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Wie sehen Pflegeheime zukünftig aus?

Wie wird Technologie künftig Heime verändern? Können Roboter überhaupt Pfleger ersetzen? Hilfe braucht die Branche aktuell vor allem personell. Aber auch dabei soll die Digitalisierung bald von Nutzen sein.

Pflegeroboter sollen den Arbeitsalltag der Branche erleichtern © (c) M.Dörr & M.Frommherz - stock.adobe.com (Miriam Doerr & Martin Frommherz)
 

Menschlich aussehende Roboter, die die Pflege alter Menschen übernehmen? Dieses Szenario war Thema auf der Messe „Altenpflege 2018“, die vom 6. bis 8. März auf dem Messegelände Hannover stattfand. Für Veranstalter Lukas Sander vom Vincentz-Verlag gehört diese Prognose jedoch in den Bereich der Science-Fiction. „Ein Roboter kann nie einen Menschen im persönlichen Umgang ersetzen“, schilderte er.

Fakt ist jedoch, dass die Anpassung der Familienbeihilfe von in Österreich arbeitenden Pflegekräften schon bald einen Mangel an Arbeitskräften bedeuten könnte. Rund ein Drittel gab bei einer Studie an, dann nicht mehr in Österreich arbeiten zu wollen oder zu können. In Österreich arbeiten laut der Organisation rund 65.000 Personenbetreuerinnen, die meist aus benachbarten EU-Ländern in Osteuropa kommen.

Genau aus Gründen wie diesen wird deshalb bereits jetzt an Robotern geforscht, um älteren Menschen einfache Handgriffe abzunehmen. Wie man auf der Hannoverschen Altenpflege-Messe erfahren konnte, ist es auch nicht abwegig, dass im Keller von großen Einrichtungen Roboter umherflitzen und Wäsche waschen. Vor allem in Japan werden Roboter für die Betreuung oder Unterhaltung genutzt. Die Vorbehalte in Deutschland seien groß, praktische Erfahrungen zeigten aber, dass Roboter in Altenheimen gut angenommen werden.

Auf der Messe
vorgestellt wurde auch „Pepper“. Er kann Pantomime
spielen, High Five geben und Witzereißen. Wenn man dem 1,20 Metergroßen Roboter mit dem kindlichenGesicht über den Kopf streichelt, fängt er an zu kichern und spricht: „Ich bin heute so kitzelig.“ Die Digitalisierung der Branche beginnt aber natürlich schon bei viel kleineren Details: etwa durch Software, die den Pflegekräften bei der Organisation ihrer Arbeit hilft und so mehr Zeit für den Kontakt zum alten Menschen schafft. So kann das Smartphone zum Beispiel helfen, noch im Bewohnerzimmer schnell neue Pflegemittel zu bestellen oder bei der ambulanten Pflege die Navigation zu unterstützen.

Auch die mobile Krankenakte auf dem Handy ist eine Erneuerung.
Auf der Messe präsentierten sich auch Start-ups wie „Healthcare consulting“. Die Software der Firma funktioniert auf Amazons Echo – ein sprachgesteuerter, internetbasierter Assistent für den Hausgebrauch, auch als „Alexa“ bekannt. Diese Software kann älteren Menschen zu Hause helfen. Das Programm erinnert mündlich an die Einnahme von Medikamenten oder an Termine, kann Vitalwerte erfassen und warnt Angehörige per E-Mail, wenn Betreute etwas vergessen haben.

Ebenfalls auf der Messe vertreten war das interaktive Therapiewerkzeug „ichó“. Dabei handelt es sich um einen multimedialen Ball, der auf Einflüsse wie Druck, Streicheln oder Fangen mit leuchtenden Farben oder Klängen reagiert. Der Ball wurde entwickelt, um bei Demenz zu helfen, Motorik und kognitive Fähigkeiten zu fördern. Können diese technischen Hilfsmittel am Ende den Pflegenotstand beseitigen? Alleine bestimmt nicht, da hat dann vor allem die Politik noch ein gehöriges Wörtchen mitzureden.

JAPAN ALS VORREITER

Die Regierung in Tokio will, dass der Markt für Pflegeroboter wächst. Von vermutlich gut zehn Milliarden Yen (das entspricht etwa 81 Millionen Euro) im Jahr 2013 auf 260 Milliarden Yen im Jahr 2030. Mit staatlichen Fördermitteln werden Krankenbetten gebaut, die sich in einen Rollstuhl verwandeln können, sowie intelligente Stützen als Hilfe zum Aufstehen.

Statt teure Therapiehunde auszubilden, gibt es bereits jetzt humanoide Therapieroboter, die Demenzpatienten bei Laune halten. Auch gegen die Einsamkeit im Alter wurden schon Zärtlichkeit spendende Maschinenmännchen entworfen. Das macht Japan zur weltweit führenden Nation in der Assistenzrobotik. Die Verheißungen sind zwar groß, aber die Liste der Niederlagen ist auch lang.

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