Nur die Tagestouristen kehren nach Hallstatt zurück

Während Hallstatts Bürgermeister Alexander Scheutz (SPÖ) im März noch von einem "leeren" Ort gesprochen hat, ist das touristische Leben im Juli zurückgekehrt. Jedoch kommen vor allem Tagesbesucher, bei den Nächtigungen rechnet Scheutz mit einem noch schlechteren Ergebnis als im Coronajahr 2020. Das Benehmen manch männlicher Besucher lasse zu wünschen übrig. Es mehren sich Beschwerden, wonach nicht das öffentliche WC sondern der öffentliche Raum als Toilette benutzt wird.

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© APA/AFP
 

Seit Beginn der Ferien strömen die Touristen wieder in den Weltkulturerbeort. Der Hauptteil der Besucherinnen und Besucher komme aus Österreich, vor einiger Zeit habe es auch vermehrt Besucher aus Tschechien gegeben, hieß es im Tourismusbüro. Sorgen bereiten dem Bürgermeister die Nächtigungszahlen. Vergangenes Jahr waren sie schon im Vergleich zu 2019 um rund die Hälfte von 145.000 auf 70.000 abgesackt. Für heuer zeichne sich noch ein weiterer Rückgang ab, womit eigentlich "niemand gerechnet" habe, so Scheutz. Im Mai habe es laut Tourismusbüro lediglich 1.300 Nächtigungen von Österreichern, rund 250 von Deutschen und etwa 300 bis 400 von Besuchern aus den übrigen Ländern gegeben. Der Vor-Corona-Durchschnitt lag bei 13.600 im Monat.

Vor allem die Buchungslage für den Herbst sei derzeit "nicht gut". Wegen des Ausbleibens der Überseetouristen und einer möglichen vierten Corona-Welle, drohe dem Ganzjahrestourismus in Hallstatt ein Ende. Es sei fraglich, ob alle Betriebe über den Winter offenhalten, gibt sich das Gemeindeoberhaupt sorgenvoll.

Aktuell ist am Tag von einer Besucherflaute jedoch nichts zu spüren. Wie eh und je drängen sich die Besucher durch den pittoresken Ort. Freilich seien es auch heuer wieder kaum Asiaten sondern vor allem Heimische. Diese Tagesgäste würden sich allerdings länger Zeit nehmen, buchen etwa auch eine Schifffahrt auf dem Hallstätter See und/oder besuchen das Schausalzbergwerk. Jedoch seien die Gäste "sehr kritisch", erhielt Scheutz als Rückmeldung. Es werde "sehr auf den Preis geschaut", sogar die 50 Cent für die Benutzung der öffentlichen Toiletten seien einigen Männern anscheinend zu viel. So würde hinter Häuser an Mauern oder in Tiefgaragen gepinkelt, ärgern sich derzeit viele der rund 770 Einwohner.

Und der E-Bike-Boom führt zu einer weiteren Anspannung der Situation. Die schmale Straße im Ort ist eine Begegnungszone, auf der Fußgänger, Radfahrer und Anrainer mit ihren Autos Platz finden müssen, beschreibt Scheutz die Verkehrslage. Die Einfahrt mit dem Pkw in den Ort ist für Touristen nicht erlaubt. Mittlerweile gilt auch für Busse ein Slot-System, nur mehr 54 pro Tag sind zugelassen. Anlass für diese Maßnahme war, dass Hallstatt vor Corona vor allem von asiatischen Touristen praktisch überrannt worden war. Derzeit gebe es aber genügend Luft, denn der Bustourismus sei bisher nicht in die Gänge gekommen.

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