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Lopatka-Prozess in Graz mit dritter Tochter fortgesetzt

Im Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen Eduard Lopatka fortgesetzt worden, ehe er erneut vertagt wurde. Am Programm standen die Befragung einer Tochter sowie der Ex-Frau. Dem Arzt wird vorgeworfen, jahrelang seine vier Kinder gequält zu haben. Er soll sie durch Selbstmorddrohungen und -verletzungen verunsichert und durch abfällige Bemerkungen gekränkt haben.

© APA (Archiv)
 

Am Beginn der Verhandlung standen wieder einmal Anträge, diesmal wollte der Privatbeteiligtenvertreter unter anderem einen Tagebuchauszug des Angeklagten verlesen haben. "Mit den Persönlichkeitsrechten haben Sie kein Problem?", fragte Richter Oliver Graf, der das Schriftstück vorläufig nicht zuließ.

Dann begann die abgesonderte Befragung der dritten Tochter, die beiden anderen sowie der Sohn wurden bereits gehört. Die mittlerweile 29-Jährige wirkte sehr mitgenommen und weinte nahezu während des gesamten Gesprächs mit dem Richter."Ich habe heute noch Angst vor ihm", gab die Zeugin über ihren Vater zu Protokoll. "Warum?", wollte der Richter wissen. "Weil ich gehört habe, dass er sich eine Schusswaffe gekauft hat, weil er Sprengstoff hat, weil er Säure für der Mama ihr Gesicht gekauft hat, weil er unser Haus sprengen will", brach es auch der jungen Frau heraus.

Auch die Morddrohungen, die Lopatka gegen eine seiner Ex-Freundinnen gerichtet haben soll, würden ihr Angst machen. "Glauben Sie dieser Frau alles?", fragte der Vorsitzende. "Ja, Waffen waren immer schon ein Thema".

Die Selbstmorddrohungen des Vaters versetzten sie in Angst und Schrecken als sie ein Kind war. Sie schilderte, dass er einmal vor der Schlafzimmertüre gestanden sei und sich eine Waffe an die Schläfe gehalten hatte. Sie habe geschrien "Bitte Papa tu's nicht". Später erkannte sie, "es war nur Manipulation, er wollte sich eh nie umbringen", war sie bei ihrer Befragung überzeugt.

Trotz aller Probleme habe sie "ihn vergöttert", er sei ihr "halbes Herz" gewesen. "Ich bin ihm als Einzige immer nachgelaufen, wenn er weggegangen ist, ich wollte eine gute Tochter sein." Der Mutter durfte sie nie etwas erzählen, der Vater redete ihr ein, dass sich diese dann scheiden lassen würde. "Ich habe gedacht, wenn sich die Mama scheiden lässt, bringt er sich um."

Die Befragung der 29-Jährigen wurde äußerst penibel durchgeführt und dauerte entsprechend lange. Sie erklärte, dass die Selbstverletzungen ihres Vaters häufig vorgekommen wären, ebenso wie die Selbstmorddrohungen. Sie selbst habe durch den ständigen Druck eine Zwangsstörung entwickelt, die sich erst mit ihrem Umzug nach Wien gelegt hätte, so die Zeugin.

Der Arzt hat sich nach Angaben seiner Tochter immer wieder so heftig geritzt und geschnitten, dass "dann das Blut aus dem Gewand gekommen ist." Sobald von Scheidung nur die Rede war, habe sich ihr Vater selbst verletzt.

Sie selbst wurde bereits mit elf Jahren depressiv und bekam von ihrem Vater Medikamente. "Wer hat die Diagnose erstellt? Waren Sie auf der Kinderpsychiatrie", wollte der Richter wissen. Das verneinte die Zeugin, ihr Vater habe ihr die Tabletten gegeben. Laut Anklage hatte das bei ihr zu einer Sucht geführt.

"Ich hatte auch eine Zwangsstörung, es musste alles immer ganz ordentlich in meinem Zimmer sein. Wenn ein Sessel verrückt war, habe ich das nicht ausgehalten", beschrieb die 29-jährige. Diese Störung sei innerhalb von zwei Wochen weg gewesen, nachdem sie nach Wien gezogen war, beschrieb die junge Frau.

Am Nachmittag wurde die Ex-Frau von Lopatka als Zeugin gehört. Sie gab an, er habe immer schon mit Selbstmord gedroht. "Ich wollte ihn schon vor der Heirat verlassen", gab sie zu Protokoll. Doch es gab auch "die großen Liebesschwüre", also ging sie die Beziehung ein.

Zu den Quälereien, die 22 Jahre gedauert haben sollen, meinte die Mutter der vier Kinder: "Es hat Schläge auf den Hinterkopf der beiden Mädchen gegeben, die waren so zwei, drei Jahre". Doch das sei nur einmal vorgekommen; "Ich habe ihn darauf angesprochen und er hat es nicht mehr gemacht".

"Haben Sie die Selbstmorddrohungen mitbekommen?", fragte Richter Oliver Graf. "Ja", antwortete die Zeugin. "Wann hat das begonnen?", hakte der Richter nach. "Ich habe ihn so kennengelernt", legte die Frau dar. Er habe sie schon vor der Ehe durch Drohungen manipuliert. "Es war schon damals eine Quälerei", musste sie eingestehen. Dass ihr Ex-Mann auch die Kinder mit hineinzog, kommentierte sie mit den Worten: "Es war nicht verhinderbar, dass die Kinder das hören."

An weiteren Verhandlungstagen sollen noch einige Zeugen sowie zwei Sachverständige zu Wort kommen. Ein Urteil dürfte frühestens am 16. Mai erfolgen.

Wurde die erste Auflage dieses Verfahrens an zwei Verhandlungstagen erledigt, so sind diesmal mindestens sieben Sitzungen nötig, um das Geschehen penibel aufzuarbeiten.

Der Prozess wird am 30. April um 9.00 Uhr fortgesetzt. Es werden weitere Zeugen sowie die Erörterung des kinderpsychologischen Gutachtens erwartet.

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