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Italien plant "Phase 2" mit aufgelockerten Maßnahmen

Im Coronavirus-Notstand plant die italienische Regierung plant bereits die "Phase 2", die eine teilweise Auflockerung des bis zum 13. April verlängerten Lockdowns vorsieht. "Wir hoffen, dass die erste Phase des akuten Notstands bald vorbei ist. Wir planen die zweite Phase, in der wir einige Maßnahmen auflockern werden", so Ministerpräsident Giuseppe Conte laut dem spanischen TV-Sender La Sexta.

© APA (AFP)
 

Nach dem Ende der "Phase 2" könne der Neubau des sozialen und wirtschaftlichen Netzes und der Neustart der italienischen Wirtschaft beginnen, sagte Conte. Er urgierte eine "rasche und solidarische europäische Lösung" zur Bewältigung des Coronavirus-Notstands. Dabei sei rasches Handeln notwendig. "Eine langsame Reaktion wäre nutzlos", argumentierte Conte.

Laut dem Virologen Fabrizio Pregliasco hat sich die Epidemiekurve in Italien stabilisiert. "Es gibt, erste positive Signale, dass die Zahl neuer Infektionen nicht mehr so stark wächst. Die ´Phase 2´ mit dem schrittweisen Neustart der Aktivitäten im Land könnte im Mai beginnen. Maßnahmen zur sozialen Distanz müssen jedoch auch in dieser Phase eingehalten werden", sagte Pregliasco. Es sei vernünftig, an eine schrittweise Wiedereröffnung produktiver Aktivitäten zu denken.

Die Lombardei, die von der Coronavirus-Krise am stärksten betroffenen norditalienischen Region, rechnet mit einem Rückgang der Epidemiekurve bis Ende dieser Woche. "Die Zahlen entsprechen unseren Erwartungen. Heute ist ein weiterer positiver Tag, weil die Infektionen nicht zunehmen", sagte der lombardische Präsident, Attilio Fontana, bei seiner täglichen Pressekonferenz in Mailand.

"Es ereignet sich, das was unsere Experten vorhergesagt haben: In einigen Tagen wird die Epidemiekurve endlich sinken", sagte Fontana. Er lobte die Leistungen des lombardischen Gesundheitssystems, das mit einem "dramatischen Tsunami" konfrontiert sei. "Natürlich gibt es Probleme, doch niemand anderer hat das bewältigen müssen, was unsere Ärzte in den Nothilfen lombardischer Krankenhäuser bewältigen", sagte Fontana.

Der lombardische Präsident warnte vor der Gefahr einer zweiten Coronavirus-Welle im Oktober und November. "Das schließen die Wissenschaftler nicht aus, daher müssen wir gut vorbereitet sein", erklärte Fontana, ein Politiker der rechten Lega. Die Zahl der Todesopfer in Italien wächst weiter, doch die Zahl der Infektionen hat sich seit einigen Tagen stabilisiert.

Die in Rom regierenden Sozialdemokraten (PD) forderten indes eine Verstaatlichung des derzeit auf regionaler Basis organisierten Gesundheitssystems in Italien. Die Unterschiede zwischen nord- und süditalienischen Regionen seien zu stark, forderte der stellvertretende PD-Chef Andrea Orlando. Der Vorschlag ist umstritten.

Inzwischen ist das Feldkrankenhaus eingeweiht worden, das im Eiltempo auf dem Messegelände der lombardischen Stadt Bergamo, dem Zentrum der Epidemie in der Lombardei, errichtet wurde. "Das als Notbehelf konzipierte Feldkrankenhaus ist inzwischen zu einem echten Spital mit 150 Betten avanciert, die Hälfte davon auf der Intensivstation. Es ist ein Wunder, dass wir in einem so kurzen Zeitraum dieses Krankenhaus errichten konnten", berichtete Sebastiano Favero, Präsident des Verbands der Alpini-Gebirgsjäger-Vereinigung, die an der Errichtung aktiv mitgewirkt hat.

"Die Flexibilität der Alpinjäger und ihre Gewohnheit, in Notstandsgebieten zu arbeiten, hat Wunder gewirkt. Wir haben am 24. März mit den Bauarbeiten begonnen und jetzt ist das Feldkrankenhaus fertig. Hunderte Personen haben ehrenamtlich gearbeitet, um es zu errichten", sagte Favero bei der Einweihung in Anwesenheit des Bürgermeisters von Bergamo, Giorgio Gori und des lombardischen Präsidenten, Attilio Fontana.

