ÖHB-Frauen ohne Chefcoach gegen die "WM-Unbekannte"

Den Auftakt zur lange ersehnten WM in Spanien haben sich Österreichs Handball-Frauen etwas anders vorgestellt. Weil aber in letzter Minute Corona zuschlug, muss die ÖHB-Auswahl am Donnerstag (18.00 Uhr/live ORF eins) gegen China u.a. auf ihren langjährigen Coach Herbert Müller verzichten. Der warnte schon im Vorfeld davor, die recht unbekannten Chinesinnen zu unterschätzen. "Wir reden hier nicht von Fallobst, das du einfach so wegräumen kannst", erklärte der Deutsche.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
 

Müller, sein Co-Trainer Erwin Gierlinger und Rückraumspielerin Katarina Pandza mussten nach positiven Tests vor dem Abflug in Wien verbleiben. Während Müller sichtlich erkrankt war, hofften die asymptomatischen Gierlinger und Pandza am Mittwoch aber auf einen negativen Test, um doch noch Richtung Torrevieja abheben zu können. Im Fall von Pandza gab es am Abend gute Nachrichten, nach zwei negativen PCR-Tests in den vergangenen 48 Stunden wurde der Verdachtsfall entkräftet, sie reist umgehend zum Nationalteam nach. Ob Pandza am Donnerstag spielberechtigt ist, wird sich erst kurzfristig entscheiden.

Die Mannschaft muss zum Auftakt jedenfalls ohne Müller auskommen, nicht aber ohne die Infos des Trainergespanns. Das schaltete sich am Mittwochvormittag via Zoom zur taktischen Besprechung zu, schließlich traf auch Helfried Müller im Quartier ein. Der Bruder des Chefcoachs, bei Thüringen auch dessen "Co" sowie ÖHB-Juniorinnen-Trainer, wird am Donnerstag gemeinsam mit Sportdirektor Patrick Fölser auf der Bank sitzen. "Wir wollen das für Herbert rocken", betonte Helfried Müller, dessen Truppe dem Aufstieg mit einem Sieg wohl schon sehr nahe kommen würde.

"Es war natürlich ein erster Schock, und gestern auch viel Stress. Aber wir haben uns ganz gut auf die Situation eingestellt", sagte Rückraumroutinier Sonja Frey. "Vielleicht sind wir sogar noch ein bisschen näher zusammengerückt." Der fliegende Wechsel vom einen zum anderen Müller sei angesichts der Lage quasi die Ideallösung: "Es ist schon wichtig, dass wir einen Trainer haben, der uns kennt und dem Herbert vertraut."

Nun also erwartet Frey und Co. im ersten Endrundenspiel seit rund zwölf Jahren "die große Unbekannte", wie Herbert Müller meinte. Die Chinesinnen trainierten zuletzt abgeschottet mit 40 Spielerinnen aus der nationalen Liga, ganz aktuelle Erkenntnisse gibt nicht. Denn die Chinesinnen haben seit der WM 2019 kein Turnier mehr bestritten, wegen Corona zogen sie 2021 sowohl von der Olympia-Qualifikation als auch der Asienmeisterschaft zurück.

"Wir mussten daher mit älterem Videomaterial arbeiten", erläuterte Müller, schließlich verzichtete China auch auf Testspiele in Europa unmittelbar vor der WM. Zahlreiche der WM-2019-Spielerinnen sind aber noch an Bord. Damals landete China nur auf Platz 23, davor stehen bei den jüngsten fünf Weltmeisterschaften die Endränge 22, 17, 18 und 21 zu Buche. "Wir wissen nicht ganz genau, was auf uns zukommt, sie haben auch einen neuen Trainer", gab Frey an.

Frey wie auch Müller wollten ihren Blick aber ohnehin vor allem auf die eigene Mannschaft richten. "Wir müssen die Basics besser machen als die Chinesinnen", sagte der 59-Jährige. "Wir dürfen uns nicht zu sehr an die Mannschaften anpassen. Wir haben gezeigt, dass wir uns an Große anpassen können, aber auch gezeigt, dass wir uns an Kleine anpassen. Wir müssen über Entschlossenheit und Geschlossenheit kommen und besser und mehr kämpfen als alle anderen."

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!