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Keine WaffenruheTote und Verletzte bei neuen Kämpfen in Berg-Karabach

Keine Waffenruhe im Konflikt im Südkaukasus. In der Nacht auf Samstag wurden wieder schwere Angriffe gemeldet.

© APA (AFP)
 

Eine Woche nach der vereinbarten Waffenruhe dauern die Kämpfe in der Konfliktregion Berg-Karabach im Südkaukasus an. Aserbaidschan meldete schwere Angriffe der armenischen Seite in der Nacht auf Samstag auf Ganja, die zweitgrößte Stadt des Landes. Bei dem Raketenbeschuss seien mindestens 13 Menschen getötet worden, teilte das Zivilschutzministerium in der Hauptstadt Baku mit. Mehr als 50 Personen wurden verletzt.

Die Leichen der Opfer seien etwa unter Trümmern zerstörter Häuser gefunden worden. Auf von Aserbaidschan verbreiteten Bildern war zu sehen, wie Rettungskräfte in zerstörten Häusern nach Überlebenden suchen. Die Behörden sprachen von erheblichen Schäden.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium erklärte, an der Front weitere Geländegewinne erzielt zu haben. Nach Angaben des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev hat sein Militär zudem mehrere Dörfer und eine Stadt in dem Konfliktgebiet unter eigene Kontrolle gebracht.

Gegenseitige Vorwürfe

Armenien wiederum berichtete von Raketenangriffen der aserbaidschanischen Seite, darunter auf die Hauptstadt von Berg-Karabach. Dabei seien in Stepanakert mindestens drei Zivilisten verletzt worden. Beide Seiten warfen einander gegenseitig vor, gegen die Feuerpause verstoßen zu haben. Sie war am vergangenen Samstag unter der Vermittlung Russlands zustande gekommen. Allerdings wurde die Übereinkunft schon kurz nach Inkrafttreten gebrochen.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region mit etwa 145.000 Bewohnern. Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe.

Aus der mehrheitlich von christlichen Karabach-Armeniern bewohnten Bergregion sind inzwischen Tausende Menschen geflohen. Das armenische Verteidigungsministerium sprach von mehr als 600 getöteten Soldaten seit Beginn der neuen Kämpfe am 27. September. Aserbaidschan machte bisher keine Angaben zu Verlusten bei seinen Streitkräften. Bei armenischen Angriffen seien mehr als 50 Zivilisten getötet worden.

Kommentare (1)

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KarlZoech
1
1
Lesenswert?

Armenien und Aserbeidschan haben es seit dreißig Jahren, seit dem Ende der Sowjetunion,

nicht geschafft, ernsthafte Gespräche zur friedlichen Lösung dieser Frage zu führen.
Kein Staat wird es zulassen, dass ein Teilgebiet seines Staatsgebietes, noch dazu eines, welches völlig vom restlichen Staatsgebiet umschlossen ist, sich für staatlich unabhängig erklärt; dies sollte - realistischerweise - die armenische Seite auch so sehen. Die Lösung dieser Frage sehe ich in einer Autonomielösung für Nagorni-Karabach ("Berg-Karabach") nach dem Muster Südtirols.

Im Übrigen gilt sicher auch für diesen Konflikt dieses Wort des großen Karl Kraus:
"Krieg ist zuerst die Hoffnung, dass es einem besser gehen wird, hierauf die Erwartung, dass es einem anderen schlechter gehen wird, dann die Genugtuung, dass es dem anderen auch nicht besser geht und hernach die Überraschung, dass es beiden schlechter geht."