AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Caps-Spieler Rotter

Er stand stets zu seiner Religion

Caps-Stürmer Rafael Rotter (26) ist Österreichs einziger Eishockey-Spieler mit jüdischem Glauben. Er erzählt über seine Kindheit auf den Wiener Fußballplätzen und seine Erlebnisse als jüdischer Sportler.

© GEPA
 

Der Nestroyplatz im zweiten Wiener Bezirk Leopoldstadt ist so etwas wie ein Schnittpunkt der Religionen. Hier um die Ecke wohnt auch der 26-jährige Eishockey-Profi Rafael Rotter. Der Publikumsliebling der ansässigen Vienna Capitals ist bekennender Jude. "Aber nicht strenggläubig", betont er mit einem Lächeln, das fast im gesamten Gespräch eine angenehme Begleiterscheinung ist. Er hat den Glauben seiner Mama angenommen, sein Papa entstammt aus einer katholischen Familie.

Gut behütet wuchs Rotter in einem der äußeren Wiener Bezirken auf, besuchte dort auch die katholische Volksschule. In der Freizeit verbrachte er seine Kindheit und Jugend abwechselnd auf Fußballplätzen und in Eishallen. Seine Miene wird ernster. Denn dort lernte er einige gesellschaftliche Abgründe kennen. "Ich habe bei der jüdischen Fußballmannschaft Maccabi Wien gespielt. Unsere Gegner waren aus Bezirken wir Kagran oder Favoriten. Oft fielen schlimme Beschimpfungen. Nicht nur von den Kindern am Platz, auch von den Eltern", berichtet der Wiener. "Jene unter uns, die kaum mit anderen Religionen in Berührung gekommen sind, haben sich nicht ausgekannt. Aber Leute wie mein bester Freund Avi oder ich, wir haben uns gewehrt." Mit Worten? "Ja, klar. Aber wenn Witze übers KZ gerissen worden sind, hat derjenige eben eine kassiert."

Nur kurz hält der jüdische Eishockeyprofi inne, dann fährt er mit einem Lächeln fort: "Jeder Mensch hat aber eine gute Seite. Und viele können eben nichts dafür", meint er fast entschuldigend und erklärt: "Die Umgebung und die Erziehung ist schuld. Ich hatte eben das Glück, in so einer tollen Familie aufzuwachsen."

Wie eng die Beziehung zu seinen Eltern ist, erklärt, dass sie alle die selbe Anschrift haben. Zwei Stockwerke über seinen Eltern hat sich Rotter eine Wohnung gekauft. "Mit den gesamten Ersparnissen. Schrittweise habe ich sie umgebaut. Wobei die Küche nach wie vor selten verwendet wird", ergänzt das einzige Kind bei den Rotters. Beim Essen muss er allerdings Abstriche hinnehmen. "Rippchen und Speck gehen mir schon ab. Früher habe ich Schweinefleisch gegessen, jetzt nicht mehr", sagt Rotter. Avi hätte da viel Einfluss auf ihn gehabt.

Der Familienfriede war nur kurzzeitig gestört, als sich der 26-Jährige tätowieren gelassen hat (der jüdische Glaube verbietet Tätowierungen. Während des Holocaust sind KZ-Häftlinge tätowiert worden, Anm.). Sein Papa hat es zwar lockerer gesehen, die Mama hingegen echauffierte sich: "Ich hatte Angst, dass ich enterbt werde", scherzt der Capitals-Flügelstürmer. Mittlerweile ist der Ärger verflogen und neue Tätowierungen sind dazugekommen. Rotter: "Neun müssten es jetzt sein."

Mit der aktuellen Saison bei den Vienna Capitals zeigt sich Rotter zufrieden: "Wir gewinnen Spiele, haben die wenigsten Gegentore. Unser System hat sich bewährt." Und dieses ist durchaus für den Alltag umzumünzen: Nicht der Einzelne steht im Vordergrund, sondern das Kollektiv.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren