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Leopold MuseumHundertwasser, Beethoven und Pillhofer im Fokus

Egon Schiele und die Wiener Moderne stehen im Programm des Wiener Leopold Museums 2020 in Beziehung zu Friedensreich Hundertwasser, zu Ludwig van Beethoven, zu Erwin Osen und Josef Pillhofer. "Innovative Themen, internationale Kontextualisierung" sowie das Entdecken fast vergessener Positionen gab Museumsdirektor Hans-Peter Wipplinger in der Jahrespressekonferenz als Parolen aus.

© APA
 

"Unser Erfolgsrezept ist zuallererst die Sammlung", so Wipplinger heute, Mittwoch. "Aber auch unsere interdisziplinären und intermedialen Ansätze." Querverbindungen gibt es im kommenden Jahr zu Medizin und klassischer Musik, zu Bühnenbild und Gebrauchsgrafik. Und mit der Sammlung Emil Bührle ist erneut eine blockbusterverdächtige Privatsammlung zu Gast. Heidi Horten und das Klimt- und Schiele-Jubiläum hatten dem Haus 2018 eine Rekordbesucherzahl gebracht, 2019 wird man mit ca. 420.000 Besuchern um rund 100.000 darunter liegen und dennoch das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Hauses schreiben. Etwa ein Viertel der Besucher kommt aus dem Inland.

Als Besuchermagnet könnte bereits die erste Eröffnung des kommenden Jahres dienen: Mit "Hundertwasser - Schiele" (20.2.-31.8.) stellt man einen der prominentesten Schiele-Fans in den Fokus. Zwar trennt ein Jahrzehnt ihre beiden Biografien, doch erkannte Hundertwasser in seinem Idol einen geistigen Ziehvater. Themen wie der Vergänglichkeit widmeten sie sich nur auf den ersten Blick mit unterschiedlichen Mitteln, wie Gegenüberstellungen zeigen. Hundertwassers Schiele-Faszination erkundete man für die Schau auch im Archiv seiner Privatstiftung.

Überraschendes Archivmaterial war der Ausgangspunkt der Schau zum Bühnenbildner und Gebrauchsgrafiker Emil Pirchan (30.5.-21.9.). Sein Enkelsohn machte den Fund am Dachboden, "tatsächlich eine Entdeckung", wie Kurator Ivan Ristic unterstrich. Der Otto-Wagner-Schüler und "echter Tausendkünstler" war maßgeblich an der Wende von der illusionistischen zur expressionistischen Bühnengestaltung beteiligt, legte in seinen etwa 1.500 Plakaten Wert auf Reduktion und Farbflächen und verbrachte viele Jahre als Professor der Bildenden in Wien.

Zum Beethovenjahr 2020 rund um den 250. Geburtstag des Komponisten steuert das Leopold eine Fokus-Ausstellung innerhalb der Dauerpräsentation "Wien um 1900" bei und rekonstruiert das Musikzimmer der Villa Scheid: Dort hatte der Schwiegersohn der Familie, Josef Maria Auchenthaller, ein Ensemble als Visualisierung der "Pastorale"-Symphonie gestaltet. Sein Secessions-Fries zu "Freude schöner Götterfunken" ist dagegen nicht mehr erhalten (30.5.-21.9.). Den Brückenschlag in die Medizin vollzieht dagegen "The Body Electric" (27.8.-14.2.), eine Ausstellung zu Schiele-Weggefährte Erwin Osen, der sich für den Wiener Elektropathologen Stefan Jellinek als Zeichner seiner Patienten betätigte. Die enge Verquickung von künstlerischer und klinischer Betrachtung des Menschen war bereits beim heurigen Schiele-Symposium Thema.

Die gesamte Saison 2020/21 (2.10. -28.6.) bespielt die Sammlung Emil Bührle das erste Untergeschoss. "Atemberaubende Meisterwerke", wie Wipplinger in Aussicht stellte: Unter den 90 gezeigten Werken seien "viele weltbekannt", von Größen wie Cezanne, Monet, Van Gogh oder Gauguin kann man eine ganze Reihe wesentlicher Arbeiten vorweisen. Zur Sammlung Leopold sei Bührle auch deshalb eine spannende Ergänzung, weil hier "eine vollkommen andere Kunstgeschichte" erzählt würde, ebenfalls Parallelen gebe es bei der aufwendigen Aufarbeitung von Raubkunst-Vorwürfen, die im Fall von Bührle bereits abgeschlossen ist. Nach der Wien-Station wandert die Kollektion ins Kunsthaus Zürich, das extra dafür zugebaut hat.

Mit Josef Pillhofer steht 2020 auch wieder ein Bildhauer im Zentrum, die Retrospektive deckt mit ihrem Zeitraum von 20. November bis 15. März 2021 gleich die beiden Jahre des 10. Todestages sowie des 100. Geburtstages des Künstlers ab. Der "erste gegenstandslose Plastiker dieses Landes", so Wipplinger, der die Schau auch kuratiert, war ein ausnehmend international orientierter Künstler und brachte insbesondere aus seiner Pariser Zeit zahlreiche Impulse mit nach Wien.

Auf Wien schauen wird ab April vom Dach des Museums möglich sein: Da eröffnet die neue MQ-Libelle, erreichbar allerdings nicht durch das Haus, sondern via Außenlift. Das Erfolgsrezept des Museumsquartiers, nämlich "ein geschlossener Platz" zu sein, "wo man nichts konsumieren muss und mit viel Nähe zu Kultur", wird auch in der neuen Dach-Station weitergelebt, versprach MQ-Chef Christian Strasser.

(S E R V I C E - )

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