In Leipzig waren es dem Bündnis zufolge 2.500 Demonstranten, in München mehr als 1.500. In Berlin fiel zugleich der Startschuss für eine Unterschriftensammlung, mit der das Volksbegehren "Deutsche Wohnen und Co enteignen" auf den Weg gebracht werden soll. Die Initiatoren fordern eine Vergesellschaftung privater Wohnungsunternehmen, die mehr als 3.000 Wohnungen besitzen. Allein Deutsche Wohnen gehören rund 160.000 Wohnungen in Deutschland. Mit diesen Konzernen machten die Mieter "seit Jahren sehr schlechte Erfahrungen", sagte Rouzbeh Taheri, der die Aktion mit angestoßen hat, Reuters TV. "Wir wissen, dass sie ihren Aktionären verpflichtet sind und nicht den Mieterinnen und Mietern."

Linkspartei-Chefin Katja Kipping sprach von einem bundesweiten Signal. "Überall wo Miethaie agieren, nach dem Motto 'Der Profit ist alles und das Wohl der Mieterinnen und Mieter ist nichts' sollen sie Angst haben und wissen: Im Zweifelsfall gibt es dann Rufe nach Vergesellschaftung und Rufe wie 'Deutsche Wohnen oder Vonovia enteignen'", sagte sie Reuters TV.

Dagegen sprach sich SPD-Chefin Andrea Nahles gegen Enteignungen als Instrument gegen Mietenexplosion und Wohnungsnot aus. "Ich verstehe die Wut auf Wohnungskonzerne, die jeden Cent aus den Mietern rauspressen wollen", sagte sie der Zeitung "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. "Aber Enteignung dauert Jahre und schafft keine einzige Wohnung." Die für Entschädigungen fälligen Milliardenzahlungen des Staates fehlten für den dringend benötigten Neubau durch öffentliche Wohnungsbaugesellschaften.