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BernValie Export erhält hochdotierten Kunstpreis

Valie Export erhält den mit 150.000 Schweizer Franken dotierten Roswitha Haftmann-Preis 2019. Damit wird die 1940 geborene österreichische Künstlerin für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Ihr erstes Objekt war eine Zigarettenpackung mit ihrem Porträt und Künstlernamen: Valie Export. © APA
 

Die Filmemacherin, Medien- und Performancekünstlerin Valie Export gehört zu den wichtigsten internationalen Pionierinnen. Das weiß auch die Roswitha-Haftmann-Stiftung, die seit 2001 lebende Künstlerinnen und Künstler mit einem Preis ehrt, "deren Werk von überragender Bedeutung ist" - nun auch die 79-jährige Linzerin. Im Stiftungsrat, der die Auszeichnung vergibt, sitzen die Direktoren des Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel, des Museums Ludwig in Köln und des Kunsthauses Zürich. 2016 wurde der Österreicher Heimo Zobernig mit dem Preis bedacht. Valie Export erhält die Auszeichnung, dotiert mit 150.000 Schweizer Franken (rund 134.000 Euro), am 27. September im Kunsthaus Zürich.

Porträt

Ihr erstes Objekt war eine Zigarettenpackung mit ihrem Porträt und Künstlernamen: Valie Export. Heute wird ihr Name international hoch geschätzt. Die Medien- und Performancekünstlerin, Filmemacherin und feministische Theoretikerin wurde 1940 in Linz als Waltraud Lehner geboren, wuchs sie in einem Lehrerhaushalt auf. Als die in einer Klosterschule erzogene junge Frau mit 18 ein Kind bekam (sie nannte es Perdita, die Verlorene), heiratete sie. Doch schon bald brach sie mit ihrer bürgerlichen Existenz. Nach Besuch der Kunstgewerbeschule in Linz zog sie 1960 nach Wien, studierte Textildesign, fand Anschluss an die Künstlerkreise rund um die Wiener Gruppe, Art Club und "Strohkoffer" und erfand 1966 ihren Namen als künstlerisches Konzept in Versalien.

Im Umfeld des Wiener Aktionismus - sie war mit Peter Weibel, Hermann Nitsch und Kurt Kren Mitglied des von Otto Mühl und Günter Brus gegründeten "Wiener Instituts für direkte Kunst" -, dessen Frauenbild sie jedoch ablehnte, sorgte sie mit Körperaktionen und Expanded Cinema-Aktionen wie ihrem um die Brust geschnallten "Tapp- und Tastkino" (1968) oder der im Schritt offenen "Aktionshose: Genitalpanik" auch auf den Chronik-Seiten für Schlagzeilen. Ihre Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Stellung der Frau, ihre Experimente mit neuen Medien und damit einher gehenden veränderten Wahrnehmungen machte Valie Export (die mit bürgerlichem Namen Waltraud Stockinger heißt) zu einer internationalen Pionierin der Medienkunst und der feministischen Kunst.

1970 präsentierte sie in London ihre erste Videoarbeit "Split Reality", in der dreiteiligen Fernseharbeit "Das Bewaffnete Auge" setzte sie sich in den Dialog mit der Filmavantgarde, ihre Filme "Unsichtbare Gegner", "Menschenfrauen" und "Die Praxis der Liebe" wurden bei den Filmfestspielen in Berlin gezeigt. Grenzen nicht zu akzeptieren, sondern infrage zu stellen, sei stets ihre zentrale Haltung gewesen, sagt Valie Export in der neuen Film-Doku, in der auch der früh gepflogene offene Umgang mit dem eigenen, weiblichen Körper und der Sexualität in ihrem Schaffen deutlich wird. An ihren grundsätzlichen künstlerischen Anliegen - "Körper, Konzept, Medien" - habe sich wenig geändert. Und an der Gesellschaft auch nicht so viel "wie ich in meinen Utopien gedacht habe", sagte Valie Export einmal. Gerade wenn man an Feminismus denke, "hat man eher das Gefühl, dass man immer wieder von vorne anfangen muss".

Sie nahm an internationalen Ausstellungen u.a. im Pariser Centre Pompidou, bei der documenta und im New Yorker MoMA ebenso teil wie an internationalen Filmfestivals. 1980 war sie mit Maria Lassnig offizielle Vertreterin Österreichs auf der Biennale in Venedig, 2009 Kommissärin. Neben ihren künstlerischen Aktionen und Werken war Valie Export stets auch in der Theorie und in der Ausbildung tätig. Von 1991 bis 1995 war Valie Export Professorin für Gestalten mit technischen Bildmedien, 1994/95 auch Vizepräsidentin der Hochschule der Künste Berlin. Von 1995 bis 2005 lehrte sie als Professorin für Multimedia-Performance in Köln.

1995 wurde ihr der EA-Generali-Skulpturenpreis zuerkannt, im Jahr 2000 wurde sie mit Oskar Kokoschka-Preis sowie dem Alfred-Kubin-Preis ausgezeichnet. 2003 erhielt die Künstlerin das Goldene Ehrenzeichen Wiens, 2005 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und 2009 das Ehrendoktorat der Kunstuniversität Linz. 2014 wurde sie in New York mit dem von Yoko Ono gestifteten "Courage Award for the Arts" ausgezeichnet, der mutiges Kunstschaffen würdigt, das gesellschaftlichen oder politischen Hürden trotzt.

 

Kommentare (1)

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BernddasBrot
0
0
Lesenswert?

De Aktionismus mit Peter Webel

war damals in Wien ...extraordinary......

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