Im Studien-Zeitraum gaben mehr als 4.200 oder 5,5 Prozent der Teilnehmer an, dass bei ihnen eine Corona-Infektion festgestellt wurde. Von den Infizierten hatten mehr als 21 Prozent drei bis fünf Monate nach der Ansteckung mindestens ein neues oder ein stark verstärktes Symptom. Allerdings berichteten auch fast neun Prozent der nicht infizierten Teilnehmer von einer ähnlichen Zunahme.

Die Daten deuten nach Angaben der Forscher darauf hin, dass 12,7 Prozent der Corona-Patienten - also etwa jeder Achte - an Langzeit-Beschwerden leiden.

Eine Besonderheit der Studie ist die große nicht infizierte Kontrollgruppe, mit deren Daten die Forscher zwischen echten Corona-Spätfolgen und allgemeinen Auswirkungen der Pandemie unterscheiden konnten. Bei den Infizierten wurden zudem Beschwerden vor und nach der Ansteckung erfasst, sodass die Forscher genau bestimmen konnten, welche Symptome mit dem Coronavirus zusammenhängen. Häufige Long-Covid-Symptome sind demnach Brustschmerzen, Atembeschwerden, Muskelschmerzen, Geschmacks- und Geruchsverlust und allgemeine Erschöpfung.

"Indem wir uns die Symptome bei einer nicht infizierten Kontrollgruppe und bei Menschen sowohl vor als auch nach der SARS-CoV-2-Infektion angeschaut haben, konnten wir auch Symptome berücksichtigen, die möglicherweise auf andere gesundheitliche Aspekte der Pandemie zurückzuführen sind, wie Stress durch Einschränkungen und Ungewissheit", sagte die Autorin Aranka Ballering von der Universität Groningen.

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die Studie neuere Corona-Varianten wie Delta oder Omikron nicht umfasst. Daher liefert sie auch keine Daten zu Symptomen wie Gehirnnebel, die erst seit dem Auftreten der neueren Varianten als häufiges Anzeichen für Long Covid gelten.

Künftige Studien sollten daher auch psychische Symptome wie Depressionen und Angstzustände sowie Aspekte wie Gehirnnebel, Schlaflosigkeit und Erschöpfung selbst nach geringer körperlicher Anstrengung untersuchen, empfahl die Studienautorin Judith Rosmalen.

Die Experten Christopher Brightling und Rachael Evans von der Universität im britischen Leicester, die nicht an der Studie beteiligt waren, lobten die Studie als "großen Fortschritt" gegenüber früheren Studien zu Long Covid. Ermutigend sei, dass "neue Daten aus anderen Studien darauf hinweisen, dass es bei Menschen, die geimpft sind oder mit der Omikron-Variante infiziert waren, eine geringere Long-Covid-Rate gibt", schrieben sie in "The Lancet".