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PodcastWenn der Tod dem Weltuntergang zuvorkommt

Australien, 1989. Ein Weststeirer will mit einem jungen Paar, das sich auf ein atomares Endzeitszenario vorbereitet, in See stechen. Zu dritt verlassen sie die Stadt Cairns, doch bald befindet sich nur noch eine Person auf dem Schiff. Um diesen filmereifen Fall geht es in unserer neuen Delikt-Folge.

© kk
 

Hätte es damals schon Netflix & Co. gegeben, wären wohl mehrere Staffeln aus dieser „True Crime“-Story entstanden. Einer Story, die alle Zutaten für einen packenden Kriminalfall hat: eine exotische Destination, ein junges Trio auf einer Jacht, ein verschwundenes und nie wieder aufgetauchtes Pärchen, eine Mordanklage gegen den auf dem Schiff Verhafteten, kein Geständnis, keine Leichen, dennoch eine Verurteilung – und unterfüttert ist diese unglaubliche Geschichte mit einer wirren Weltuntergangstheorie.

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Aber zurück zum Kriminalfall. All das oben Geschilderte ist tatsächlich so passiert, hat jahrelang für Schlagzeilen gesorgt – und die Kleine Zeitung war besonders nahe dran am Geschehen, denn der Ausgangspunkt dieser „tropischen Agatha-Christie-Story“, wie eine Schlagzeile damals lautete, war die Steiermark. Von dort aus ist der damals 23 Jahre alte Tischler Manfred Weißensteiner im Jahr 1989 nach Australien aufgebrochen, um das große Abenteuer zu erleben.

In Cairns traf er auf den Salzburger Hartwig Bayerl und dessen englische Freundin Susan Zack. Bayerl – Zack war zu diesem Zeitpunkt schwanger – war felsenfest von einem nahenden Dritten Weltkrieg überzeugt, auf der Jacht „Immanuel“ wollte man der drohenden Apokalypse entgehen. Ende 1990 segelte das Trio in Richtung Marshallinseln davon – doch dort kam später nur Weißensteiner an.

Was ist passiert?

Was auf offener See tatsächlich passiert ist – ein Verbrechen, ein Unglück, ein Unfall? –, steht bis heute nicht fest. Manfred Weißensteiner wurde jedenfalls verhaftet und wegen Doppelmordes angeklagt. Während der Vernehmungen hat er sich immer wieder in Widersprüche verwickelt, verschiedene Versionen des Geschehens präsentiert, doch stets seine Unschuld beteuert. Leichen wurden nie gefunden, auch keine eindeutigen Spuren auf der Jacht. Beim Prozess schwieg der Steirer (siehe auch Geschichte links), wurde vom Schwurgericht für schuldig gesprochen und zu zwei Mal lebenslanger Haft verurteilt.

Ein Mordopfer, das lebt?

Bereits damals tauchten erste Vermutungen auf, dass vor allem Hartwig Bayerl noch am Leben sein könnte. Und tatsächlich wurde 1990 in Salzburg ein Mann gesehen und auch fotografiert, der Bayerl zum Verwechseln ähnlich sah. Die Kleine Zeitung ließ von Experten eine Gesichtsvermessung durchführen, die ebenfalls ergab, dass dieser Mann das vermeintliche Mordopfer sein könnte. Auch die Interpol nahm wieder Ermittlungen auf. Doch die Spur verlief im Sande, und später stellte sich heraus, dass es sich beim Fotografierten doch nicht um Bayerl, sondern einen portugiesischen Staatsbürger handelte, der mit dem Fall nichts zu tun hatte.


Manfred Weißensteiner saß währenddessen in Australien im Gefängnis. Unschuldig, wie er stets betonte. Die Jahre vergingen, der Fall geriet langsam in Vergessenheit. Doch dann, am 3. Juli 2004, nach 14 Jahren Haft, wurde Manfred Weißensteiner, inzwischen 38 Jahre alt, plötzlich und für viele völlig unerwartet entlassen und nach Österreich abgeschoben. Er habe seine Strafe verbüßt, hieß es.

Christine Weißensteiner, die Mutter, sagt zur Kleinen Zeitung, dass es ihrem Sohn gut gehe und er öfter auf Besuch nach Hause komme. Ob sie mit ihm jemals über das Geschehene gesprochen habe? „Nein, das will er nicht.“ Nachsatz: „Und ich auch nicht.“

Kommentare (1)
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UHBP
2
1
Lesenswert?

Wie kann jemand verurteilt werden,

der, vielleicht sogar eidesstattlich erklärt, dass er unschuldig ist?
Also in Österreich hätte es da sicher keine Untersuchung gegeben. Und wenn doch, wäre die StA sicher dafür von bestimmten Politikern gerügt worden.