Podcast zum Krieg in Slowenien "Da oben sind sie schon!"

Peter Kimeswenger war Kriegsberichterstatter im Zehntagekrieg und erlebte diese einschneidenden historischen Tage mitten im Krisenherd. Im Podcast spricht er mit David Knes über seine persönliche Verbindung zu Slowenien, gefährliche, bewegende und unvergessliche Momente. Teil 3 unserer Podcast-Serie zum Krieg in Slowenien.

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Peter Kimeswenger
Peter Kimeswenger berichtete vom 10-Tage-Krieg aus Slowenien für die Kleine Zeitung. © Helmuth Weichselbraun
 

Der Abend des 26. Juni 1991 war noch von großer Freude über die eben erklärte slowenische Unabhängigkeit geprägt. Doch nur wenige Stunden nach dem auch international prominent besetzen Fest zu diesem Anlass,  machten Gerüchte die Runde, dass sich jugoslawische Panzer auf den Weg nach Laibach machten. Tatsächlich: Im Morgengrauen haben jugoslawische Panzer die Stadtgrenze erreicht.

Da bekam Peter Kimeswenger einen Anruf aus der Redaktion: "Kimi mach dich fertig, du musst nach Laibach fahren." Mit dem Fotograf Gert Eggenberger machte er sich auf den Weg. Der Loibltunnel war bereits gesperrt. Zöllner erkannten aber Kimeswenger als Journalisten und winkten ihn durch. Auf der anderen Seite zeigte sich ein Bild, dass sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt hatte. 

Ein besonderer Moment der Berichterstattung vom Krieg: Ein Angehöriger der slowenischen Territorialverteidigung und ein Soldat der jugoslawischen Volksarmee reichen sich die Hand. Foto © Gert Eggenberger

Einige Fotos später riet ein slowenischer Polizist den beiden umzukehren und warnte: "Da oben sind sie schon!", er meinte damit Angehörige der jugoslawischen Volksarmee, deutete auf den Wald über der Tunnelröhre. Jede Minute könne es mit einem Feuergefecht losgehen. 

Kimeswenger und Eggenberger kehrten um um wenig später Zeugen der ersten Feuergefechte am Seebergsattel zu werden. Das erste Mal in seinem Leben wurde er Augenzeuge einer bewaffneten Auseinandersetzung, musste hinter Bäumen bis zum Nachmittag Schutz suchen. 

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Diese Szenen sollten erst der Beginn eines Einsatzes für Kimeswenger sein, der ihn ob seiner persönlichen Verbindung zur Republik Slowenien sehr bewegt und bis heute geprägt hatte. In einem sehr persönlichem Gespräch lässt Peter Kimeswenger seine Erlebnisse während dieser ereignisreichen Zeit Revue passieren.   

Teil 1 und 2 unserer Podcast-Serie zum Krieg in Slowenien

Teil 1: Anton Novak, Generalkonsul der Republik Slowenien in Klagenfurt, blickt im Podcast-Gespräch mit Thomas Cik zurück auf die Jahre des Zerfalls des Vielvölkerstaats Jugoslawiens und den 10-Tage-Krieg. „Wir hätten nie damit gerechnet, dass es wirklich zu Kämpfen kommen wird“, sagt der Diplomat im Rückblick. 

Teil 2: Gunther Spath, ehemaliger Kärntner Militärkommandant, beobachtete als einer der Strategen und Taktiker des Österreichischen Bundesheers den Zerfall des Nachbarlands Jugoslawien. Im Podcast-Gespräch mit Thomas Cik berichtet er vom bewaffneten Einsatz des Heeres in Südkärnten und kritisiert auch die aktuelle Verteidigungspolitik scharf.

 

Kommentare (1)
schteirischprovessa
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Lesenswert?

Ich war am Tag davor, dem 25.6. geschäftlich in Slowenien.

Wir haben uns mit den damals noch jugoslawischen Partnern in der Nähe von Goriza getroffen, um bei Ausbruch eines Krieges rasch in Italien sein zu können.
Die Stimmung unserer slowenischen Partner werde ich nie vergessen, einerseits die Hoffnung auf Freiheit und andererseits die Besorgnis und Angst vor einer bewaffneten Auseinandersetzung.
Auch an der Grenze zu Italien war die erhöhte Präsenz des serbischen Militärs nicht zu übersehen.
Drei Tage später hat der Fahrer unseres Frächters erzählt, dass er den Sattelzug in einem aufgelassenen Steinbruch abgestellt hat, damit er nicht als Straßensperre verwendet wird und möglicherweise von serbischen Panzern zerschossen wird.
Selbst hat er sich unversehrt bis zur Grenze durchschlagen können.