Gedenken zehn Jahre nach Unglück der "Costa Concordia"

Zum zehnten Jahrestag des Schiffsunglücks der "Costa Concordia" ist am Donnerstag auf der italienischen Mittelmeerinsel Giglio der 32 Opfer gedacht worden. Das fast 300 Meter lange Schiff hatte am Abend des 13. Jänner 2012 einen Felsen gestreift und war zum Teil gesunken. 32 Menschen kamen bei einer der schlimmsten Kreuzfahrt-Katastrophen ums Leben. An Bord befanden sich auch 77 Österreicher, die sich alle retten konnten.

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© APA/AFP
 

Nach einem Gottesdienst in der Kirche der Insel, in der in der Unglücksnacht viele Überlebende Zuflucht gefunden hatten, wurde von Booten aus im Wasser ein Blumenkranz abgelegt. Am Abend ist ein Fackelzug zur Mole vor der Unglücksstelle geplant. Um 21.45 Uhr, dem Zeitpunkt der Kollision der "Costa Concordia" mit dem Felsen, werden die Boote im Hafen ihre Sirenen aufheulen lassen.

An der Gedenkzeremonie beteiligten sich Überlebende, Angehörige der Todesopfer und der damalige Zivilschutzchef Franco Gabrielli, der die Rettungsaktion koordinierte. "Das Drama der Costa Concordia hat uns zutiefst gezeichnet. Zugleich hat diese Tragödie auch unsere Geschwisterlichkeit und Offenheit gegenüber den Überlebenden bewiesen. Nach zehn Jahren blickt die Insel Giglio in die Zukunft, vergisst aber die Todesopfer nicht", erklärte Giglios Bürgermeister Sergio Ortelli, der schon zum Zeitpunkt der Katastrophe im Amt war. Es sei eine Pflicht der Insel, die Erinnerung an die Tragödie wach zu halten. An Bord des Schiffes waren Passagiere aus 54 Ländern.

Am 13. Jänner 2012 hatte Schiffskapitän Francesco Schettino das Kreuzfahrtschiff mit 4.229 Menschen an Bord - 3.216 Passagieren und 1.013 Crewmitgliedern - vor der Insel Giglio gegen einen Felsen gesteuert. Der Rumpf wurde aufgeschlitzt, das Schiff geriet in starke Schräglage und blieb auf einem Felssockel liegen. Schettino wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt, die er im römischen Gefängnis Rebibbia absitzt.

"Das Costa Concordia-Unglück bezeugt, dass es zu tragischen Fehlern kommen kann, aber dass es möglich ist, uns zu rehabilitieren, Fehler zu korrigieren, und dass, wenn die richtigen Synergien zustande kommen, außergewöhnliche Dinge erreicht werden können", sagte Gabrielli, der zum Zeitpunkt der Costa Concordia-Katastrophe Leiter der Abteilung für Katastrophenschutz und dann Beauftragter für Notfälle des Zivilschutzes war. Er bezog sich dabei auf die erfolgreiche Abschleppaktion und das Abwracken der Costa Concordia, die keine Spuren vor der Insel Giglio hinterlassen haben.

An der Gedenkzeremonie beteiligte sich auch Kevin Rebello, Bruder von Russell Rebello, dessen Leiche als letzte geborgen wurde. Erst zwei Jahre nach dem Unglück, als die Abwrackungsarbeiten vor der toskanischen Insel schon voll im Gange waren, wurden die sterblichen Überreste des 33-jährigen indischen Kellners gefunden. Er war ums Leben gekommen, als er in Panik geratenen Kreuzfahrtpassagieren beim Einstieg in die Rettungsschaluppen half.

"Seitdem die Leiche meines Bruders geborgen wurde, war ich nicht mehr auf der Insel Giglio. Doch dieses Jahr - zehn Jahre nach der Tragödie - will ich wieder das Meer sehen, in dem mein Russell sein Leben verloren hat ", berichtete Kevin Rebello, Bruder Russells, der seit Jahren in Mailand lebt.

"Diese zehn Jahren sind so schnell verflogen. Es ist ein seltsames Gefühl für mich, wieder auf der Insel zu sein", erzählte Kevin Rebello. Wochenlang hatte er nach dem Unglück auf Giglio auf die Bergung der Leiche seines Bruders gewartet, die so lange Zeit nicht gefunden wurde. Im März 2012 - zwei Monate nach der Tragödie - verließ Kevin Rebello die Insel und dankte den Bewohner für die Solidarität und konkrete Unterstützung, die er persönlich von ihnen erfahren hatte. Bis November 2014 musste er warten, bevor die Leiche seines Bruders während der Abwrackung des Schiffes gefunden wurde.

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