EU und Österreich schotten sich gegen Corona-Variante ab

Österreich und die EU wappnen sich gegen die neue südafrikanische Coronavirus-Variante. Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini werden als Virusvariantengebiete eingestuft und Einreisen aus diesen Ländern grundsätzlich untersagt, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Die Novelle tritt um Mitternacht in Kraft. Flüge aus dem südlichen Afrika sollen gekappt werden, schlug EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor.

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© APA/dpa
 

Zugleich spricht das Außenministerium eine Reisewarnung (Stufe 6) für die sieben afrikanischen Länder aus, teilte Außenminister Michael Linhart (ÖVP) mit. Das Außenministerium warnt somit vor allen touristischen und nicht notwendigen Reisen, einschließlich Urlaubs- und Familienbesuchsreisen in diese Länder.

Österreichische Staatsbürger seien zur Einreise berechtigt, hätten aber besonders strenge Quarantäneregelungen - zehntägige Quarantäne, PCR-Test bei der Einreise, Registrierung - einzuhalten. Zusätzlich werde ein Landeverbot für Flüge aus diesen sieben afrikanischen Ländern verhängt.

Etwa 170 Österreicher und Österreicherinnen sind nach Angaben des Außenministeriums derzeit als Reisende in den sieben afrikanischen Ländern registriert. Sie würden nunmehr SMS und Email erhalten, mit der Aufforderung sich zu melden, wenn sie Hilfe bräuchten, sagte eine Sprecherin von Außenminister Michael Linhart am Freitag gegenüber der APA. Den registrierten Reisenden werde dringend die Heimreise angeraten.

Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) erklärte, die neue Variante gebe Anlass zur Sorge. "Wir reagieren rasch und konsequent." Auch Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) betonte, Österreich reagiere unmittelbar auf die aktuellen Entwicklungen. "Ebenfalls ist es wichtig, dass auch andere Länder in der Europäischen Union hier schnell handeln. "Wir werden daher nicht tatenlos zusehen, sondern handeln jetzt", sagte Linhart.

"Die Kommission wird in enger Abstimmung mit den Mitgliedstaaten vorschlagen, die Notbremse zu aktivieren, um den Flugverkehr aus dem südlichen Afrika aufgrund der besorgniserregenden Variante B.1.1.529 einzustellen", twitterte von der Leyen. Italiens Gesundheitsminister Roberto Speranza schränkte wegen der Coronavirus-Variante per Anordnung die Einreise aus mehreren südafrikanischen Ländern eingeschränkt. Deutschland will Südafrika und eventuell Nachbarländer am Freitag zum Virusvariantengebiet erklären. Die Regelung soll nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus dem Gesundheitsministerium in der Nacht in Kraft treten.

Auch Frankreich verhängt wegen des Aufkommens der neuen Corona-Variante B.1.1.529 ein Landeverbot für Flüge aus dem südlichen Afrika. Dieses gelte ab sofort für wenigstens 48 Stunden, teilte Premierminister Jean Castex am Freitag in Paris mit. Reisende aus Südafrika, Lesotho, Botsuana Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini dürften unabhängig von ihrem Impfstatus für wenigstens 48 Stunden nicht nach Frankreich einreisen. Das weitere Vorgehen werde in den nächsten Stunden auf EU-Ebene beraten. Auch Tschechien und die Niederlande reagierten mit Einreise bzw. Landeverboten.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt wissenschaftlich fundierte Maßnahmen und Risikobewertungen, aber aktuell keine Reisebeschränkungen. WHO-Sprecher Christian Lindmeier sagte am Freitag in Genf, Staaten könnten auch ohne solche Einschränkungen eine Reihe von Maßnahmen ergreifen, um die Ausbreitung von neuen Varianten einzudämmen.

In Asien kündigten Singapur und Indien am Freitag strengere Grenzkontrollen und strengere Corona-Tests an. Die neue Corona-Variante sorgte auch den Börsen für große Verunsicherung. Anleger befürchteten einen neuen Rückschlag für die Weltwirtschaft. Der Dax brach zu Handelsbeginn um 3,4 Prozent auf 15.376 Punkte ein, so stark wie zuletzt vor einem Jahr. Wissenschafter hatten die B.1.1.529-Variante bisher nur in relativ geringer Zahl in Südafrika, Botswana und Hongkong entdeckt, sind aber besorgt über die hohe Zahl von Mutationen bei der Variante, weil es noch offen ist, ob hier die Impfungen noch ausreichend wirken.

Südafrika hatte am Freitag erklärt, ein ebenfalls verhängtes britisches Flugverbot für sechs Länder des südlichen Afrikas wegen der Entdeckung einer neuen Corona-Variante erscheine übereilt, da selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch nicht über die nächsten Schritte beraten habe. Die WHO will in einer Expertenrunde am Mittag über die Variante beraten. Zu den Flugreisebeschränkungen äußerte sich die WHO zunächst nicht.

Die taiwanesische Regierung teilte mit, dass Reisende aus "Hochrisiko"-Ländern des südlichen Afrikas für 14 Tage in staatliche Quarantäneeinrichtungen gehen müssen. Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern erklärte gegenüber Reuters, ihr Land sei auf die neue Variante gut vorbereitet. Anfang dieser Woche hatte Neuseeland erklärt, es werde seine Grenzen ab dem 30. April für vollständig geimpfte internationale Reisende wieder öffnen.

In Japan hat die Regierung eine Verschärfung der Grenzkontrollen für Einreisende aus Südafrika und fünf andere afrikanische Länder beschlossen, wie die Nachrichtenagentur Jiji meldet.

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