Bergamo ist die von der Epidemie in Italien am stärksten betroffene Stadt. 4.500 Tote werden im Raum um Bergamo beklagt. Laut Angaben der lokalen Tageszeitung "L'Eco di Bergamo", die sich auf Zahlen der Gemeinden rund um die Stadt beziehen, sind in einem Monat 5.400 Personen gestorben, 4.500 davon seien auf das Coronavirus zurückzuführen. Das ist etwa ein Drittel aller Covid-Toten in Italien.

Einige Coronavirus-Patienten sind indes in der Poliklinik der lombardischen Stadt Pavia mit dem Blut von Personen behandelt worden, die vom Covid-19 geheilt sind und daher Antikörper entwickelt haben. Die ersten beiden Blutspender waren zwei Ärzte. Dabei handelt es sich um ein Ehepaar, das sich in Pavia infiziert hatte, berichteten italienische Medien am Donnerstag.

Das Ergebnis der Behandlung wurde von den Experten als positiv bewertet, offizielle Angaben zum Test wurden jedoch doch nicht veröffentlicht. Die Poliklinik von Pavia richtete einen Appell an die vom Coronavirus genesehen Patienten und rief sie zu Blutspenden auf.

Eine Delegation chinesischer Ärzte aus Wuhan, die vor zwei Wochen die Poliklinik in Pavia besucht hatte, hatte sich positiv zur Plasmatherapie geäußert. Sie wurde bereits auf über tausend Patienten mit exzellenten Resultaten getestet.

In Italien ist unterdessen nach Angaben von Aktivisten erstmals ein Häftling an der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Der Todesfall bestätige "alle unsere Befürchtungen hinsichtlich der tragischen Konsequenzen einer Ansteckung in Gefängnissen", erklärte am Donnerstag die Nichtregierungsorganisation Antigone, die sich für die Rechte von Häftlingen einsetzt.

Die Justizbehörden müssten spätestens jetzt mehr Insassen aus den überfüllten Haftanstalten des Landes freilassen. Nach Angaben des italienischen Justizministeriums wurden unter den rund 58.000 Häftlingen im Land bisher 19 positiv auf das neuartige Coronavirus getestet. Zwei Wachleute seien an Covid-19 gestorben. Nach Angaben von Antigone wurden mehr als 120 Wachleute positiv getestet.

In Italien wurden bereits mehr als 110.000 Infektionsfälle registriert. Mehr als 13.000 Menschen starben an Covid-19, das ist die weltweit höchste Zahl an Todesfällen.

Die Coronavirus-Epidemie hat auch dem Tourismus in Venedig einen beispiellosen Schlag versetzt. 98 Prozent aller Hotels der Lagune und auf dem Festland sind geschlossen. Von den 3.150 in der Region Venetien sind knapp mehr als 20 offen, klagte der Präsident des venezianischen Hotelierverbands "Federalberghi Veneto", Marco Michielli.

Die Hotels erleben schwierige Zeiten wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die Besitzer, die bereits nach der Flutwelle im Oktober einen Gästeschwund erlitten haben, wurden in die Knie gezwungen. "Noch nie haben wir einen so schwarzen März für den Tourismus in der Region Venetien erlebt. Die Hoteliers bemühen sich, optimistisch zu sein, doch es ist nicht einfach", meinte Michielli laut der venezianischen Tageszeitung "Il Gazzettino" am Donnerstag. Ohne Touristen drohen in Venedig mindestens 10.000 Arbeitsplätze wegzufallen, schätzen Experten.

"Viele Hotels überlegen, ob sie im Sommer überhaupt öffnen können. Wir sind die am stärksten von der Krise betroffene Wirtschaftsbranche. Hotels haben als erste in dieser Krise geschlossen und werden als letzte öffnen", sagte Michielli. Wegen des Produktionsstopps werden allein in Venetien 110.000 Saisonarbeiter in der Touristikbranche ihre Arbeit verlieren. Auch am Gardasee sind fast alle Unterkünfte gesperrt.

Besorgt sind auch die Hotels an der Adria-Küste. In Jesolo sind fast alle der 360 Hotels mit 6.000 Mitarbeitern geschlossen. "Es gibt keine Sicherheit für die Zukunft. Sollte der Tourismus neu starten, rechnen wir mit Einbrüchen von über 50 Prozent. Damit ein Hotel offen halten kann, braucht man jedoch eine Mindestzahl an gebuchten Zimmern, ansonsten können wir die Mitarbeiter nicht zahlen. Einen Einbruch der Einnahmen von 50 Prozent können wir nicht verkraften", sagte der Präsident des Hotelierverbands von Jesolo, Alberto Maschio.

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