Di Maio kündigte an, eine eigene Fraktion gründen zu wollen, die Gerüchten zufolge "Gemeinsam für die Zukunft" heißen sollte. Die Spaltung der Fünf-Sterne-Bewegung, der stärksten Einzelpartei im Parlament, droht die Regierungskoalition zu schwächen. Die Fünf-Sterne-Bewegung hatte sich zuletzt wiederholt kritisch über Italiens Waffenlieferungen an die Ukraine geäußert. Es wurde sogar über einen möglichen Austritt der Gruppierung aus der Koalition spekuliert, die bei den Teilkommunalwahlen am 12. Juni schlecht abgeschnitten hatte.

"Heute ist eine schwierige Entscheidung gefallen, von der ich nie gedacht hätte, dass ich sie treffen muss (...), aber heute verlassen ich und viele andere Kollegen und Freunde die Fünf-Sterne-Bewegung", sagte der 35-jährige Di Maio. Er hatte die Partei von 2017 bis 2020 geführt und zu dessen Wahlerfolg bei den Parlamentswahlen 2018 beigetragen.

Di Maio, der seit Monaten mit Conte im Streit liegt, gab nicht an, wie viele Abgeordnete der Fünf-Sterne-Bewegung er mitnehmen wird, aber er sagte, dass die Partei infolge der Spaltung nicht mehr die größte Fraktion im Parlament sein wird. Um seine Parlamentariergruppe im Senat und der Abgeordnetenkammer gründen zu können, muss er eine Mindestanzahl an Parlamentariern erreichen. Laut Medienberichten sagten ihm bereits 60 Sterne-Parlamentarier zu.

"Von heute an beginnen wir einen neuen Weg mit Menschen, die sich entschieden haben, in die Zukunft zu blicken", sagte Di Maio in offensichtlicher Anspielung auf den künftigen Namen seiner neuen Fraktion. Di Maio kritisierte seine frühere Partei und nannte sie wegen ihrer Haltung zum Krieg in der Ukraine "unverantwortlich". Die Fünf-Sterne-Bewegung habe "die Regierung in Schwierigkeiten gebracht, nur um ein paar Punkte in den Umfragen zu gewinnen, ohne Erfolg zu haben".

Di Maios Ausstieg nährte Befürchtungen über einen Zerfall der Regierung knapp ein Jahr vor den nächsten Parlamentswahlen. Bei einem Rückzug der Bewegung verlöre Draghi zwar nicht seine Mehrheit, der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank stünde aber nicht mehr einer Koalition der "nationalen Einheit" vor, wie er sie im Februar letzten Jahres vorgestellt hatte. Innerhalb des Regierungslagers hatte es schon seit geraumer Zeit geknirscht. Jüngst hatte auch die rechtspopulistische Lega Kritik am rigorosen Ukraine-Kurs der Regierung Draghi geäußert und sich gegen weitere Waffenlieferungen an Kiew ausgesprochen. Lega-Chef Matteo Salvini kritisierte auch die Migrationspolitik des Kabinetts.

Die Fünf-Sterne-Bewegung, die bei den Wahlen 2018 mit 33 Prozent der Stimmen gesiegt hatte, liegt nun laut jüngsten Umfragen bei weniger als der Hälfte der Stimmen und befindet sich wenige Monate vor dem Ende der Legislaturperiode in völliger Auflösung. Noch unklar sind die Pläne der Partei, die seit dem vergangenen Jahr von Ex-Premier Conte geleitet wird. Dieser hatte Italien von 2018 bis 2021 geführt. Als seine Regierung stürzte, hatte Conte die Führung der Fünf Sterne übernommen, und die Regierung wurde durch ein neues Kabinett um Draghi ersetzt.

Unterdessen stimmten die Senatoren am Dienstag mit großer Mehrheit einer Resolution zu, die die Linie der Regierung in der Ukraine-Krise stützt. Die Fünf-Sterne-Bewegung hatte sich zuvor gegen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen. Draghi lehnte dies ab und verwies auf die Verantwortung Italiens in den internationalen Gremien. Er bedankte sich bei den Senatoren für das Vertrauen.

Kritik kam von den mitregierenden Parteien. "Die Regierung darf sich nicht wegen des Bruchs in der Fünf-Sterne-Bewegung blockieren", twitterte Lega-Chef Salvini. "Für die Regierung wird sich nichts ändern", versicherte Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi von der Splitterpartei Italia Viva im Sender Rai Radio 1. Die Regierung werde nicht kippen.

Durch die Parteineugründung Di Maios und der Mitnahme seiner Unterstützer ändern sich die Verhältnisse im Zwei-Kammern-Parlament. Damit sei die Fünf-Sterne-Bewegung nicht mehr die größte Partei in der größeren Abgeordnetenkammer, sondern die rechte Lega, rechneten die Zeitungen "Corriere della Sera" und "La Stampa" in ihren Mittwochausgaben vor. Im kleineren Senat hätten die beiden Parteien gleich viele Sitze. Abhängig ist das allerdings davon, wie viele Politiker Di Maio in seine neue Partei folgen. Laut Medienberichten sind es für beide Kammern insgesamt mehr als 60.