AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Deutscher Steimle siegte nach Sturzchaos in Kitzbühel

Von schweren Stürzen ist am Donnerstag die 5. Etappe der Österreich-Rundfahrt überschattet worden. Den Sieg holte nach 162 km von Bruck an der Glocknerstraße nach Kitzbühel der Deutsche Jannik Steimle vom Team Vorarlberg Santic, der Tiroler Patrick Gamper wurde Dritter. Die Anwärter auf den Gesamtsieg kamen unbeschadet durch, Ben Hermans ist vor dem Finale auf dem Kitzbüheler Horn der Favorit.

© APA (EXPA)
 

In Kitzbühel ist man vom Hahnenkammrennen böse Stürze gewohnt, doch am Freitag waren die Rettungskräfte auf den letzten 20 Kilometern vielfach gefordert. Am schwersten erwischte es den heurigen Etappensieger Giovanni Visconti, der nach einer Tunnelausfahrt und einer folgenden scharfen Rechtskurve mit anderen Fahrern 1.500 m vor dem Ziel schwer zu Sturz kam, und den rund 20 km vor dem Ziel in einer Abfahrt verunfallten Kasachen Stepan Astafjew. Astafjew erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Beide wurden mit dem Helikopter in das UKH Salzburg geflogen.

Visconti kam hingegen ohne ärgere Verletzungen davon. Der Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung habe sich zum Glück nicht bestätigt, sagte dessen Neri-Sottoli-Teamkollege Sebastian Schönberger, der auch in diesen Sturz im Finish verwickelt war. Der Oberösterreicher plant, die Rundfahrt am Freitag fortzusetzen.

Entwarnung gab es am Abend auch beim Niederländer Laurens ten Dam. Bei ihm bestand zunächst Verdacht auf eine Schlüsselbein- und Hüftverletzung. Im Spital wurden Brüche und eine Gehirnerschütterung beim Teamkollegen von Riccardo Zoidl, der gegen eine Leitplanke geprallt war, ausgeschlossen. Der Profi habe aber größere Abschürfungen und eine Hüftprellung links erlitten, erklärte CCC-Teamarzt Piotr Kosielski. Der Etappensieger Carlos Barbero aus Spanien wurde mit Verletzungen an einer Schulter ebenfalls mit der Rettung in ein Spital gebracht.

Steimles Jubel über den zweiten Sieg nach dem Prolog in Wels währte nur kurz. "Das ist eine unglaubliche Woche für mich, was wir hier abliefern ist grandios", sagte der Vorarlberg-Legionär, wünschte aber gleichzeitig den Sturzopfern gute Besserung. "Ich freue mich über den Sieg, aber wenn man gesehen hat, mit wie vielen km/h die anderen geflogen sind ..."

Für Gamper kam der dritte Rang überraschend. "Es war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich einen guten Sprint gefahren bin", sagte der Fahrer des Teams Tirol KTM. "Ich wollte unbedingt unter den ersten fünf in die letzte Kurve, es war wirklich gefährlich und sehr hektisch."

Vorjahressieger Hermans fährt im Roten Trikot zur alles entscheidenden Bergankunft zum Alpenhaus in 1.670 m Höhe. Der Belgier hat acht Sekunden Vorsprung auf den Australier Ben O'Connor und 13 auf den Kolumbianer Winner Anacona. Riccardo Zoidl, der Gewinner von 2013, ist 1:10 Minute dahinter Sechster.

Der 7,1 km lange und bis zu 22 Prozent steile Anstieg zum Horn hatte Zoidl bisher kein Glück gebracht. "Vielleicht geht es diesmal auf", sagte der 31-Jährige. Er habe sich seit langem überlegt, wie er es am besten angehen solle. "Vielleicht fahre ich unten meinen eigenen Rhythmus und riskiere 15 Sekunden zu verlieren, kann dafür aber auf den letzten Kilometern viel gutmachen", erklärte der Profi des Teams CCC.

Zoidls Teamkollegen hatten in der Abfahrt von der Bergwertung Niederau in der Wildschönau den attackierenden Visconti gejagt. Dabei kam es bei hohem Tempo zu den ersten gefährlichen Unfällen. Ten Dam und Astafjew stürzten schwer. "Wir hätten ruhig langsamer runterfahren können", meinte Zoidl später nachdenklich.

Kurz vor dem Ziel kam es bei der Ausfahrt aus einem Tunnel und einer gleich danach folgenden scharfen Rechtskurve zu einem Massensturz. "Auf den letzten 1.000 Metern ein Tunnel und dann gleich scharf rechts, das ist lebensgefährlich", kritisierte Stephan Rabitsch (Felbermayr Wels). Und der deutsche Tirol-KTM-Legionär Georg Zimmermann, der Führende der Bergwertung, meinte, hier wolle man keine Zielankunft mehr. "Nach dem Tunnel mit 70 km/h scharf rechts, da hat's richtig gecrasht."

Zoidl kam im Gegensatz zu Schönberger gut durch. "Ich habe schon geahnt, dass da etwas passieren wird und habe mich ganz hinten ins Feld zurückfallen lassen. Das war ein abartiger Crash, die meisten sind geradeaus geschossen. Ich bin froh, dass ich gut durchgekommen bin." Als Veranstalter sei man auf die örtlichen Gegebenheiten angewiesen, meinte der 31-Jährige. "Aber ein Tunnel vor einem Sprint, das ist immer heikel."

Tourdirektor Franz Steinberger stellte in einer Stellungnahme fest, alle gefährlichen Stellen seien im Roadbook (Streckenbeschreibung für die Teams, Anm.) angezeichnet. "Das waren heute zwei gefährliche. Die Sicherheit war gewährleistet durch die Absicherungsmaßnahmen, das hat die Rennleitung auch bestätigt", erklärte Steinberger. Nach dem ersten Unfall, dessen Ausmaß nicht absehbar gewesen sei, wären dort beide Rettungsautos und das Ärzteteam eingesetzt gewesen, um die Fahrer zu versorgen. "Nach Bekanntwerden des zweiten Unfalles hat es natürlich auch wegen der Verkehrssituation gedauert, bis sie beim Unfallort waren. Zusätzlich wurden weitere Rettungswägen angefordert", betonte der Tour-Chef.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.