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Osterfestspiele: Morbides Drama "Therese" uraufgeführt

Seit der ehemalige Salzburger Festspielintendant und Komponist Peter Ruzicka für die Geschäfte der Osterfestspiele verantwortlich zeichnet, hat sich eine Tradition von szenischen Uraufführungen entwickelt. Am Sonntag wurde eine Auftragskomposition der Osterfestspiele und der Staatsoper Hamburg in der Universitätsaula uraufgeführt - die Kammeroper "Therese" von Philipp Maintz.

© APA
 

Das Libretto stammt von Otto Katzameier nach dem Roman "Therese Raquin" von Emile Zola. Katzameier verkörperte zugleich die zentrale Figur des Laurent in diesem höchst morbiden Drama, das von Georges Delnon, dem Intendanten der Staatsoper Hamburg, in Szene gesetzt wurde. Auch die Gruppe von Musikern, die diese Uraufführung realisiert hat, stammt aus Hamburg. So komplettierten neben Katzameier Marisol Montalvo in der Titelrolle sowie Renate Behle als Madame Raquin und Tim Severloh als Camille die Solistenriege.

Der 1977 geborene deutsche Komponist Philipp Maintz hat einen Krimi des 19. Jahrhunderts zur Grundlage seiner rund 90-minütigen Oper gewählt. Im Roman von Zola spiegelt sich die gesellschaftliche und moralische Enge seiner Zeit, in der das Liebespaar nur durch den Mord am Ehemann die Möglichkeit des Zusammenlebens sieht. Danach aber verlieren sich die beiden "liebenden Mörder" in Schuld, Vorwürfen und verzweifeltem Hass, der schließlich zu Verfolgungswahn und zu gemeinsamem Selbstmord führt.

Maintz kommt aus der Schönberg'schen Tradition der seriellen Kompositionstechnik und arbeitet in "Therese" zudem mit mikrotonalen sowie gesprochenen Ausdrucksformen des durch Katzameier radikal eingedampften Textes. Nicht immer gelingt es Maintz, die Handlung und den Klang der Musik unter einen Hut zu bringen. So unterscheiden sich wilde Verführung, leidenschaftlicher Sex, der Mord selbst, die Einsamkeit oder das schlechte Gewissen klanglich oft kaum. Das raubt dem Stück Tempo und dramaturgische Kraft. Dennoch gelingt es dem Komponisten, dem Librettisten und den Sängern auf der Bühne über weite Strecken, die emotional ungeheuer morbiden Seelenzwänge der Romanvorlage über die Bühne zu bringen.

Daran haben auch Regisseur Delnon und Bühnenbildnerin Marie-Therese Jossen erheblichen Anteil. Auf fünf in die Tiefe reichenden, von Biedermeier-Kommoden begrenzten Plattformen spielen und singen Katzameier, Montalvo, Severloh und Behle mit beeindruckender Konsequenz. Im Bühnenhintergrund dominieren Ölbilder von stürmischem Wasser mit teilweise eher verwirrenden Videoprojektionen. Dirigent Nicolas Andre und das kleine Orchester arbeiten höchst professionell, sodass die sperrige, hochmoderne Kammeroper im Geist des 19. Jahrhunderts durchaus auch kurzweilige Passagen hat.

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