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Burnout in der PflegeWenn das Pflegen zuhause krank macht

Zwei Drittel der pflegenden Angehörigen fühlen sich zeitweise oder fast immer überbelastet. Die Psychologin und Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen Beate Wimmer-Puchinger über den Zustand des Ausgebranntseins und Hilfe in der Krise.

Die Belastung der Pfleger steigt mit der Pflegestufe an. Gerade Menschen mit einer schwierigen Beziehung zur Pflegeperson sind gefährdet © (c) WavebreakmediaMicro - stock.adob
 

Wieviel Prozent der pflegenden Angehörigen sind von Burnout betroffen?
Wimmer-Puchinger: Festzustellen ist, dass sowohl professionelle als auch häusliche Pflege weiblich ist. 80,8 Prozent der pflegenden Angehörigen sind Frauen. Davon sind 31,3 Prozent im Alter zwischen 51 und 60 Jahren. Darin liegt auch das Problem: Sich um die anderen sorgen und dabei zu wenig auf sich selbst zu achten, ist ein klassisches weibliches Verhalten. Aus internationalen Studien wissen wir, dass Pflege und Übernahme von viel Verantwortung krank macht.

Wann ist ein pflegender Angehöriger besonders gefährdet?
Es besteht ein hochsignifikanter Zusammenhang zwischen ansteigender Pflegegeldstufe und der körperlichen Belastung. 84 Prozent jener Personen, die ihre Angehörigen mit einer Pflegegeldstufe sieben betreuen, haben körperliche Beschwerden. Aber bereits bei Pflegestufe eins erleben 72 Prozent psychische Belastungssymptome.
Der Hauptbelastungsfaktor ist die hohe zeitliche Beanspruchung. Gefährdet sind zudem mehr jene Menschen, die in der Vergangenheit eine konfliktreiche und belastende Beziehung zu der zu pflegenden Person hatten. Vor allem bei einer schwierigen Tochter-Mutter-Beziehung ist die Gefährdung groß.

Wie äußert sich ein Burn-out?
Untersuchungen zeigen, dass ein erstes Anzeichen eine innere Resignation sein kann,  die sich durch eine negative, abweisende und aggressive Grundhaltung äußert. Weitere Anzeichen sind etwa emotionale Erschöpfung, chronische Müdigkeit, Schuldgefühle, das Gefühl von Ohnmacht und fehlender Anerkennung und Überforderung.

Auch professionelle Pfleger sind stark burn-out-gefährdet Foto © (c) Kzenon - stock.adobe.com (Kzenon)
Hat ein Burn-out Auswirkungen auf das Verhältnis zum Pflegefall?
Mit Sicherheit. Zum einen entstehen zunehmende Hilflosigkeit, zum anderen aber auch aggressive Impulse. Besonders belastend ist die Betreuung von Angehörigen mit Demenz oder Alzheimer. Hier fehlt es an positiver Rückmeldung.
Ein großer Gefahrenherd ist körperliche und seelische Gewalt – in beiden Richtungen! Problematik ist dabei, dass es stark tabuisiert ist, im Verborgenen passiert und daher Hilfestellung nur sehr schwer möglich ist.

Was soll man tun, wenn man merkt, dass man gefährdet ist?
Oberstes Gebot ist hier, sich die Überforderung einzugestehen und sich familiäre oder professionelle Hilfe und Entlastung zu holen. Zum Glück gibt es mittlerweile viele Angebote speziell für pflegende Angehörige in Krisensituationen, die in Anspruch genommen werden können, so haben pflegende Angehörige auch ein Recht auf Reha. Hilfreich ist jedenfalls regelmäßige körperliche Betätigung im Freien und generell auf sein eigenes Wohlbefinden und Lebensfreude zu achten.

„Der Hauptbelastungsfaktor ist hohe zeitliche Beanspruchung“.

Beate Wimmer-Puchinger, Psychologin, Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen

Was würden Sie empfehlen, um ein Burn-out generell zu vermeiden?
Zum Beispiel regelmäßig persönliche Beratung über aktuelle Neuerungen, etwa durch diplomierte Sozialbetreuer und Betreuerinnen im Alten- beziehungsweise Behindertenbereich in Anspruch zu nehmen. Auch die Angebote von Veranstaltungen und soziale Netzwerke sollten genutzt werden.

Help-Line des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen,
Tel. (01) 504 8000

SozialTelefon, Bürgerservice des Sozialministeriums
Montag bis Freitag von
8 bis 16 Uhr erreichbar,
Tel. (0800) 20 16 11,
Fax (01) 71100 14266,
sozialtelefon@bmsk.gv.at

Pflegetelefon,
Tel. (0800) 20 16 22,
Montag bis Freitag von
8 bis 16 Uhr erreichbar
Pflegeombudsmann
Dr. Werner Vogt
pflegetelefon@bmsk.gv.at,
jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr erreichbar

www.pflegedaheim.at

www.sozialministeriumservice.at, unter Finanzielles, Pflegeunterstützung und Pflegende Angehörige

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