir erfolgreich. Und die Stürmer stehen nicht mehr tief, sondern die Flügel gehen früher aus der eigenen Zone raus. So kann schneller in den Angriffsmodus geschaltet werden.

Es heißt, die Spieler hätten damals in puncto Taktik den Trainer Greg Poss „overruled“?

Matthias Trattnig: Wir Spieler haben Vorschläge geliefert. Manche hat der Trainer angenommen, andere nicht. Es war aber eine Zusammenarbeit, eine Kooperation. Dass die Spieler im Alleingang entschieden hätten, ist falsch.

Für viele lautet schon jetzt das programmierte Finale Vienna Capitals gegen Salzburg. Wie deckt sich das mit Ihrer Vorstellung?

Matthias Trattnig: Wir wollen Meister werden, das ist doch klar. Doch nach dem heutigen Spieltag wird sich alles verändern. Die Intensität wird endlich zunehmen, die Partien gestalten sich enger und jeder Spieler schlüpft in seine Rolle. Die Teams schalten in den Play-off-Modus und entwickeln ihren eigenen Charakter. Es ist aber nicht eindeutig, wie es ausgeht. Neben Wien und Salzburg könnte Linz gefährlich werden.

Bleibt dieser Tabellenstand, hätte Salzburg Heimrecht und dürfte als Erster seinen Viertelfinal-Gegner wählen. Wer wird es sein?

Matthias Trattnig: Raphael Herburger will nach Dornbirn. Nein, Spaß beiseite. Die Spieler haben zwar abgestimmt. Es zählen aber nicht nur sportliche, sondern auch logistische Umstände. Zagreb würde uns mehrere Heimspiele in Folge bieten (wer Zagreb wählt, hätte aufgrund einer Eiskunstlauf-Veranstaltung und dadurch fehlender Hallenverfügbarkeit der Kroaten drei Heimspiele in den ersten vier Partien, Anm.). Entschieden wird das aber vom Manager und vom Trainer. Ich hoffe allerdings auf ein neuerliches Duell im Halbfinale gegen den KAC.

Ihre langjährigen Teamkollegen Daniel Welser und Manuel Latusa sind nicht mehr dabei. Sie haben heuer nicht Ihre beste Saison. Steht auch bei Ihnen das Karriereende bevor?

Matthias Trattnig: Es lief nicht gut, das stimmt. Mir macht es aber noch Spaß. Außerdem habe ich noch einen Vertrag bis Saisonende 2018/19 und werde diesen klarerweise erfüllen. Danach ist mit Sicherheit Schluss.

Sie sind derzeit verletzt. Wann erfolgt das Comeback?

Matthias Trattnig: Mit dem ersten Play-off-Spiel bin ich dabei. Ich habe mir den Ringfinger gebrochen, werde also mit einer Schiene spielen.

Haben Sie keine Angst, das dem Gegner zu verraten?

Matthias Trattnig: Nein, das ist mir egal. Das spricht sich doch ohnehin herum. Warum soll ich also irgendein Märchen erzählen?

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