Im Leben von Thomas Stenitzer gab es vor 16 Jahren eine große Veränderung. Seine Tochter Sina wurde mit schweren Behinderungen geboren. Sie kann zum Beispiel nicht selber atmen. Sina konnte erst nach 2 Jahren aus dem Krankenhaus nach Hause. 

Stenitzer hatte zu dieser Zeit eine eigene Firma. Er hörte dann aber auf zu arbeiten, um seine Frau zu unterstützen. Er hat Wirtschaft studiert und arbeitete 10 Jahre im internationalen Verkauf. Jetzt arbeitet er mit Menschen mit Behinderung. Stenitzer sagt: „Man muss den Ist-Zustand akzeptieren, aufhören zu jammern und nach neuen Perspektiven suchen." Er meint, man darf nie aufgeben und sein Ziel aus den Augen verlieren.

Tagung zur Inklusion

Er unterrichtet an der Fach-Hochschule und organisierte mit ihr die erste große internationale Tagung zur Inklusion. Stenitzer unterrichtet Berufs-Ethik für Sozial-Berufe an der Fach-Hochschule Kärnten. Unter Inklusion versteht man, wenn alle Menschen an der Gesellschaft teilhaben können und keiner ausgeschlossen wird. Ethik ist die Wissenschaft des menschlichen Handelns. Unter Sozial-Beruf versteht man einen Fach-Beruf im Sozial-Bereich. Zum Beispiel die Arbeit mit Menschen mit Behinderung.

Viele Pläne

Stenitzer unterstützt das Land Kärnten bei der Umsetzung des Landes-Etappen-Plans für die UN Behindertenrechts-Konvention. Unter Etappen-Plan versteht man einen Plan mit gewissen Zielen in einer gewissen Zeit. Die UN Behindertenrechts-Konvention setzt sich für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft ein. 

Neue Ideen

Mit seinem Verein "Inkluenza" will Stenitzer stärker zur Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben beitragen. „Ich suche neue Wege und Lösungen, damit Menschen, die Beatmung brauchen wie Sina, mit spezieller Betreuung in Wohngemeinschaften ein selbstbestimmtes Leben führen, studieren und arbeiten können." Das sagt der Lobbyist. Er sieht den Sozial-Bereich als Geschäft, das neue Ideen braucht. Ein Lobbyist vertritt die Interessen von bestimmten Gruppen. Zum Beispiel von Menschen mit Behinderungen.

Schwierige Aufgabe

Das eigenständige Wohnen mit hohem Assistenz-Bedarf ist schwierig.
Es gibt Haftungs-Fragen und vorgeschriebene Pflege-Standards. Unter Assistenz-Bedarf versteht man, wie viel Unterstützung jemand braucht. Es gibt viele Fragen, die beantwortet werden müssen. Zum Beispiel: wer die Verantwortung für die Wohnung übernimmt und wie die Vorgaben in der Pflege sind. „Die Unterstützenden müssen noch nicht so hoch qualifiziert sein, sondern für die spezielle Situation angelernt und trainiert werden." Das sagt Stenitzer. Das bedeutet, dass die Arbeits-Kräfte für besondere Situationen in der Pflege ausgebildet werden sollen. Sie müssen aber noch keine Experten sein. Ein Experte ist eine Person, die sich zu einem bestimmten Thema sehr gut auskennt.

Zusammenarbeit notwendig

In der Arbeits-Vermittlung für Menschen mit Behinderung gibt es Lücken. Das weiß Stenitzer. Stenitzer will deshalb in diesem Jahr eine Beratungs-Plattform aufbauen. Dort sollen gemeinsam mit Institutionen und Netzwerken Arbeit für Menschen mit Behinderung gefunden werden. Das heißt, verschiedene Gruppen arbeiten zusammen, um Menschen mit Behinderungen zu unterstützen. Unter Institution versteht man eine Einrichtung für eine Gruppe von Personen.

Gratis Beratungs-Tag

Mit seiner Tochter führt er 2-mal in der Woche ein Papa-Tochter-Gespräch. Jetzt lernt Sina den Lehr-Stoff der Handels-Akademie (HAK) mit einem Computer mit Augen-Steuerung. Dieser Computer hilft Menschen mit Behinderungen beim Schreiben oder Lesen. „Für ein selbstbestimmtes Leben muss man Spieler sein und nicht der Ball, der hin- und hergeschubst wird“, sagt Stenitzer.

Mit seinem Verein „Inkluenza“ will er einen gratis Beratungs-Tag für Angehörige machen. Der Beratungs-Tag soll 1-mal im Monat stattfinden. Auch „Helfer-Konferenzen“ sollen stattfinden. Hier treten Institutionen und Menschen gemeinsam auf, um Menschen mit Behinderungen zu unterstützen. Er selbst führt gerne Gespräche mit interessanten Menschen, die eigene Wege gehen. Stenitzer will seinen Weg weitergehen und Inklusion ermöglichen. Sein Motto ist: „Mitmachen und nicht wegschauen.“