"Taliban sind Terroristen"Afghanische Botschafterin will kein Asyl in Österreich

Zunächst wolle sie ihre Arbeit als Botschafterin weitermachen, und für die Zeit danach habe sie schon "ein paar Pläne". Der Asylstatus in Österreich gehöre nicht dazu, obwohl sie Österreich "liebe".

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© APA/HANS PUNZ
 

Die afghanische Botschafterin Manizha Bakhtari will nicht als Flüchtling in Österreich leben. "Ich werde kein Asyl beantragen", sagte Bakhtari am Dienstagabend in der "ZiB2" des ORF.

Zunächst wolle sie ihre Arbeit als Botschafterin weitermachen, und für die Zeit danach habe sie schon "ein paar Pläne". Der Asylstatus in Österreich gehöre nicht dazu, obwohl sie Österreich "liebe". "Ich werde vielleicht als Touristin zurückkommen."

Es gibt so viele Beweise, dass sie Terroristen sind.

Afghanische Botschafterin Manizha Bakhtari

"Ich bin die offizielle Botschafterin von Afghanistan in Wien. Ich repräsentiere die Menschen Afghanistans", betonte die Regimegegnerin. Sie vertrete "Millionen von Menschen, die im Moment keine Stimme haben", sagte die Diplomatin, die diesbezüglich ihre scharfe Kritik an den neuen Machthabern bekräftigte. "Es gibt so viele Beweise, dass sie Terroristen sind", sagte sie. "Ich akzeptiere sie nicht als legitime Regierung." Zurücktreten werde sie daher erst, wenn die Taliban international anerkannt sein werden.

Angesprochen auf die Aussage von Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP), man solle die Taliban an ihren Taten messen, meinte Bakhtari, sie stimme dem zu. Man sollte sie nicht anhand "ihrer netten Worte" beurteilen, sondern anhand ihrer Taten, und diese "bieten uns keine Hoffnung". Die Taliban hätten zwar ihre Strategie geändert, seien aber in ihren Zielen gleich wie vor 20 Jahren.

Die Botschafterin sprach sich trotzdem dafür aus, im Bereich der humanitären Hilfe mit den Taliban zusammenzuarbeiten. "Haben wir eine Wahl? Nein, die haben wir nicht. Wir müssen den Menschen helfen", sagte sie. Die Menschen in Afghanistan benötigten "dringend humanitäre Hilfe und internationale Unterstützung", so Bakhtari, die auch eine Flüchtlingswelle aus dem Land befürchtet.

Für Abschiebestopp

Die frühere Journalistin und Wissenschafterin war wenige Tage vor dem Umsturz in Afghanistan ins Wiener Außenamt zitiert worden, weil sie in einem Radiointerview einen Abschiebestopp nach Afghanistan erbeten hatte. Sie begründete dies mit der massiv verschlechterten Sicherheitslage in dem Land, das ein Abkommen mit der Europäischen Union zur Rücknahme abgelehnter Asylbewerber verpflichtet.

Nehammer empört

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) reagierte empört auf diesen Wunsch, obwohl faktisch schon seit längerem keine Abschiebeflüge in das Land durchgeführt werden können. Die österreichischen Behörden können nicht sagen, wann solche Flüge wieder stattfinden können. Für die von der Regierung ins Spiel gebrachte Abschiebung von Afghanen in Nachbarländer fehlen rechtliche Grundlagen, auch von dem über Medien verbreiteten Angebot der Taliban. Afghanen zurückzunehmen, will man offenbar nicht Gebrauch machen.

Kommentare (9)
future4you
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Wenn ich mich richtig erinnere,

sollte lt. Kickel die Fr. Botschafterin die Einzige aus Afghanistan sein, der man Asyl gewähren sollte. Das glaube ich gerne, dass sie das ablehnt.

