OMBUDSMANNWitwe bekam kein Geld von der Versicherung

Ein Mann starb bei einem Unfall mit dem Motorrad. Warum die Versicherung trotz der tragischen Umstände nicht zahlen muss, erklärt der Versicherungsexperte.

Zum seelischen Schmerz kommt der finanzielle Verlust!
Zum seelischen Schmerz kommt der finanzielle Verlust! © Illustration: Sinisa Pismestrovic
 

"Ich möchte Sie um Hilfe bitten!“, wandte sich eine verzweifelte Frau an den Ombudsmann: „Mein Mann verstarb durch einen Motorradunfall. Er hatte seit 2005 eine Unfallversicherung, aber diese weigert sich, die Versicherungssumme auszuzahlen. Könnten Sie bitte die Spitalsbefunde und die anderen Unterlagen noch einmal überprüfen?“

Wir baten den versierten Versicherungsexperten, Reinhard Jesenitschnig, den Fall und vor allem die Ablehnungsgründe genau unter die Lupe zu nehmen und dieser kam zu einem für unsere Leserin, die das Geld nach dem schweren Schicksalsschlag dringend benötigt hätte, leider sehr traurigen Ergebnis: „Aufgrund der vorliegenden Unterlagen, insbesondere des Obduktionsberichtes, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass hier zwar ein Unfallereignis nach den Versicherungsbedingungen vorliegt, aber der Tod nicht durch das Unfallereignis eingetreten ist. Dies wurde im Aktengutachten, welches auf dem Obduktionsergebnis fußt, richtig zusammengefasst!“, stellte der Experte fest.

Herz war geschädigt

Beim Mann unserer Leserin habe demnach seit Längerem eine Schädigung der koronaren Gefäße bestanden, welche zum Herzversagen führte. Der obduzierende Arzt habe einen Herzinfarkt vermutet, welcher aber aufgrund des kurz danach eingetretenen Todes nicht mit Sicherheit diagnostiziert werden konnte. Mit Sicherheit sei aber im Bericht der Pathologie „Herzinsuffizienz“ (Versagen des Herzmuskels) als Todesursache festgehalten.

„Der Sturz war Folge der Herzinsuffizienz, die beim Sturz erlittenen Verletzungen waren geringer Natur (Abschürfungen, äußerliche Wunde im Augenbereich und Prellungen), die keinesfalls zum Tod geführt hätten“, erklärte Jesenitschnig der Witwe.

Was ist ein Unfall?

In den Versicherungsbedingen sei beschrieben, was als Unfall anerkannt wird. Demnach liege ein solcher vor, „wenn die Mangeldurchblutung des Herzens und seiner Gefäße durch eine Verletzung verursacht wird, die ihre Ursache in einer von außen kommenden mechanischen Einwirkung hat“.

Entscheidend ist die Ursache des Todes

Der Versicherungsexperte Reinhard Jesenitschnig erklärt, wie die Bedingungen in einer Unfallversicherung zu verstehen und auszulegen sind.
In vielen Versicherungsbedingungen, auch in der hier maßgeblichen, gelten auch Unfälle als versichert, die durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall der versicherten Person herbeigeführt werden.
Das heißt: Erleidet eine versicherte Person einen Herzinfarkt, wodurch es als Folge zu einem Unfall kommt, so sind die Auswirkungen des Unfalles im Rahmen der Unfallversicherung gedeckt.
Wenn jemand z. B. während des Lenkens eines Kfz einen Herzinfarkt ohne Todesfolge erleidet, dadurch aber die Beherrschung über das Fahrzeug verliert und gegen einen Baum kracht, so sind die beim Aufprall an den Baum erlittenen Verletzungen als Unfallverletzungen versichert, nicht jedoch der Herzinfarkt selbst.
Bezogen auf den vorliegenden Unfall: Hätte das Herzversagen nicht zum Tod geführt, sondern wäre dieser auf Verletzungen zurückzuführen, die der Fahrer durch den dadurch ausgelösten Sturz erlitten hätte, z. B. Genickbruch oder Verbluten aufgrund innerer Verletzungen, wäre ein Unfalltod im Sinne der Bedingungen vorgelegen. Aber das war hier leider nicht der Fall.

In unserem konkreten Fall sei aber das Herzversagen auf den schlechten Zustand der Gefäße zurückzuführen gewesen und nicht auf einen mechanischen Einfluss von außen! Die Versicherung habe also laut dem Experten die Zahlung zu Recht abgelehnt.

Kommentare (1)

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Rundblick
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Unfallversicherungen!

Sind genau zu prüfen, welche Ausschlussgründe es gibt. Im gegenständlichen Fall war es anscheinend eine Gefässerkrankung, die den Tod verursacht hat. Man könnte aber auch davon ausgehen, dass es durch den Unfall zu phsychischen, nicht mechanischen Einwirkungen gekommen ist und diese den Tod verursachten. Es gibt ja wohl wenige, vielleicht keine Menschen, die nicht eine, dem Alter entsprechende, körperliche Verschleiss- bzw.
Abnützungserscheinung aufweisen.

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