Scala-Direktor Meyer blickt auf schwierige Saison zurück

"Natürlich war das nicht die einfachste Saison, um anzufangen." Auch für Scala-Direktor Dominique Meyer war die vergangene Corona-Spielzeit eine Herausforderung. So habe er seine ursprüngliche Planung aufgrund der Pandemieentwicklung 14 Mal adaptieren müssen, unterstrich der einstige Staatsopernchef am Dienstag vor Journalisten. Der Vorteil für den seit dem Vorjahr amtierenden Direktor: "Ich habe gesehen, dass die Scala sehr flexibel ist und sehr schnell reagieren kann."

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© APA/AFP
 

Zugleich sei die Wahrnehmung der Coronalage in Mailand eine andere gewesen als in den meisten europäischen Ländern: "Es gibt in dieser Region keine Familie, die nicht betroffen war von Corona. Da ist eine ganze Generation verschwunden."

Finanziell konnte die Scala die vergangene Saison letztlich unbeschadet überstehen - und das trotz 29 Mio. Euro verlorener Karteneinnahmen. Dank Kurzarbeit, einer Vereinbarung mit den Gewerkschaften zur Reduktion der Lohnkosten um 16 Mio. Euro und einer Unterstützung durch den Staat in Höhe von rund 2 Mio. Euro konnte man letztlich mit einem Plus von 0,4 Mio. Euro bilanzieren. Und nicht zuletzt floss Geld von privater Seite. "Wir hatten mit 35 Mio. Euro einen Rekord an Sponsoreneinnahmen", so Meyer. Zugleich strebe er nicht mehr an, mit höheren Ticketeinnahmen das Rennen um die Rekordeinnahmen fortzusetzen. "Ich will dieses Spiel in Mailand gar nicht mehr spielen. [...] Es muss das wahre Publikum der Musikliebhaber zurückkommen können."

Derzeit sind für das Haus noch 50 Prozent Auslastung aus Präventionsgründen vorgeschrieben, er hoffe jedoch auf eine Änderung vonseiten der Politik, betonte Meyer: "Man kann nicht ewig auf die Hälfte der Kosten verzichten." Auch sprach sich der Opernchef gegen eine Beschränkung des Publikums auf Geimpfte und Genesene aus.

In dieser Weise will man die neue Saison bestreiten, die am 7. Dezember mit Verdis "Macbeth" in der Regie von Davide Livermore mit Anna Netrebko eröffnet, und insgesamt 13 Opern umfasst, darunter neun Neuproduktionen. Am 23. Februar sind beispielsweise Valery Gergiev und Regisseur Matthias Hartmann mit Tschaikowskys "Pique Dame" zu erleben, und am 15. Mai ist die Premiere der aus Wien bekannten Bechtolf-Deutung der "Ariadne auf Naxos" von Strauss angesetzt - unter anderen mit Gregor Bloeb als Haushofmeister.

Am 20. Juli gestaltet Filmregisseur Mario Martone einen neuen "Rigoletto", Irina Brook am 7. September 2022 Domenico Cimarosas "Il matrimonio segreto". Und der ebenfalls aus der Staatsoper bekannte "Tempest" von Thomas Adès in der Regie von Robert Lepage wird am 5. November 2022 an der Scala zu erleben sein.

Neuerungen plant man daneben ebenso im technischen Bereich. Auch die Scala soll nun Bildschirme pro Platz erhalten, die Untertitel in acht Sprachen ermöglichen, und man baut ein Streamingsystem nach Wiener Vorbild auf. Überdies prüft man derzeit neue Sitze. "Man sitzt derzeit überall miserabel", so Meyer augenzwinkernd ob der Qualität der bestehenden Sessel.

(S E R V I C E - )

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