Charly911
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Die Fr. Botschafterin

Sollte doch zuerst zu einer Konsolidierung mit ihrer Regierung nach Kabul fliegen,

Charly911
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Selbst ernannte Botschafterin

Das soll wohl ein Witz sein. Die Regierung gibt's nicht mehr und dadurch sollte auch das Mandat der Frau zu Ende sein. Sie könnte ja als private Botschafterin bleiben und alles selbst finanzieren, wenn der Österreichische Staat sich auf so etwas einlassen sollte.?

RonaldMessics
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Haben sie das Interview nicht richtig angehört?

Derzeit wird ihr kein Gehalt überwiesen, aber auch die Amtsenthebung nicht ordentlich durchgeführt, von der selbst eingesetzten Regierung der Talibans.
Ich behaupte hier und jetzt, dass a diese es nicht können, weder formaltechnisch noch rechtlich, weil es diese Funktion im Koran ja nicht gibt.

Zweitens traue ich diesen Terroristen eher zu, dass sie jemanden der den Talibans nahe steht finden, und dass dieser sie mit dem Leben bedroht, denn viel mehr können und kennen die Talibans nicht, außer ihre aggressive Auslegung des Korans zitieren.

goergXV
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???

von was lebt diese Frau und ihre Mitarbeiter in der Botschaft ?
O.K., es wird noch ein paar Reserven geben und was ist, wenn diese aufgebraucht sind ?
Es kommt ja zur Zeit KEIN Geld aus Afghanistan heraus bzw. hinein ...

deCamps
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Keine Frage. Eine doppelbödige oder doppelzüngige Feststellung. Sagen wir eine diplomatische Antwort.

"Zurücktreten werde sie daher erst, wenn die Taliban international anerkannt sein werden." Daher wird sie nicht in Österreich um Asyl ansuchen.
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Wie kann sie als Botschafterin Entscheidungs- und Verantwortungsträger ohne Legitimation und ohne Land Afghanen vertreten? Ein vorsorglich geäußerter Hinweis. Sollte die derzeitige Taliban-Regierung sie abberufen, wird sie nicht Folge leisten. Und wenn nur einige Staaten wie u.a. die islamischen Staaten, China und Russland diese Regierung anerkennen? Was dann?

rubberduck34
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Sie ist offiziell von der anerkannten Regierung in Österreich akkreditiert. Abgesetzt kann sie nur von einer anerkannten Regierung werden. Solange österreich die Taliban nicht als Regierung anerkennen bleibt formal die alte Regierung die anerkannte und sie Botschafterin.
Sprich die Taliban haben keine rechtliche Handhabe auch nur irgendeinen Botschafter irgendwo auf der Welt abzusetzen solange das Gastland die Typen nicht anerkennt (was hoffentlich nie passiert)

deCamps
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Das ist mir bekannt.

Nur ist das bedeutungs- und wertlos. Die Taliban werden verständlicherweise keine der Botschaften finanziell unterstützen. Botschaften sind da, um Angehörige ihres Landes zu unterstützen. Geht nicht. Das ist hier gegenstandslos. Es gibt in Afghanistan keine Regierung und offizielle Vertretung. Der Präsident ist geflüchtet und die gesetzgebende Körperschaft aufgelöst. Also Makulatur.
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In Tatsache und Realität befindet sich dieses Land derzeit im Zustand einer Anarchie. Und es gibt keine Rechtskultur, sondern nur nahezu sprichwörtlich die Scharia. Es wird in den nächsten Jahren keine anerkannte Regierung geben, da das Land derzeit u.a. dezentralisiert von den Stammeshäuptlingen verwaltet wird. Das ist nach unserem Verständnis Anarchie.

rubberduck34
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Das ist komplett nebensächlich das einzige was hier zählt ist das wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen.
Solange Lsterreich die Tsliban nicht als Regierung anerkennt haben die keine Möglichkeit die Botschafterin abzuberufen. Ist aktuell in allen Staaten mit Afghanischen Botschaften so, dass die Diplomaten ihre Arbeit für die anerkannte afghanische Regierung einfach weiterführen.