delikt 12.500 Opfer: Wie die Gier blendete

12.500 Opfer, fast eine halbe Milliarde Euro Schaden. Wie Wolfgang Auer-Welsbach, "der Wolfi von Krumpendorf", das größte Pyramidensystem Österreichs aufbaute, wie sich selbst Finanzprofis blenden ließen und wie alles zusammenstürzte.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Im Juli 2007, als dieses Foto entstand, galt "der Wolfi von Krumpendorf" noch als vertrauenswürdiges Finanzgenie... © GERT EGGENBERGER
 

Im neuesten delikt-Fall gehen wir zurück in die frühen 2000er-Jahre. Mit einem letztendlich leeren Versprechen von schnellem Reichtum werden am Ende 12.500 Opfer um insgesamt fast eine halbe Milliarde Euro betrogen – viele davon um ihr gesamtes Erspartes. Aber von Anfang an: Es herrscht Goldgräberstimmung: "Ich bin ja nicht, dumm, dass ich arbeiten geh'" – viele ließen lieber ihr Geld für sich arbeiten. Oder dachten zumindest, dass es das täte.

Wir befinden uns in Kärnten, in Krumpendorf, um genau zu sein. Da hat Wolfgang Auer-Welsbach (ein Urenkel des berühmten Chemikers Carl Auer von Welsbach, dessen Nachnamen er wohl aus Marketingzwecken annahm) sein repräsentatives Anwesen. Von dort aus hat er scheinbar den Bullen des Finanzbooms an den Hörnern gepackt. Mit seinen Firmen schafft er es, abertausende Österreicher zum Investieren zu bewegen. Über Jahre kann er das unglaubliche Versprechen von konstanten "risikofreien" 13 Prozent Zinsen einhalten.

Wie das möglich ist, versteht niemand wirklich, aber das ist ja auch nicht so wichtig – solange der Rubel rollt ... "Der Wolfi von Krumpendorf" weiß schon, was er macht. Er gewinnt das Vertrauen, nicht nur von Kleinanlegern, auch ein späterer Finanzminister und eine Ski-Ikone werden am Ende zu den 12.500 Geschädigten zählen. Wohl nicht naiv, aber geblendet von der Aussicht auf immer mehr. 

Hinter den Kulissen baut Auer-Welsbach ein Pyramidensystem ungeahnten Ausmaßes auf. Unterstützt wird er auch von der Steiermark aus: Hans Linz wird später als der "Madoff vom Grimming" bezeichnet werden. Nur durch weitere Investoren bleibt das System am Laufen.

Doch dann ein Schicksalsschlag: "AvW" muss ins Krankenhaus. Ein Prokurist übernimmt seine Agenden und beginnt auf eigene Faust mit Aktien zu jonglieren. Während die Gier von vielen das System Auer-Welsbachs zu seiner Größe gebracht hat, war es die Gier eines Einzelnen, die es letztendlich zum Einsturz brachte: Die Aktiendeals des Prokuristen scheiterten. Ermittlungen begannen, das Vertrauen war weg, dem gigantischen Kartenhaus damit die Basis entrissen. 

DELIKT HÖREN UND ABONNIEREN

Diese und alle weiteren Folgen unseres Kriminalpodcasts können Sie hier und auf allen entsprechenden Plattformen kostenlos hören. Abonnieren Sie den Podcast um keine neue Folge zu verpassen! 

Apple Podcasts

Google Podcasts

Spotify

Amazon Music

Investoren konnten nicht mehr ausbezahlt werden. Es begann ein erbitterter Kampf um ums Geld, eine Welle an Prozessen. Zurück blieben nicht nur geschädigte Großanleger, sondern auch zerstörte Existenzen und zerrissene Familien. Gekeilt wurde nämlich auch oft im privaten Umfeld.    

Thomas Cik (rechts) im Podcast-Gespräch mit David Knes Foto © kk

Erst als ihm das Wasser bis zum Hals stand, gestand Wolfgang Auer-Welsbach – vermeintliches Finanzgenie, als "zwischen despotisch und chaotischer" Firmenchef beschrieben – einen der größten Betrugsfälle in der Geschichte Österreichs. Er ging als gebrochener Mann ins Gefängnis, blieb dort aber kein Kind von Traurigkeit. Nach nur sechs Jahren war er wieder auf freiem Fuß – zweieinhalb Jahre früher, als vom Urteil vorgesehen. Ob die anfängliche Einsicht in der Haft von Dauer war, kann bezweifelt werden.

Mit Thomas Cik und David Knes. 

Kommentare (8)
Peterkarl Moscher
0
26
Lesenswert?

Wahrheit tut weh !

Und heute lacht er sich einen Ast der Herr Von.........., geparktes Geld ist sicher gut
angelegt verfügbar !!!

Bond
2
28
Lesenswert?

Sehr informativ

Spannend. spannend. Ich wusste gar nicht, dass auch Herr Spindelegger AvW- Genussscheinbesitzer war. Es dürfe aber nicht die einzige Fehlentscheidung des Kurz-Erfinders gewesen sein.
Die handelnden Personen sowie der der familiäre Hintergrund waren immer schon - nennen wir es - verhaltensauffällig. Es gibt Geschichten, die würde man nicht glauben, hätte man sie nicht selbst erlebt. Wer mit den fast schon legendären Auftritten der Entourage vertraut war, hätte nie einen Euro in diese Leute investiert.

joe1406
9
30
Lesenswert?

Und hat man was daraus gelernt?

Schauen wir mal in die Politik - das sind die "Blender" immer jene die Wahlen gewinnen. Die Abrechnung kommt später - aber da ist der Schaden schon angerichtet. Unterschied: ins Gefängnis muss keiner. Der vierte Corona-Lockdown, den man mit etwas Intelligenz verhidnern hätte können, kostet ein vielfaches was beim Wolfi vom Wörthersee verloren ging. Und den Lockdown zahlen wir alle - und haben zudem keine Mitschuld, wie die Anleger bei AVW, die der eigenen Gier zum Opfer gefallen sind.

jonny 123 at
11
3
Lesenswert?

joe1406

etwas Intelligenz verhidnern was ist das hast vergessen die zu erklären

lombok
0
13
Lesenswert?

Jonny123

Wie bitte? Ich versteh Ihre Worte nicht. Bitte etwas mehr deutsch, inkl. Satzzeichen!

Horstreinhard
12
35
Lesenswert?

Die Schuld liegt bei den Ignoranten, die sich nicht impfen und sich nicht

an die einfachsten Hygiene- und Anstandsregeln halten. Aber es ist einfacher, die Schuld jemand anderem zu geben.

Irgendeiner
0
2
Lesenswert?

Die Schuld liegt darin, daß einer Delta

reinließ,die Daten der Variante waren schon vorab bekannt und ich hatte es hier gesagt,Und derselbe hat seinen Gesundheitsminister der Mutationen nicht wie er für einen Softdrink oder eine neue Art Eislutscher hielt in Tirol im Regen stehengelassen und weitergelogen, die Pandemie sei vorbei.Und dann hat er als es brannte noch versucht via Schallenberg den Lockdown abzuwürgen
und ich mag keine Geschichtsklitterung.Und die Ungeimpften sind nicht klug,aber sie entscheiden gegen eigene Interessen,Basti lügt für die seinen.

wischi_waschi
31
6
Lesenswert?

Horstreinhard

Zuviel von der Impfung abbekommen........
Schuld ist die Politik und nicht die Impfverweigerrer!!!!!!!!