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Ungewissheit in Toronto - Pöltl macht sich "keinen Kopf"

Jakob Pöltl hat in den vergangenen Tagen keine NBA-Spiele geschaut. Zu sehr schmerzt Österreichs Basketball-Star das glatte Aus seiner Toronto Raptors in der zweiten Play-off-Runde gegen die Cleveland Cavaliers (0:4). In den kommenden Wochen gilt es, den Blick wieder nach vorne zu richten. Auf Toronto kommt nach der Trennung von Chefcoach Dwane Casey aber ein Sommer voller Ungewissheiten zu.

© APA (Punz)
 

Die Raptors hatten die reguläre Saison als bestes Team der Eastern Conference beendet, waren ihren Ansprüchen im Play-off aber nicht gerecht geworden. Dem Trainerwechsel könnten auch im Kader tiefgreifende Veränderungen folgen. "Es ist ein bisschen ein komisches Gefühl", sagte Pöltl. "Aber ich schaffe es ganz gut, mir wenig bis keinen Kopf zu machen. Es bringt mir nichts, zu spekulieren, wer nächste Saison da ist und wer nicht."

Er selbst steht noch ein Jahr unter Vertrag. Über eine Teamoption ist Pöltl danach noch eine weitere Spielzeit gebunden. Aber selbst die Zukunftsaktie ist vor einem möglichen Clubwechsel nicht gefeit. "Ich würde gerne in Toronto bleiben", sagte Pöltl. "Wenn der richtige Trade auf dem Tisch liegt, kann aber jeder Spieler getradet werden. So ist das Geschäft." Das gilt auch für die Topstars DeMar DeRozan oder Kyle Lowry.

Sorgen, dass das Erfolgsteam der regulären Saison auseinanderbricht, macht sich Pöltl nicht. Die Mannschaft habe einen guten, funktionierenden Kern. "Es fehlt nur das gewisse Etwas", meinte der 22-Jährige. Die Frage, welchen Spieler er als General Manager verpflichten würde, wollte er nicht beantworten. "Ich bin froh, dass ich nicht die Verantwortung habe, zu analysieren, wer vielleicht noch das fehlende Puzzleteil ist."

Um Casey tut es Pöltl leid, nach zwei Jahren wartet der erste Trainerwechsel seiner NBA-Karriere. "Ich verdanke ihm viel. Er hat mir von Anfang an eine Chance gegeben", sagte der Wiener. "Wir haben uns persönlich gut verstanden und auch mit seiner Basketball-Philosophie war ich auf einem grünen Zweig." Die Saison sei zwar auch sehr gut gewesen. "Im Endeffekt haben wir aber nichts vorzuweisen."

Der Stachel vom Play-off-Aus gegen Superstar LeBron James und seine Cavaliers sitzt eineinhalb Wochen danach noch tief. Spiel hat Pöltl seither keines gesehen. "Ich versuche, so viel wie möglich auszublenden. Es tut schon noch sehr weh." Die Boston Celtics führen gegen Cleveland mittlerweile 2:0. "Sie zeigen das, was wir eigentlich zeigen wollten." In den Play-offs werde noch einmal physischer gespielt. Dazu habe bei Toronto möglicherweise auch die mentale Komponente eine Rolle gespielt.

Auch Pöltl schloss in der K.o.-Phase nicht mehr an seine starken Leistungen aus der regulären Saison (6,9 Punkte, 4,8 Rebounds und 1,2 Blocks pro Spiel) an. "Es waren meine ersten echten Play-offs. Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich ins Rollen gekommen bin", sagte der 2,13-m-Mann. "Ich hätte gerne ein bisschen besser gespielt." Mit der Saison war er alles in allem dennoch zufrieden. "Ich habe mich in meiner Rolle gut zurechtgefunden und in allen Bereichen nach vorne entwickelt."

Diese Entwicklung soll noch lange nicht abgeschlossen sein. "Ich bin noch nicht annähernd dort, wo ich hin will", betonte Pöltl. "Es gibt noch einiges, an dem ich arbeiten muss." Über den Sommer steht weiterhin sein Wurf im Mittelpunkt. Dazu will Pöltl das 1:1-Training gegen kleinere, zum Teil schnellere Gegenspieler forcieren. "Das hilft mir in der Offensive wie in der Defensive."

Mittelfristig will Pöltl auch den Dreipunkter in sein Repertoire bekommen. Im Training fühle er sich damit schon wohl. "Bis ich im Spiel anfange, Dreier zu werfen, ist es ein Prozess." Im modernen Basketball aber ein unerlässlicher. Die nächste Chance auf den ganz großen Wurf gibt es in der neuen Spielzeit, die im Oktober beginnt. Pöltl: "Ich freue mich auf meine dritte Saison und darauf, wieder einen Schritt nach vorne zu machen."

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